Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 270(†) Uslar, Lange Str. 40 1629

Beschreibung

Haus. Fachwerk. Dreigeschossiges, traufenständiges Haus, sieben Gefache breit. Inschrift A früher auf der unterhalb des vierten und fünften Gefaches von links befindlichen Toreinfahrt, die seit dem 19. Jahrhundert teilweise durch die Fasche der im 19. Jahrhundert eingesetzten Eingangstür verdeckt war. Die Inschrift wird nach diesem Zustand wiedergegeben. 1957 wurde der Torbogen ersetzt1) und Inschrift A, leicht modernisiert, neu angebracht.2) Inschrift B auf dem leicht vorkragenden Schwellbalken des Obergeschosses über einem Zahnschnittfries, leicht erhaben in vertiefter Zeile, farbig (gold) vor braunem Hintergrund gefasst.

Inschrift A nach der Abb. bei Witt-Krakow bzw. Reuschel/Schreckenbach.

Maße: Bu.: 7,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 96, Nr. 270 (†) - Uslar, Lange Str. 40 - 1629

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Julia Zech) [1/5]

  1. A †

    ZV GOTT ALLEIN DIE HOFNVNG MEIN3) · / MORITZ · WILC[KEN] // MARGARETA · RICKEN / ANN[O] // · 1629 · a)

  2. B

    WILTV RICHTEN MICH VNDT DIE MEINEN SO BESIEHE ZVVOR DICH VNDT DIE DEINEN4) VNDT KOMB DARNACH WIEDER ZV MIHR SO WIL ICH ANTWORDT GEBEN DIHR

Versmaß: Deutsche Reimverse (B).

Kommentar

Das Haus wurde von Moritz Wilcken und seiner Frau Margarethe Ricken nach dem Abzug der von 1626 bis 1628 im Sollinggebiet stationierten Soldaten Tillys, die 1626 einen großen Stadtbrand verursacht hatten, auf dem Grundstück des früheren „Freihofes“ errichtet.5) Der Erbauer und seine Nachkommen sollen Schlachter gewesen sein.6) Moritz Wilcken, geb. etwa 1593,7) war später Kämmerer in Uslar. Sein Name findet sich neben denjenigen weiterer Amtsinhaber am wahrscheinlich im dritten Viertel des 17. Jahrhunderts gestalteten Seiteneingang des Rathauses zur Graftstraße.8) Als Pate erscheint er von 1643 bis 1671 in den Kirchenbüchern, seine Frau nur 1625 und 1627.9)

Textkritischer Apparat

  1. Die heutige Lesung lautet: · ZV GOTT ALLEIN DIE HOFFNVNG MEIN · / MORITZ · WIICKEN // MARGRETA · RICKEN / · ANNO // 1629 · Der Schnitzer hat einzelne Buchstabenformen – A mit gebrochenem Mittelbalken und Deckbalken, oben spitzes, zweistöckiges Z, offenes D sowie die Zahlen – nachgeahmt, die Buchstaben aber mechanisch ausgeführt.

Anmerkungen

  1. Witt-Krakow, Uslar, Kommentar zu Abb. nach S. 80.
  2. Pawlik zufolge erst 1972; Pawlik, Lange Straße 40, S. 30. Danach Kämmerer/Lufen, Landkreis Northeim, Südlicher Teil, S. 326. Ein 1963 veröffentlichtes Foto zeigt aber bereits den neugestalteten Torbogen; Jörns/Engel, Zeugnisse des Bürgertums, S. 31 (Abb. 19).
  3. Nach Ps. 62,6.
  4. Vgl. Wander, Sprichwörter-Lexikon, Bd. 3, Sp. 1669 (s. v. Richten 17): Richte nicht mich vnd die meinen, siehe vor an dich vnd die deinen.
  5. Witt-Krakow, Uslar, S. 92. Pawlik, Lange Straße 40, S. 30.
  6. Witt-Krakow, Uslar, Kommentar zu Abb. nach S. 80.
  7. Am 15. April 1670 ist er 77 Jahre alt; StAW 7A Urk. Nr. 1815 (Ehelichkeitsbescheinigung des Rates, bei der Ratsmitglieder als Zeugen genannt werden); zit. nach Findbuch.
  8. NOMINA · SENATORVM / B(VRGERMEISTER) · POPPELBOM · B(VRGERMEISTER) CHRISTOF · WLOME / MORITZ · WILCKEN · CA(MMERER) · HANS · HEISEN · CA(MMERER) / IOST · SANDER · CA(MMERER) · WILHELM · WEILANDT · CA(MMERER) / GERDT · WEILANDT · IOST · SENGER · / PETER · HARMAN · CHRISTOPH · RICKEN / HERMANN · KEMPEN · .
  9. Vgl. Nowak, Ortssippenbuch Uslar, S. 978 (Nr. 13663: „Wilcke“).

Nachweise

  1. Witt-Krakow, Uslar, Abb. nach S. 80 u. S. 92.
  2. Reuschel/Schreckenbach, Uslar, S. 44 (Abb.).
  3. Jörns/Engel, Zeugnisse des Bürgertums, S. 31 (Abb. 19).
  4. Pawlik, Lange Straße 40, S. 30.
  5. Kämmerer/Lufen, Landkreis Northeim, Südlicher Teil, S. 326 (Abb. S. 325).

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 270(†) (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0027009.