Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 273 Bad Gandersheim, St. Georg 1632

Beschreibung

Epitaph für den Bürgermeister und Kaufmann Jasper Steven. Holz, bemalt. Das Epitaph ist aufgehängt an der Nordwand des Kirchenschiffs über dem Epitaph für Hans Niebecker (Nr. 267). Im Zentrum in einem aufgesetzten rechteckigen Rahmen ein Gemälde. Darauf ist der Verstorbene abgebildet mit seiner Familie, kniend unter einem Kruzifix. Am Kreuzeshaupt ein geschwungenes Schriftband mit der gemalten (schwarz auf weiß) Inschrift A, im Hintergrund eine Stadtsilhouette. Links vom Kreuz der Verstorbene mit drei Söhnen, rechts seine Ehefrau mit einer Tochter; alle durch rote Kreuze über dem Kopf als verstorben gekennzeichnet. Auf dem schwarzen Rahmen unten eine in Gold gemalte Renovierungsinschrift von 1676.1) Im volutengeschmückten Aufsatz ein geflügelter Engelskopf. Auf den schlichten Seiten- und Unterhängen mit sparsamem, gemaltem Rollwerk Inschriften, gold auf hellem Untergrund gemalt. Inschrift B im Unterhang, Inschrift C im Seitenhang links, Inschrift D im Seitenhang rechts. Die Inschriften sind verblasst und teilweise mit der Grundierung abgeplatzt. Ein Bericht aus dem Jahr 1753 über die Grabdenkmäler in der Kirche, der die Inschriften orthographisch nicht getreu wiedergibt, ermöglicht die Rekonstruktion von Fehlstellen in (B) unter Benutzung der Buchstabenreste.

Inschrift B teilweise ergänzt nach StAW 2 Alt, Nr. 15047.

Maße: H.: 114 cm; B.: 95 cm; Bu.: 1,2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Versalien.

DI 96, Nr. 273 - Bad Gandersheim, St. Georg - 1632

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/2]

  1. A

    I(ESVS) N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM)2)

  2. B

    DES ACHTBARE[N VND] WOLWE[ISEN HERRN CASPARI] / STEVENS [GEWESENEN] BVRGER[MEISTERS ZV GANDERS]/HEIM CHRISTLICHER GEDECHTNIS [GEBORN IM IAHR]a) / NACH CHRISTI GEBVRT 1[560] SICH [NACH GOTS ORDNVNG]b) / MIT SEINER LIEBEN HVSFRAWEN [CA]THAR[INEN SA]NDER[S IN]c) DEN / HEILIGEN EHESTAND BEGEBEN 1[5]90 [VND IN DENSELBEN IN GOTS]d) FRVCHT3) / VND CHRISTLICHEN LEBEN 42 IAHR [WORI]INN[EN] IH[N]E GOT DER / HER 3 SOHNE VND EINE TOCHTER BESH[ERT IST 35 IAH]R IM RAHTE GEWESEN / VND 4 IAHR DAS BVRGERMEISTERAM[PT VE]RWALTET GESTORBEN / DEN 13 IUNI ANNO CHRISTI 1632 , / S[EIN] GANTZES ALTER [7]2 IAR / DES SEL[E] SEIE / GOT GNE/DIGe)

  3. C

    VNSER / LEBEN / WERET / SIEBENZIG / IAHR WENS / HOCHKOMP / SO SINDS / ACHT[E]N/ZIG IAHR / VND WENS / KOSTL[ICH] / GEWESEN / I[S]T SO [ISTS / MUHE VND / ERBEIT / GEWESEN] / PSALM / X[C]4)

  4. D

    ICH / BIN / DER WEG / DIE WAR=/HEIT VND / DAS LE/BENT / NIEMAND / KOMPT / Z[VM VA/TER DEN]N / D[VRCH / MICH]5)

Kommentar

Sehr regelmäßige, annähernd quadratische Kapitalis mit ausgeprägten Sporen und Wechsel von Haar- und Schattenstrichen: A rechter Schrägschaft als Schatten-, linker als Haarstrich. Oben spitzes, zweistöckiges Z; R mit geschwungener, unter die Zeile verlängerter Cauda. Cauda des G vor den Bogen gestellt, nach links umgebogen unter die Zeile verlängert. W bestehend (in B) aus zwei senkrechten Schäften und zwei darauffolgenden, als Haarstrich ausgeführten Schrägschäften.

Jasper Steven (1560–1632) wurde 1592 Ratsherr und 1628 Bürgermeister. 1590 hatte er Catharina Sander, Tochter von Henning Sander, geheiratet. Im selben Jahr erwarb er das Haus Burgstraße 5 und 1598 die ass. Nr. 51 in der Moritzstraße (vgl. Nr. 165).6)

Textkritischer Apparat

  1. [GEBORN IM IAHR]] Gebohren im Jahr StAW 2 Alt, Nr. 15047, Bl. 3v.
  2. [NACH GOTS ORDNVNG]] nach Gottes Ordnung StAW 2 Alt, Nr. 15047, Bl. 3v. Kronenberg, Grabmale, ergänzt VEREHELICHT.
  3. SA]NDER[S IN]] Nach StAW 2 Alt, Nr. 15047, Bl. 3v. …NIDER IN Kronenberg, Grabmale.
  4. [VND IN DENSELBEN IN GOTS]] und in denselben in Gottes StAW 2 Alt, Nr. 15047, Bl. 3v.
  5. Die Lesung und Ergänzung des Schlusses nach 1[5]90 durch Kronenberg, Grabmale, weist nur einen geringen Bezug zum Befund auf: UND IN (ERBARN) UND CHRISTLICHEN (EHESTAND) VON 42 JAHRE HER 3 SOHNE UND (1) TOCHTER ER(ZEIGET) UND 1 JAHR (nach seiner Hausfrau gestorben) DEN 13. JUNI ANNO CHRISTI 1632. DESSEN SELE GOT GNE(DIG) SEI; Klammersetzung und Typographie so bei Kronenberg.

Anmerkungen

  1. RENOVATVM 1676 . DURCH S S.
  2. Io. 19,19.
  3. D. h. FVRCHT.
  4. Ps. 90,10. Ergänzt nach dem Text der Lutherbibel von 1545.
  5. Jh. 14,6. Ergänzt nach dem Text der Lutherbibel von 1545.
  6. Kronenberg, Häuserchronik, S. 228 u. 67.

Nachweise

  1. StAW 2 Alt, Nr. 15047, Bl. 3v (nur B).
  2. Kronenberg, Grabmale, S. 114.
  3. Kronenberg, Chronik, S. 93 (Teilabb.).
  4. A. Kronenberg, Sankt Georg, S. 19.
  5. A. Kronenberg, Grabdenkmäler, S. 10.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 273 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0027303.