Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 205 Northeim, St. Sixti 2. H. 16. Jh., 1575 u. später

Beschreibung

Opferstock. Holz, mit eisernen Bändern beschlagen. Der kastenförmige, auf neueren Füßen stehende Opferstock besitzt eine oben halbrund zugeschnittene und nachträglich mit Beschlägen (Haltevorrichtungen für Klingelbeutel) versehene Rückwand mit einem offenbar aus dem späten 16. Jahrhundert stammenden Gemälde. Das Bild zeigt das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus.1) In einem vornehmen, mit Säulen geschmückten Haus sitzen links drei Personen an einem gedeckten Tisch vor einem Boden mit Schachbrettmuster; im Hintergrund zwei Fenster mit Butzenscheiben. Links am Tisch in einem bodenlangen roten, wohl geistlichem Gewand ein junger Mann; hinter dem Tisch, frontal zum Betrachter, zwei miteinander sprechende Personen, links ein Mann in einem faltenreichen Gewand mit Pelzkragen, rechts eine Frau in grünem Kleid mit aufwendiger Frisur. Auf dem Tisch Brote und eine Schüssel. Im rechten Bilddrittel eine Eingangstür in Renaissanceformen mit Dreiecksgiebel, auf der Treppe daneben ein Diener in einem kurzen roten Gewand mit einem Brot in der Hand. Vor der Tür auf einer Liege der arme Lazarus, vor ihm zwei Hunde, die die Essensreste fressen, die der Reiche Lazarus verweigert hat. Auf der Galerie über dem Eingang zwei Posaune blasende Engel. Am oberen Bildrand die abschnittsweise von der gemalten Architektur verdeckte, schwarz gemalte Inschrift A, die zum Teil abgeplatzt ist, am Ende leicht absinkend; darunter auf dem mittleren Fenster schwarz gemalte Buchstabenreste von ursprünglich fünf oder sechs Zeilen (B). Am Beginn der Inschrift B zwei, den ersten Buchstaben von (A) teilweise bedeckende Buchstaben.

Maße: H.: 135 cm (gesamt), 54 cm (Rückwand); B.: 62,5 cm; Bu.: 1,6 cm (A), 0,5 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Minuskel (A), Minuskel mit Kapitalis-Versalien (B).

DI 96, Nr. 205 - Northeim, St. Sixti - 2. H. 16. Jh., 1575 u. später

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/2]

  1. A

    n(ost)raa) [i]n (christum)b) […]q(ue) dies [..]

  2. B

    A(nn)o / […75]c) / [……] / [……] /A[…. d]d) / A[…..]

Übersetzung:

Unsere (Gaben) für Christus … Tag … (A)

Kommentar

In Inschrift A findet sich ein Kasten-a, sonst sind sehr regelmäßige Formen der gotischen Minuskel zu beobachten.

Von Hindte meinte, die Rückwand sei nachträglich an den Rändern beschnitten worden;2) der Bildaufbau wie auch das leichte Absinken des letzten Wortes von Inschrift A lässt dies aber nicht vermuten. Wahrscheinlich wurde Inschrift A nachträglich von dem Bild teilweise verdeckt; die einzelnen Zeilen von Inschrift B wurden dagegen wohl ab 1575 über das Bild gemalt. Diese verzeichneten möglicherweise für einige Jahre das Aufkommen aus dem Opferstock.

Textkritischer Apparat

  1. n(ost)ra] Vor dem n ein senkrechter Begrenzungsstrich.
  2. Befund: x[…].
  3. […75]] Der Balken und der im spitzen Winkel ansetzende Schaft der 7 sind erkennbar; dahinter Reste, die als Balken, Schaft und Bogenansatz einer 5 interpretiert werden können.
  4. Am Ende ein Zeichen, das das Rechnungskürzel für denarii ‚Pfennige‘ sein könnte.

Anmerkungen

  1. So bereits von Hindte, St.-Sixti-Kirche, S. 9. Vgl. Lk. 16,19–21.
  2. Von Hindte, St.-Sixti-Kirche, S. 9.

Nachweise

  1. Von Hindte, St.-Sixti-Kirche, S. 9 (ohne Inschrift).

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 205 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0020500.