Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 319 Portenhagen, Schäferwiese 2 1650

Beschreibung

Glocke. Bronze. Das früher als Schule und Kapelle dienende Gebäude befindet sich heute in Privatbesitz. Die Glocke hängt noch immer in einem Dachreiter. Die dreizeilige, erhaben gegossene Inschrift unter einem Taubandfries. Unter den Zeilen Doppelstege, unter dem Steg ein Fries mit hängenden Blättern; als einfache Worttrenner dienen Punkte und Sterne, sonst Rosetten. Die ersten beiden Wörter der zweiten Zeile folgen unmittelbar anschließend an das letzte Wort der ersten Zeile und sind direkt unter dem oberen Steg angebracht, die weiteren auf dem unteren Steg.

Maße: H.: 52 cm; Dm.: 62 cm; Bu.: 1,7 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 96, Nr. 319 - Portenhagen, Schäferwiese 2 - 1650

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Jörg Lampe) [1/3]

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Kommentar

Die Buchstabenformen entsprechen denen auf der von Meister Henni Lampe im selben Jahr gegossenen Glocke für Amelsen; dazu und zum Werk des Meisters vgl. Nr. 318. Dies ist besonders auffällig am Z mit Mittelbalken und an der geschwungenen Cauda des R. Neben I wurde auch J genutzt; wie J ist die 1 der Jahreszahl geformt, das obere Schaftende der 6 ist leicht umgebogen. Auf der von Lampe im selben Jahr für St. Michaelis in Hildesheim gegossenen Glocke verwendete er den Gießerspruch in identischer Form.1)

Die im selben Jahr entstandenen und für zwei benachbarte Orte bestimmten Glocken wurden möglicherweise zusammen von Hildesheim an ihre Zielorte transportiert. Um 1650 gab es in Portenhagen 20 Haushalte mit ungefähr 120 Einwohnern; der Name Mollenhauer kam im Ort vor. Die Kapelle von Portenhagen war im Dreißigjährigen Krieg zerstört worden. 1650 wurde für die neue Glocke ein eigener Glockenstuhl errichtet; erst 1731 wurde ein Schulhaus erbaut, in dem die Glocke aufgehängt wurde. Dieses wurde 1902 durch den heutigen Bau ersetzt.2)

Textkritischer Apparat

  1. MOLLENHAWER] Das erste L schwach in die Gussform eingedrückt; der aufgesetzte Wachsbuchstabe ist vor dem Guss abgefallen.

Anmerkungen

  1. Vgl. DI 58 (Stadt Hildesheim), Nr. 742.
  2. Wolter, Geschichte einer Glocke, S. 6.

Nachweise

  1. Ruth Wolter, Geschichte einer Glocke, in: Kirchenfenster. Mitteilungsblatt der Ev.-luth. Kirchengemeinde Lüthorst. November 2000 bis Januar 2001, S. 6f.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 319 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0031907.