Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 242 Dassel, St. Laurentius 1615

Beschreibung

Epitaph für N. N. von Rauschenplat. Stein. Das Epitaph ist innen an der Nordwand der Kirche, links neben demjenigen für Sophia von Garmissen (Nr. 227) angebracht. In einer Rundbogennische ist der mit einer Rüstung und Spitzenkragen bekleidete Verstorbene im Relief abgebildet; über der Brust trägt er eine über der rechten Schulter geknotete Schärpe. An seiner linken Seite ein Schwert; die rechte Hand ruht auf einem Helm. Neben dem Kopf, in den Zwickeln der Nische zwei Wappen. Die umlaufende Inschrift, erhaben in vertiefter Zeile ist oben links, unten und an der linken Längsseite weitgehend zerstört. Die Grabplatte wurde vermutlich zeitweise als Bodenbelag verwendet und erst bei einer der Renovierungen des 20. Jahrhunderts wieder aufgestellt; in der älteren Literatur (Mithoff) wird sie daher nicht erwähnt.

Maße: H.: 203 cm; B.: 118 cm; Bu.: 6 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 96, Nr. 242 - Dassel, St. Laurentius - 1615

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Julia Zech) [1/1]

  1. [ANNO] 1615 DEN 18 MARTY ABEND / VMB 3 . VHR IST . WELANDT . DER . EDLE VND ERNVEST[E] / [– – –] / [– – –] [SEI]NES A[LTERS] [– – –]

Wappen:
Rauschenplat1)Knigge2)

Kommentar

Der linke Schaft des M ist leicht rechtsschräg, der Mittelteil reicht bis zur Mittellinie; die am Bogen ansetzende Cauda des R ist geschwungen. Y besteht aus zwei senkrechten Schäften; von dem unteren Ende des bis etwas unter die Mittellinie reichenden linken Schaftes reicht ein Rechtsschrägschaft bis zum oberen Drittel des rechten Schaftes. Trotz einem grundsätzlich ähnlichen Aufbau unterscheidet sich die im vorliegenden Fall mit breiterem Strich ausgeführte Schrift in Einzelheiten doch von der auf dem Epitaph Nr. 227. Das bemerkenswerte Y findet sich ähnlich auf dem Epitaph für Simon von Grone in Kirchbrak (Lkr. Holzminden) aus dem Jahr 1610.3)

Den Wappen nach handelt es sich bei dem Verstorbenen um ein Mitglied der Familie von Rauschenplat, die seit dem Spätmittelalter einen Burgmannshof in Dassel besaß.4) Franz von Rauschenplat (geb. um 1518, gest. vor 22. Januar 1599) war in zweiter Ehe seit 1569 mit Catharina Knigge (1539–1602) verheiratet. Das Paar hatte vermutlich drei Söhne: Julius Franz (geb. um 1569, gest. vor 30. Oktober 1628), Philipp (gest. 1605 oder früher) und Heyne Ludolf, der 1581 (?), 1605/06 und 1609 genannt wird und für den bisher kein Todesdatum bekannt war. Der Verstorbene könnte Heyne Ludolf sein, der in der ersten Hälfte der 1570er Jahre geboren sein dürfte und unverheiratet blieb; er könnte, worauf Schärpe und Rüstung hindeuten, Offizier gewesen sein.5)

Anmerkungen

  1. Wappen Rauschenplat (drei in ein Dreieck gestellte Äste mit daraus nach außen hervorwachsenden Kleeblättern). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 8 u. Tafel 6.
  2. Wappen Knigge (oben oberhalber gekrönter Löwe, unten dreimal geteilt). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 10, Tafel 11.
  3. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 182.
  4. Letzner, Dasselische Chronik, 4. Buch, fol. 184r.
  5. Mahrenholtz, Rauschenplat, S. 13f. (Nr. VI 18 u. VII 26) u. S. 134. Mahrenholtz ordnet den Bruder Julius Franz, der die Familie fortsetzte, der ersten Ehe des Vaters zu, was aber mit dem von ihm angegebenen Geburtsdatum nicht übereinstimmen kann, da die erste Frau des Vaters bereits 1566 starb. Vgl. auch Letzner, Dasselische Chronik, 4. Buch, fol. 185r.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 242 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0024204.