Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 221 Bramburg bei Hettensen 1608

Beschreibung

Grenzstein, sogenannter Bunten- oder Kognatenstein. Am „Dreiämtereck“ am Nordwest-Abhang der Bramburg, etwa 100 Meter östlich des Waldweges zwischen Hettensen und Offensen bzw. Verliehausen N 51°36.880', O 9°43.927'. Auf der Nordseite unter einer teilweise abgeschlagenen Krone Inschrift A, auf der Südseite Inschrift B. Beide Inschriften erhaben in vertiefter Zeile; die Buchstaben der Inschrift B sind schwach farbig gefasst. Nach der zweiten und dritten Zeile von Inschrift A sowie der vierten und fünften Zeile von Inschrift B ein breiter Steg. In dem letzteren findet sich eine kreisrunde Vertiefung, die in die Zeilen darüber und darunter hineinreicht. Auf den Stegen über den Zeilen teilweise Kürzungsstriche. Der obere Teil des Steins ist abgeschlagen, was bei Inschrift B zu Verlusten in der ersten Zeile führt. Neben dem Stein steht ein Grenzstein aus dem Jahr 1787.1)

Maße: H.: 87 cm; B.: 72 cm; Bu.: 6,5–7,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 96, Nr. 221 - Bramburg bei Hettensen - 1608

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/2]

  1. A

    R(EVEREN)D(IS)SI(MVS) ILL(VSTRIS)SI(MVS) H(EN)R(ICVS)a) I(VLIVS) · E(PISCOPVS) · H(A)L(BERSTADENSIS)b) / D(VX) · B(RVNSVICENSIS) · ET · L(VNEBVRGENSIS) / AN(N)O 1·608c) / MAII 9

  2. B

    FRA[TR]ES / ET CONSANG[UI]/NEI · B(ODO) · I(OBST) · C(HRISTOPH) T(HEDEL) B(VRCHARD) AD / ADELEVESSENd) / ANNOe) 160[8] NO/NO· DIE MENSIS / MAI 9f)

Übersetzung:

Der hochwürdigste, erlauchteste Heinrich Julius, Bischof von Halberstadt, Herzog von Braunschweig und Lüneburg, im Jahr 1608, den 9. Mai. (A)

Die Brüder und Verwandten Bodo, Jobst, Christoph und Thedel Burchard zu Adelebsen, am neunten Tag des Monats Mai. (B)

Kommentar

Die Schaft- und Bogenenden der mit breitem Strich ausgeführten Kapitalis sind keilförmig verbreitert; das S in R(EVEREN)D(IS)SI(MVS) weist einen erhabenen Nodus in der Breite des Strichs auf. Die Kürzung der beiden Attribute in Inschrift A ist ungewöhnlich.

Der Grenzstein markiert den historischen Punkt, an dem die Ämter Hardegsen und Uslar im Nordwesten mit dem adeligen Gericht Adelebsen im Südosten zusammentrafen. Bodo (VII., 1556–1621) und Jobst (II.), Söhne von Crain (I.) von Adelebsen, waren Halbbrüder, Christoph (II.) und Thedel Burchard, Söhne von Hans (IV.) von Adelebsen, waren ihre Vettern.2) Sie haben 1608 mit Herzog Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (reg. 1589 bis 1613) einen Vertrag zur Markierung der Grenze ihres Gerichtsbezirks geschlossen. Der Stein ersetzte einen Baum, die Winbuche, als Grenzmarkierung. Die Grenzfestlegung wurde am 8., 9. und 10. Mai von der beauftragten Kommission festlich begangen.3) Peter Steinbaum erhielt den Auftrag, 120 Grentz Mahlsteine zu hauen und Änderungen an dem – also im Kern offenbar älteren – großen Mahlstein hinter der Bramburgk vorzunehmen.4) Im 19. Jahrhundert umlaufende Sagen zu dem Stein überliefert ein Bericht (mit Abzeichnung des Steins) aus dem Jahr 1865.5)

Textkritischer Apparat

  1. H(EN)R(ICVS)] HR als Ligatur.
  2. H(A)L(BERSTADENSIS)] HL als Ligatur.
  3. 1·608] Zwischen 1 und 6 oberhalb der Mittellinie ein rechtwinkeliges Zeichen in Form eines breiten V, dessen Schrägschäfte in den Steg darüber reichen.
  4. ADELEVESSEN] EL beeinträchtigt durch die kreisrunde Vertiefung auf dem Mittelsteg.
  5. ANNO] NO beeinträchtigt durch die kreisrunde Vertiefung auf dem Mittelsteg.
  6. MAI 9] Die 9 ist überflüssig, da das Datum bereits als Wort (NO/NO) angegeben ist; möglicherweise vom Steinmetzen nach dem Vorbild der Gegenseite hinzugefügt.

Anmerkungen

  1. Auf der Westseite des Grenzsteins steht: A(MT) V(SLAR) / G(EORGIUS) R(EX) 31; auf der Ostseite: A(MT) H(ARDEGSEN) 1787. Auf der nördlichen Schmalseite: NO / I.
  2. Zu den Verwandtschaftsverhältnissen und dem Unfrieden zwischen den Brüderpaaren vgl. DI 66 (Lkr. Göttingen), Nr. 234, 279 u. 325.
  3. Funke, Bunten- oder Kognatenstein, S. 10.
  4. Grenzprotokoll vom Mai 1608; HStAH Cal. Br. 2, Nr. 2343.
  5. HStAH Hann. 74 Uslar, Nr. 362.

Nachweise

  1. Funke, Bunten- oder Kognatenstein, S. 9f.
  2. HStAH Hann. 74 Uslar, Nr. 362 (Abzeichnung vom 3. März 1865).
  3. Otfried Ruhlender, Der Buntenstein oder Kognatenstein, in: Der Heimatfreund 8/80, 21. Februar.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 221 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0022102.