Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 208 Schlarpe, Kirche 1601

Beschreibung

Altaraufsatz. Holzkasten, bemalt. Auf der Vorderseite fünf teilweise beschädigte Bilder, jeweils in gemalten schwarzen Umrahmungen: In der Mitte eine Kreuzigung vor einem Stadthintergrund, rechts und links des Kreuzes kniet betend das Stifterpaar, beide mit Umhängen und Halskrause bekleidet, vor dem Mann ist ein hoher, breitkrempiger Hut abgelegt. Im Zentrum des Bildes ist ein hochrechteckiges Holzstück eingesetzt, aber ohne die Spur eines Griffs oder eines Scharniers. Auf dem von gemaltem Beschlagwerk begleiteten bogenförmigen Rahmen die weiß auf schwarz gemalte Inschrift A, beginnend unten links. Rechts und links von der zentralen Darstellung die sitzend dargestellten, schreibenden oder lesenden vier Evangelisten, die ersten drei in einem Raum mit Ausblick in Landschaften mit Städten, jeweils unten auf dem Bild bezeichnet durch die schwarz gemalten Beischriften B; als Worttrenner dienen Quadrangel mit nach oben und unten gerichteten Zierhäkchen. Links außen Matthäus, dem ein Engel eine Schrifttafel hält, auf der er mit einer Feder schreibt (C, weitgehend beschädigt); dann Markus mit dem Löwen, auf einem Pult ein Buch, in dem er ebenfalls mit einer Feder schreibt (D). Rechts von der Kreuzigung Lukas mit dem Stier, auf einem Pult ein hochrechteckiges Buch mit beschriebenen Seiten, das er mit der rechten Hand umblättert, so dass unter dem angehobenen Blatt der rechte Rand des folgenden mit Schriftzeichen sichtbar wird; die Seiten sind jeweils von oben nach unten beschrieben, die Hand verdeckt die Fortsetzung des Textes (E). Ganz rechts das Bild des Evangelisten Johannes mit dem Adler, in einer Landschaft mit einer Stadt im Hintergrund sitzend, auf den Knien ein aufgeschlagenes Buch, in dem er mit einer Feder schreibt (F); der Kasten ist rechts verkürzt worden, so dass von dem Bild etwa neun Zentimeter mit dem Rest der Namensbeischrift fehlen. An den Schmalseiten des Kastens innerhalb von gemaltem Beschlagwerk Köpfe, links ein geflügelter Puttenkopf, rechts ein Kopf mit Halskrause. Die Rückseite des Kastens ist in jüngerer Zeit überklebt worden.

Maße: H.: 45,5 cm; B.: 144,5 cm; T.: 32 cm; Bu.: 0,7 cm (A), 1,6 cm (B), 0,35 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A), Kapitalis mit Versalien (B), Kursive (C–F).

DI 96, Nr. 208 - Schlarpe, Kirche - 1601

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/4]

  1. A

    ILSEBE HANS VOM POLLE SELIGERS / · NAGELASSENE · WIEWEa) · HAT · ZV · DIESER · TAF/ELN GEGEBEN · 5 · DALER A(NN)O · 1·601 ·

  2. B

    S · MATTHEVS // · S · MARCVS · // S · LVCAS · // S [– – –]

  3. C

    D[. .] m[. .]/sch[.]n […] / [– – –] / […]1)

  4. D

    [– – –] / [– – –] / [… zu. .] / schaf[. .] / [off. .] / [bav. .t] / [. . . . .] / udsch /
    [. . . . .] / [. .g.la] // [. .w.lr.] / zerhen / [m]erligke / [darf. .] / [ruck]e[n] / uben / terb)

  5. E

    vnd [alß] / Die Jün/ger mi[t] / dem H[e]/ren J[. .] / s[ei]n[er] / sahen gehe [. .] / f[.]c)// [. .] fü/r(en) den / Bei ihr / wer / für / [– – –]d) / […] / alle / […] // [– – –] ni-/[– – –]ne/ [– – –]ser / [– – –]süs / [– – –] auch / [– – –]ü[. .] / [– – –]u / [– – –] / [– – –] / Je)

  6. F

    Ich bin die / aufferste/[hung] vnd/ das [Le]be(n) / wer an / mich // Geleübe[t]f)2)

Kommentar

Die Kapitalis von Inschrift A zeichnet sich durch serifenartige Sporen an den Schaft-, Balken- und Bogenenden aus. Das schmale A ist flach gedeckt, der untere Balken des E ist verlängert, der verkürzte Mittelbalken dreiecksartig gestaltet. Die Cauda des G ist gleichfalls mit einem serifenartigen Abschluss versehen und teilweise unten nach rechts umgebogen; die Cauda des R ist geschwungen, W ist verschränkt. Der linke Schaft des V ist senkrecht gestellt, der rechte als Haarstrich gestaltet, der Mittelteil des M reicht bis zur Mittellinie, der linke Schaft ist hochgebogen; beide sind zum Haarstrich reduziert. Diese Merkmale der Kapitalis sind bei (B) teilweise variiert. Die Schaft- und Balkenenden weisen einen serifenförmigen Abschluss auf, die Bogenenden gespaltene Serifen, die am C die Form von Anstrichen annehmen; der Mittelteil des S ist mit Bogenverstärkung versehen. Am breiten M ist der Rechtsschrägschaft als Zierstrich ausgeführt. Die rechten Schäfte des schmalen, flachgedeckten A (nicht bei dem leicht schrägliegenden MARCVS) und des V sind als Zierstriche gestaltet, die gebogen (bei LVCAS gerade) weit unter bzw. über die Zeile hinaus verlängert sind; dasselbe gilt für die Cauda des R. Die Schrift weist Übereinstimmungen mit der auf der Wandmalerei von 1599 in Schoningen und der auf dem Stifterbild in Parensen von 1600 auf; Nr. 200 u. 202. Dasselbe gilt für die Malerei, insbesondere die Zeichnung der Köpfe, das Beschlagwerk und die Putten.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in der Kirche noch ein auf eine quadratische Leinwand gemaltes Epitaph, auf dem der Leichenzug des Hans von Polle dargestellt war, der „ein reicher Bauersmann in Schlarpe gewesen seyn soll“; eine Inschrift verwies auf sein Grab in der Kirche.3)

Textkritischer Apparat

  1. Statt WITWE.
  2. Die Feder des Markus beendet gerade den letzten Buchstaben; es könnte auch ein n werden.
  3. Ab hier ist der Rest der Seite vom Arm des Lukas verdeckt. Hand und Daumen verdecken auch das Ende der 4.–8. Zeile.
  4. Etwa vier Zeilen durch die Hand verdeckt.
  5. [– – –] ni … J] Buchstaben auf dem rechten Rand der Seite, die durch das Umblättern der vorigen sichtbar werden.
  6. Letztes Wort, das mit der Feder geschrieben wird; vom t ist nur der Anstrich zu erkennen.

Anmerkungen

  1. Vermutlich zu ergänzen: Des menschen Son ist komen; Mt. 11,19.
  2. Jh. 11,25.
  3. Grote, Denkmalpflege, S. 123. – Außerdem gab es ein weiteres bemahltes Brett, aus dessen lückenhafter Inschrift noch zu erkennen war, dass die Kinder des Pastors „Krengel“, die 1585 und 1597 an der Pest gestorben seien, ebenfalls in der Kirche begraben waren. Laut Meyer, Pastoren, Bd. 2, S. 348 amtierte in Schlarpe von 1583 bis 1597 „Henricus Rengelius“ als Pastor.

Nachweise

  1. Kühn, Wehrkirche, S. 5.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 208 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0020804.