Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 281 Uslar, Heimatmuseum 1637

Beschreibung

Grabplatte für das Kind Ilsabe Koch. Stein. Heute aufgestellt an der Westmauer im Hof des Heimatmuseums. Der vorliegende und zwei weitere Steine, die heute ebenfalls an der Hofmauer angebracht sind, wurden um 1952 bei Straßenerweiterungsarbeiten vor dem Isertor gefunden. Sie stammen vermutlich von dem dortigen früheren Friedhof, der bei der 1790 abgebrochenen Marienkapelle vor den Mauern lag.1) Vgl. Nr. 252 u. 258. Die erhaben in vertiefter Zeile ausgeführte Inschrift füllt in 15 horizontal verlaufenden Zeilen die Platte aus. Die Schrift ist verwittert und durch Flechtenbewuchs gestört.

Maße: H.: 105 cm; B.: 56 cm; Bu.: 5,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien und Minuskel-t.

DI 96, Nr. 281 - Uslar, Heimatmuseum - 1637

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Julia Zech) [1/4]

  1. AN(N)Oa) · 1637 · AM 5 · NOV(EMBRIS) / ISTb) IOHAN KOCHS / AMBTMANSc) A[L]HIE / DOCKTERd)2) ILSABEYe) IHRS / ALTERS 47 WOCHEN / MORGENS VMB 2 · VHRf) / SEHLIG GESTORBEN / GOttg) GEB IHR EINE / FROLIGEh) AVFERSTEH/VNGi) · MAR(CI) · AM X · / LASET DIE KINDER / ZV MIR KOMEN · V[N]T / WEHRET IHNEN NICHTj) / DEN SOLCHER IST / DAS HIMELREICH3) ·

Kommentar

Die Buchstaben sind mit sehr breitem Strich ausgeführt; keilförmige Verbreiterungen treten nur sparsam, besonders an den Bogen- bzw. Balkenenden von S, E und F auf. Die spitz zulaufende Cauda des R ist geschwungen, der Mittelteil des M endet über der Mittellinie. Der rechte Schrägschaft des asymmetrischen Y ist unten umgebogen. Der untere Balken des Z setzt bereits knapp unter der Mittellinie an und ist geschwungen, der Mittelbalken ist kurz. Die 1 ist unten umgebogen, der Schaft der 7 ist unten nach rechts umgebogen; hinzu kommen eine spitze 2, oben spitze 3 sowie geschlossene 4.

Johann Koch war bis mindestens 1648 Amtmann in Uslar.4) Sein Vater Heinrich war Anwalt in Einbeck.5) Johann Koch war verheiratet mit Anna Jäger, Tochter des Oberförsters im Solling Hans Jäger. Eine Tochter des Paares, Dorothee, heiratete Christian Philippi, Kammermeister in Celle.6)

Textkritischer Apparat

  1. AN(N)O] Das A als Versal in die Zeile darunter verlängert.
  2. IST] IS kleiner wegen des Versals in der Zeile darüber; vgl. die vorige Anm.
  3. AMBTMANS] Das A als Versal in die Zeile darunter verlängert; das B etwas kleiner, unter dem nach links verlängerten Balken des folgenden T.
  4. DOCKTER] DO kleiner wegen des Versals in der Zeile darüber; vgl. die vorige Anm. Der obere Schrägbalken des K ist mit dem Deckbalken des T verbunden.
  5. ILSABEY] E kleiner zwischen B und Y gesetzt.
  6. VHR] Das R auf dem Rand.
  7. GOtt] G als Versal in die Zeile darunter verlängert. Die Ligatur wie in der zeitgenössischen Kurrentschrift durch Verbindung des unteren Bogenendes des ersten t mit dem oberen Bogenende des zweiten t; die Mittelbalken sind durchgezogen.
  8. FROLIGE] F und R kleiner wegen des Versals darüber; vgl. die vorige Anm.
  9. AVFERSTEH/VNG] Das zweite E kleiner und teilweise unter den Deckbalken des T geschrieben, H mit dem rechten Schaft auf dem Rand.
  10. NICHT] Der rechte Schrägschaft des H ist mit einem Deckbalken versehen.

Anmerkungen

  1. Vgl. Hahn, Grabsteine, S. 25.
  2. D. h. Tochter.
  3. Mk. 10,14.
  4. Eine Zeugenaussage des Amtmanns aus dem Jahr 1647: HStAH Hann. 27 Hild, Nr. 1965/1 (zit. nach Findbuch). Vgl. auch die folgende Anm. Heinrich Jüttner führt aus einer Uslarer Kirchenrechnung von 1632/33 für 1633 zwar „Amptmann Johannes Kochs Wwe.“ an; dabei muss es sich um eine Verlesung handeln; vgl. Jüttner, Bürger, S. 16.
  5. 1648 verlangte Johann Koch vom Kapitel des Stiftes Gandersheim rückständige Honorare seines (verstorbenen) Vaters Heinrich Koch für im Jahr 1641 in Einbeck geleistete Anwaltstätigkeit; StAW 2 Alt, Nr. 17665 (zit. nach Findbuch).
  6. Die biographischen Angaben nach der Ehelichkeitsbescheinigung des Uslarer Rates für den Enkel Christian Heinrich Philippi aus dem Jahr 1670; StAW 7A Urk, Nr. 1815.

Nachweise

  1. Hahn, Grabsteine, S. 29, mit Abb.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 281 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0028104.