Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 280(†) Northeim, St. Sixti und Museum 1636, 1673

Beschreibung

Fünf der ursprünglich sechs Tafeln von der früheren Kanzel von St. Sixti. Ölgemälde auf Holz. Die Kanzel wurde 1846 abgebrochen und die Tafeln zunächst in der Hieronymus-Kapelle der Kirche, von 1912 bis etwa 1970 in der zum Museum gehörigen ehemaligen Kapelle St. Fabian u. Sebastian am Markt aufbewahrt.1) Die Tafeln mit den Inschriften A und B befinden sich heute wieder in St. Sixti, die jüngere Tafel mit der Inschrift C im Museum.2)

Auf drei heute schwarz gerahmten Tafeln in einer gemalten Rundbogennische die in ein Buch schreibenden Evangelisten mit ihren Symbolen: Matthäus mit dem Engel, der ihm das Tintenfass reicht; Markus mit dem Löwen; in einer schmaleren Nische der jugendlich dargestellte Johannes mit einem Adler; die Tafel mit Lukas fehlt. Unter den Darstellungen in braun-goldenen Kartuschen mit Knorpelwerk die weiß auf dunklem Hintergrund gemalten Namensbeischriften A. Auf einer vierten Tafel Christus mit rotem Umhang, in der Linken einen Reichsapfel haltend, die Rechte zum Segen erhoben; unter der Darstellung zwischen zwei hellgrauen Streifen die weiß auf dunklem Hintergrund gemalte Inschrift B. Die Tafeln wurden in den 1990er Jahren restauriert.

Auf der im Museum befindlichen fünften Tafel in einem von einem Blätterkranz umgebenen, oben und unten mit einer Rose besetzten ovalen Feld die Renovierungsinschrift C von 1673, die zugleich die Entstehung der Kanzel im Jahr 1636 dokumentiert. Darüber und darunter Rankenwerk.

Inschrift A ergänzt nach Hueg.

Maße: Maße ohne Rahmen: H.: 96–97 cm (A), 95 cm (B), 80 cm (C); B.: 43 cm (A), 40 cm (B), 38 cm (C); Bu.: 2,2 cm (A), 0,8 cm (B, Bibelstelle), 2,5 cm (B, Spruch), 1,7 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis, Fraktur (B, Spruch).

DI 96, Nr. 280 (†) - Northeim, St. Sixti und Museum - 1636, 1673

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/3]

  1. A

    S. MATTHAEVS. // S. MARCVS. // S. IOHANNES.

  2. B

    IOHANN XIV. / Ich Lebe, vnd ihr solt auch Leben3)

  3. C

    OMNIA IN / MAIOREM DEI GLORIAM. / ANNO 1636. SUGGESTUS / HIC ITA ORNATUS EST . / A(NN)O 1673 . INFER(IOREM) EIUS / PARTEM RENOVARI F(ECERUNT) / PETER LÖHR EIUSQ(UE) / UXOR DOROTHEA / SCHULTZE .

Übersetzung:

Alles zur größeren Ehre Gottes. Im Jahr 1636 wurde diese Kanzel so hergerichtet. Im Jahr 1673 haben Peter Löhr und seine Frau Dorothea Schulze deren unteren Teil erneuern lassen. (C)

Kommentar

Bemerkenswert ist die Anbringung des kaum abgeänderten Wahlspruchs des Ignatius von Loyola und der Jesuiten: Omnia ad maiorem dei gloriam. Der Werdegang des Münzmeisters, der für katholische wie evangelische Münzherren arbeitete, könnte dies erklären.

Peter Löhr aus Goslar war von 1655 bis 1658 Münzmeister in Paderborn, von 1659 bis 1663 wirkte er in Göttingen, von 1663 bis 1665 für den Bischof von Hildesheim; parallel dazu war er von 1662 bis 1670 der vorletzte Northeimer Münzmeister. Anschließend betrieb er eine illegale Münzstätte („Heckenmünze“) in Klettenberg für den Grafen Gustav von Sayn-Wittgenstein-Hohenstein, von 1676 bis 1679 arbeitete er in Ellrich (beide Orte in Thüringen).4) Die Stiftung belegt seine anhaltende Bindung an Northeim, wo er sich nach einem Bericht des Rates von 1667 ein Haus erworben hatte und vermutlich weiterhin lebte.5)

Anmerkungen

  1. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 82. Hueg, Leichensteine, S. 141 (Acc. Nr. 2678–2682). Weigand, Raum, S. 18. Eggeling, Aufgaben, S. 31. Ders., Heimatmuseum, [S. 55].
  2. Inv. Nr. 1998/16; Acc. Nr. 2681. Zur Zeit der Aufnahme (Februar 2014) im Magazin.
  3. Jh. 14,19.
  4. Mertens, Münz- und Geldgeschichte, S. 72–76; vgl. ebd., S. 37f. u. Tafel VI–VII. (Abb. 99–118); Abb. 104 zeigt einen 1665 von Peter Löhr geschlagenen und mit seinen Initialen P L versehenen Silbertaler. Dieser Taler wurde 1973 nachgeprägt; vgl. auch Fahlbusch, Münzgeschichte, S. 77.
  5. Vgl. Mertens, Münz- und Geldgeschichte, S. 38.

Nachweise

  1. Hueg, Leichensteine, S. 141.
  2. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 82 (C, teilweise).

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 280(†) (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0028006.