Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 227 Dassel, St. Laurentius 1611

Beschreibung

Epitaph für Sophia von Garmissen. Stein. In einer Rundbogennische ist die mit einem langen Gewand und Kröse bekleidete Verstorbene im Relief abgebildet; der Rock ruht auf einem Ring, auf dem die vor dem Bauch in Bethaltung ruhenden Arme abgelegt sind. Über dem Kopf zwei geflügelte Putten, daneben die Wappen der Verstorbenen und ihres Mannes; unter diesen, in Höhe der Schultern, die großmütterlichen Wappen. Die umlaufende Inschrift, erhaben in vertiefter Zeile, ist an der unteren Schmalseite teilweise zerstört. Links neben dem Epitaph ist das Epitaph eines Mannes in Ritterrüstung angebracht; Nr. 242.

Maße: H.: 194 cm; B.: 97 cm; Bu.: 4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 96, Nr. 227 - Dassel, St. Laurentius - 1611

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Julia Zech) [1/2]

  1. ANNO 1611 DEN 18 OCTOBRIS IST DIE / EDLE VIEL EHR VND TVGENTREICHE FRAW SOPHIA GEBORNE VON GERMSEN D[ES] / [– – –] EDELEN VND EHRNVE[S]TE[N] / HEINRICHEN HAKEN EHLIGE HAVSFRAW SELICH IM HERN ENTSCHLAFEN ∙ ALTERS · 38

Wappen:
Hake1)Garmissen3)
Münchhausen2)Oberg4)

Kommentar

Der Mittelbalken der E ist stark verkürzt, der untere Balken nach Art eines Balkensporns verbreitert. Der Schrägschaft des N, die am Bogen ansetzende Cauda des R und die Schrägbalken des K sind geschwungen. Die Cauda des G ist gebogen und nach rechts ausgestellt. Die 1 ist schaftförmig und dem I entsprechend geformt. Die Schrift, vor allem die Cauda des G und das E, deuten, wie die ganze Erscheinung der Platte darauf hin, dass ein Werkstattzusammenhang mit Epitaphien besteht, die 1617 und 1619 für zwei Bürgermeister aus Bodenwerder angefertigt wurden, wo die Familie Hake ebenfalls begütert war.5)

Die Eltern der Sophia Dorothea von Garmissen (Garmsen, Germsen) waren der 1575 kurz nach ihrer Geburt gestorbene Bodo von Garmissen sowie Sophia von Oberg (gest. 1624). Am 10. Januar 1592 heiratete sie Heinrich Hake (gest. 1624 od. später), Sohn von Hartung Hake und dessen zweiter Ehefrau Anna von Münchhausen. Heinrich Hake erhielt bei der Teilung des Familienbesitzes die Güter in Bodenwerder und Dassel. Der 1599 mit 44 Wochen gestorbene Hartung Bodo Hake, dessen Epitaph sich etwas weiter östlich an derselben Wand findet, war das fünfte Kind des Paares; vgl. Nr. 199.6) Die Familie von Garmissen, später vor allem auf Gut Friedrichshausen (südlich von Dassel bei Sievershausen) ansässig, besaß ebenfalls einen Hof in Dassel.7)

Anmerkungen

  1. Wappen Hake (zwei senkrecht gestellte, auswärts gekehrte Haken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 5, Tafel 4.
  2. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 7, Tafel 6.
  3. Wappen Garmissen (schräge Reihe von fünf anstoßenden Rauten). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 7 u. Tafel 8.
  4. Wappen Oberg (zwei Rauten nebeneinander). Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 21 u. Tafel 23.
  5. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 203 u. 210.
  6. Hake, Familiengeschichte, S. 156f. u. 176. Vgl. auch Letzner, Dasselische Chronik, 4. Buch, fol. 186v u. 188r. Zu Hartung Hake und Anna von Münchhausen siehe auch DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 89 u. 111. Zu Bodo von Garmisssen vgl. Mirus, Chronik, S. 269.
  7. Mirus, Chronik, S. 268f.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 227 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0022700.