Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 310† Hevensen, St. Lambertus 1648

Beschreibung

Epitaph für Arnold Jakob Götze, angebracht hinter dem Altar. Holz, bemalt. Über einem vor schwarzem Hintergrund gemalten Bild des Gekreuzigten die Inschriften A und B, unter diesem Inschrift C.1) Die Inschriften B und C wurden von dem um Nachbildung der originalen Erscheinung bemühten Abschreiber in Versalien wiedergegeben.

Inschrift nach HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607 (Nro. 8).

  1. A

    SAP: 4. K.a) 14. Deine Wegeb) gefällt Gott wohl und ist ihm lieb darumb eilet er mit ihm aus dem bösen leben2)

  2. B

    OSSA DEO TVTANTE CVBANT IN PVLVERE TERRAE SPIRITVS AT COELI GAVDIA SVMMA CAPIT

  3. C

    ARNOLD JACOBVS PASTORIS BERNHARDI NICOLAI GÖTZII FILIOLVS ANNO MILLESIMO SEXCENTESIMO QVADRAGESIMO OCTAVO IPSO D(IE) JACOBI APOSTOLI3) DIE NATVS SEPTIMO DECEM(BRIS) EODEM ANNO MORBO SACRO EXTINCTVS CVM HEBDOMADAS VIXISSETc) VIX NOVEMDECIM HEIC SEPELIEBATVR

Übersetzung:

Die Gebeine schlafen unter Gottes Schutz im Staub der Erde, aber der Geist gewinnt die höchsten Himmelsfreuden. (B)

Arnold Jakob, des Pastors Bernhard Nikolaus Götze Söhnchen, im Jahr 1648 eben am Tag des Apostels Jakob geboren, starb am 7. Dezember im selben Jahr an der heiligen Krankheit (d. h. Epilepsie), nachdem er kaum 19 Wochen gelebt hatte. Hier wurde er begraben. (C)

Versmaß: Elegisches Distichon (B).

Kommentar

Bernhard Nikolaus Götze (um 1609–1670) war von 1640 bis 1643 Pastor in Bodenfelde;4) von 1643 bis 1670 amtierte er in Hevensen5). Bereits 1646 war eine Schwester des kleinen Sohns gestorben und vom Vater wortreich beklagt worden; Nr. 307. Die Vornamen des Verstorbenen deuten auf eine Patenschaftsbeziehung zu der Familie Pape hin. Jakob Arend Pape (um 1590–1646) hatte die Kirche in Hevensen zum Erbbegräbnis der Familie gemacht; Nr. 306.

Die Bezeichnung der Epilepsie als ‚heilige Krankheit‘ (morbus sacer) geht auf die Antike (u. a. bei Hippokrates) zurück.6)

Textkritischer Apparat

  1. K.] In der Abschrift ist ursprüngliches V zu K korrigiert.
  2. Wege] Verlesen aus Sele? Vgl. Anm. 2.
  3. VIXISSET] VIXISSEI HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607 (Nro. 8); vixisset bereits durch Grote verbessert.

Anmerkungen

  1. HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607 (Nro. 8). Vgl. Grote, Denkmalpflege, S. 88.
  2. Wsh. 4,14: Denn seine [des Gerechten] seele gefelt Gott / darumb eilet er mit jm aus dem bösen leben.
  3. 25. Juli.
  4. Meyer, Pastoren, Bd. 1, S. 106.
  5. Meyer, Pastoren, Bd. 1, S. 497.
  6. Vgl. Enzyklopädie Medizingeschichte, hgg. von Werner E. Gerabek u. a., Berlin/New York 2005, S. 361f.

Nachweise

  1. HStAH Hann. 74 Northeim, Nr. 607 (Nro. 8).
  2. Grote, Denkmalpflege, S. 88 (B, C; nach Hann. 74 Northeim, Nr. 607).

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 310† (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0031003.