Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 315 Gehrenrode, Kirche 1649 od. später

Beschreibung

Kelch. Silber, die Kuppa innen und am Trinkrand außen vergoldet. Leicht erhöhter, runder Fuß mit Standring und eingraviertem Sechspassmuster; der Fuß verjüngt sich zum sechsseitigen Schaft. Auf den sechs Rotuli des schlichten Nodus Inschrift A in Konturschrift graviert vor schraffiertem Hintergrund. Die eingravierte Inschrift B auf zwei der sechs Laschen des Fußes; gegenüber auf einer Lasche das Hildesheimer Beschauzeichen und das Meisterzeichzen (M21) des Jobst Sühry.1) Unter dem Fuß die eingravierte Gewichtsangabe C.

Maße: H.: 19,8 cm; Dm.: 11,7 cm (Fuß), 11 cm (Kuppa); Bu.: 0,7 cm (A), 0,2 cm (B), 0,25 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B), Kursive (B: thall(er), C).

DI 96, Nr. 315 - Gehrenrode, Kirche - 1649 od. später

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/4]

  1. A

    I H E S V S

  2. B

    HIR · ZV · GEGEBEN · / IVRGEN · SPANGEN · / · 10 · thall(er) // BARTOLD · DRÖGEN / · 6 · thall (er)

  3. C

    · 31 · lott ·

Kommentar

Die konturierten Buchstaben auf den Rotuli weisen keilförmige Verbreiterungen der Schaft- und Bogenenden auf. Sie entsprechen Formen, die seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts auf Rotuli gebräuchlich waren. Die Form des Nodus schließt eine Entstehung dieses Teils und der Schaftstücke bereits im 16. Jahrhundert nicht aus. Wahrscheinlicher ist allerdings eine Neuanfertigung dieser Teile zusammen mit dem Fuß in der Mitte des 17. Jahrhunderts, bei der sich der Goldschmied an älteren Formen orientiert hat. Auch weisen die Buchstaben der Meistermarke dieselben Formen wie die auf den Rotuli auf. Auffallend an der Stifterinschrift sind die langgezogene, geschwungene Cauda des R, die durchgebogene Cauda des G, dessen oberes Bogenende, wie das des S, einen ausgeprägten geschwungenen Sporn aufweist. Die Schaft- und Balkenenden sind mit rechtwinkelig angesetzten Sporen versehen; das Z mit Mittelbalken. Die schaftförmige, unten gespaltene und nach rechts leicht umgebogene 1 ist konturiert. Ähnliche Formen finden sich auf Stifterinschriften, die kurz nach 1650 entstanden sind; vgl. Nr. 107 u. 112.

Die Kelchstiftung ist nach 1649 erfolgt, da das Hildesheimer Beschauzeichen unter dem halben Adler diese Jahreszahl zeigt; das Zeichen wurde allerdings bis in das 18. Jahrhundert verwendet. Jobst Sühry, Sohn des Hildesheimer Goldschmiedes Cordt Sühry, lernte von 1608 bis 1612 in seiner Heimatstadt; 1619 wurde er in die Gilde der Silberschmiede aufgenommen; bereits 1626 Ältermann, wurde er 1662 Senior und starb 1666.2) Den vorliegenden Kelch, eines von nur zwei bekannten Werken, kann er demnach nur zwischen 1649 und 1666 angefertigt haben. Da die Neuanschaffung von Kirchengerätschaften nach den Verlusten des Dreißigjährigen Krieges oftmals sehr schnell erfolgte,3) ist ein frühes Datum keinesfalls unwahrscheinlich.

Ein Johannes Drögen erscheint 1615, wahrscheinlich als Ältermann der Kirche, auf einer Inschrift im Turm; vgl. Nr. 243.

Anmerkungen

  1. Beschauzeichen: Geteilter Schild, oben ein halber Adler, unten gespalten mit den Ziffern 4 und 9 in den Feldern. Meistermonogramm M21 in verschlungenen Buchstaben: I(OBST) S(ÜHRY); Abb.: Kdm. Kreis Gandersheim, S. 478, Tafel XXI, Nr. 17. Danach Scheffler, Goldschmiede, Bd. 2, S. 816, Nr. 1543 u. 1544.
  2. Scheffler, Goldschmiede, Bd. 2, S. 815f.
  3. Vgl. Nr. 312. DI 88 (Lkr. Hildesheim), Einleitung, S. 34.

Nachweise

  1. Kdm. Kreis Gandersheim, S. 230.
  2. Corpus bonorum von Gehrenrode und Helmscherode (1749): StAW 129 Neu 72, Nr. 86, S. 35.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 315 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0031503.