Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 199 Dassel, St. Laurentius 1599

Beschreibung

Epitaph für Hartung Bode Hake. Holz. Das in Form einer Ädikula gestaltete Epitaph ist aufgehängt an der Nordwand des nördlichen Seitenschiffs. Im Dreiecksgiebel Gottvater mit Weltkugel in der Linken und segnend erhobener rechter Hand. Unter einem Gesims mit Zahnschnittfries ein leeres Feld. In der von Pilastern gesäumten Nische eine gemalte Auferstehung. Der mit Ausnahme eines blauen Schamtuchs und eines roten Umhangs nackte Christus hat die Rechte segnend erhoben; in der Linken hält er eine Kreuzstandarte. Von seinem Kopf geht ein wolkengerahmter Lichtschein aus. Christus schwebt knapp über dem geschlossenen schwarzen Sarkophag; links fliehen drei Soldaten, ein bärtiger jüdischer Mann mit gelbem Tuch über dem Kopf ist neben dem Sarkophag zusammengesunken. Auf dem Sarkophag mit Dreickecksgiebel sitzt etwas hinter Christus ein Engel, der auf drei schemenhafte Gestalten im Mittelgrund rechts verweist. Im Vordergrund rechts ein kahlköpfiger Junge im schwarzen Mantel mit weißer Kröse, kniend mit betend erhobenen Händen; vor ihm liegt der Verstorbene als Wickelkind. Im Sockelfeld vier nebeneinander angeordnete Wappen. Der Seitenhang rechts und links mit gemaltem Beschlagwerk und Löwenköpfen, an deren Maul ein Blumen-/Früchtebukett in Grisaille hängt. Im Unterhang eine von gemaltem Beschlagwerk gerahmte Tafel mit der Gold auf schwarzem Untergrund gemalten Inschrift. Die Inschrift weist Interpunktionszeichen und doppelte Trennstriche auf.

Maße: H.: 190 cm; B.: 145 cm; Bu.: 2 cm.

Schriftart(en): Fraktur.

DI 96, Nr. 199 - Dassel, St. Laurentius - 1599

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Julia Zech) [1/1]

  1. An(n)o 99. den 5. August(i) ist des Etlen vnd Ehr(n)=/vesten Heinrich Haken Söhnlei(n), Hartung Bo=/de, seines alt(ers) 44 woche(n), sehlig(lich) im Her(n) entschlaffe(n)

Wappen:
Hake1)Garmissen3)
Münchhausen2)Oberg4)

Kommentar

Die Darstellung der Auferstehung folgt einem von Eduard van Hoeswinckel (gest. 1583) in Antwerpen verlegten Stich, der einer Vorlage von Marten de Vos (1532–1603) folgt.5) Das Werk wird Antonie Wierix (um 1552–um 1604) als Stecher zugeschrieben, der, wie auch Adriaen Collaert (1560–1620) und Johann Sadeler d. Ä. (1550–ca. 1600), zwischen 1582 und 1588 mehrere Serien zum Leben und zur Passion Christi nach Vorlagen von Marten de Vos schuf. In den in diesen enthaltenen Variationen der Auferstehung finden sich einzelne Details – der im Hintergrund rechts auf dem Sarg sitzende Engel,6) die Form des Sarkophages mit Dreiecksgiebel und einem frontal angebrachten Siegel, der im Vordergrund links kniende Soldat – ebenfalls wieder.7) Allerdings wurde der sich im Vordergrund rechts unter seinen Schild duckende Soldat von dem Maler durch den Jungen und das Wickelkind ersetzt.

Hartung Bode Hake, der laut der Inschrift im Alter von 44 Wochen starb, war das fünfte Kind von Heinrich Hake (gest. 1624) und dessen 1611 gestorbener Ehefrau Sophia von Garmissen,8) deren Grabplatte weiter westlich an derselben Wand aufgestellt ist; vgl. Nr. 227. Der väterliche Großvater war Hartung Hake (gest. 1580), der in zweiter Ehe mit Anna von Münchhausen (gest. 1589) verheiratet war.9) Sophia von Garmissen (geb. 1574) war die Tochter von Bodo von Garmissen (gest. 1576) und Sophia von Oberg (gest. 1624).

Anmerkungen

  1. Wappen Hake (zwei senkrecht gestellte, auswärts gekehrte Haken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 5, Tafel 4.
  2. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 7, Tafel 6.
  3. Wappen Garmissen (schräge Reihe von fünf anstoßenden Rauten). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 7 u. Tafel 8.
  4. Wappen Oberg (zwei Rauten nebeneinander). Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 21 u. Tafel 23.
  5. Vgl. Hollstein’s Dutch and Flemish Etchings, vol. XLIV, S. 151, Nr. 675; vol. XLV, S. 228 (Abb.).
  6. Vgl. ebd., vol. XLIV, S. 87, Nr. 325; vol. XLV, S. 138 (Abb.).
  7. Vor allem Hollstein’s Nr. 417 (Johann Sadeler, 1582); ebd., vol. XLIV, S. 97; vol. XLV, S. 156 (Abb.). Vgl. aber auch Nr. 350, 392, 405, 433, 458, 476, 674, 676 u. 677, ebd., vol. XLIV, S. 91f., 92, 96, 99, 105, 109 u. 150f.; vol. XLV, S. 145, 150, 153, 160, 166, 171 u. 228f. (Abb.).
  8. Vgl. Hake, Familiengeschichte, S. 176. Letzner, Dasselische Chronik, 4. Buch, fol. 186v u. 188r.
  9. Vgl. ebd., S. 155f. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 89 u. 111.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 199 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0019903.