Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 178 Imbshausen, St. Marcus 1586 od. später

Beschreibung

Grabplatte für Adrian von Steinberg. Stein. Links unter der Orgelempore in der zwischen 1725 und 1730 errichteten Kirche angebracht.1) Laut Behrens befand sich das Grab in der Vorgängerkirche von 1549 vor dem Altar.2) In einer angedeuteten Nische mit Beschlagwerk ist der barhäuptige, leicht nach links gedrehte Verstorbene abgebildet mit Harnisch und Halskrause, das Haar ist kurz, der Bart lockig; die Linke ruht auf dem senkrecht gestellten Schwert, die Rechte ist in die Seite gestützt und berührt den Knopf eines Dolches, die Schamkapsel ist abgeschlagen; zu den Füßen Helm und Handschuhe. Inschrift A umlaufend um den Stein, erhaben in vertiefter Zeile, die über die Zeile hinausreichenden Ober- und Unterlängen der Buchstaben sind konturiert, i-Punkte sind ebenfalls vertieft. Die linke Hälfte der unteren Schmalseite ist durch Feuchtigkeitsschäden beeinträchtigt. An der oberen Schmalseite ist die Inschrift unterbrochen durch ein gerahmtes Feld mit den elterlichen Vollwappen des Verstorbenen, die von einem sitzenden Putto gehalten werden. Rechts und links davon zwei weitere Vollwappen in einem Rahmen, an den Seiten darunter je sechs weitere Vollwappen, rechts gewendet; die vertieft gehauenen Wappenbeischriften B der vier oberen und der beiden untersten Wappen jeweils auf dem Rahmen darunter, sonst auf erhöhten Stegen unter den Wappen. Ein Wappen (Roringen) wird teilweise vom rechten Ellenbogen bedeckt, ebenso eine Wappenbeischrift durch den Schwertknauf. Der linke Fuß und die Handschuhe berühren die beiden untersten Wappen. Die punktförmigen Worttrenner befinden sich in der Mitte der unteren Zeilenhälfte, in Inschrift A ein Komma.

Maße: H.: 239 cm; B.: 107 cm; Bu.: 4,5 cm (A), 2 cm (B).

Schriftart(en): Fraktur mit schrägliegender Kapitalis (A), Kapitalis, schrägliegende Kapitalis (B).

DI 96, Nr. 178 - Imbshausen, St. Marcus - 1586 od. später

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/4]

  1. A

    An(n)o D(omi)ni // 1582 / den 19 FEBRVARII Zwisschen 10 . vnd 11 . vhr vormittage . ist der Edler Gestrenger Erenuehster vnd / Manhaffter Adrian von Steinbergg /Obrister, seines alters im 67a) ihar . in Gott selichlich vorscheiden . deren Sehle Gott gnedig sei . Amen.

  2. B
    VO(N) STEINBERG .  VO(N) HANSTEIN . 
    V(ON) HARDENBERG  V(ON) HANSTEIN 
    V(ON) RVTENBERG  V(ON) MESENBVK . 
    V(ON) RORINGEN .b)  V(ON) (BODENH)VSENc) 
    V(ON) HERDINGSHV/SEN  V(ON) SPEIGEL 
    V(ON) VELTEM .  V(ON) CASTINGRO/DE 
    V(ON) KLENCKE(N)  V(ON) VALKENBERG 
    V(ON) SALDER .  V(ON) VREEDEd) . 
Wappen:
Steinberg3)Hanstein11)
Hardenberg4)Hanstein11)
Rautenberg5)Meysenbug12)
Roringen6)Bodenhausen13)
Hartinghausen7)Spiegel14)
Veltheim8)Kerstlingerode15)
Klencke9)Falkenberg16)
Saldern10)Freden?17)

Kommentar

Die Grabplatte ähnelt sehr stark denjenigen, die der Hildesheimer Bildhauer Ebert Wolf d. J. (1560/65–1609) für die bereits 1568 gestorbene Ehefrau des Verstorbenen, Maria von Bortfeld, und ihren 1586 gestorbenen Sohn August angefertigt hat, die beide in der Kirche des Pfandbesitzes Ottenstein beigesetzt wurden.18) Der Aufbau der Platte und die Schrift entsprechen der Platte für die Ehefrau, die sich nur dadurch unterscheidet, dass sie lediglich acht Ahnenwappen aufweist. An charakteristischen Eigentümlichkeiten ist vor allem der Putto hervorzuheben, der die Elternwappen hält. Charakteristisch ist auch die Fraktur der Inschrift A mit ihren aufwendig gestalteten Versalien; typisch sind außerdem die Dorne am oberen Schaftende von h, f und langem s. Das E der schrägliegenden Kapitalis (FEBRVARII) zeigt den für Ebert Wolf typischen langen, durch einen Sporn betonten unteren Balken, das R die langgezogene, geschwungene, beim ersten R unter die Zeile gezogene Cauda. Bemerkenswert und typisch für die Ziffern sind vor allem die 6 und die 9, deren eingerollte Bögen die gesamte Zeile ausfüllen; das freie Ende ragt jeweils in den Rahmen; die 7 ist schwungvoll ausgeführt mit leicht durchgebogenem Schaft und Deckbalken, der am Anfang keilförmig verbreitert ist.19) Damit deutet alles darauf hin, dass Adrian von Steinberg d. J., der jüngere Sohn des Paares, nicht nur den Auftrag für die Grabplatten seiner 18 Jahre zuvor gestorbenen Mutter und seines Bruders erteilt hat, sondern auch den für die Platte seines Vaters, die demzufolge auch erst 1586 oder etwas später entstanden sein dürfte.20)

Die Mutter des Verstorbenen, Katharina von Hanstein, war mit Sievert (Siegfried) von Steinberg (gest. 1550)21) verheiratet. Die Großeltern waren Dietrich von Steinberg und Katharina von Hardenberg.22) Imbshausen ist nach dem Tod des Bruders der Katharina von Hardenberg, Gerd (Gerhard d. J.), 1561 an die von Steinberg gefallen.23)

Die Familie ließ in der Kirche von Imbshausen auch ein heute verlorenes Epitaph anbringen, auf dem Adrian von Steinberg in lateinischen Versen gewürdigt wurde; Nr. 167.

Textkritischer Apparat

  1. 67] Die Lesung ist eindeutig, widerspricht aber den Angaben auf dem verlorenen Epitaph Nr. 167.
  2. RORINGEN] Möglicherweise nachgearbeitet; Mithoff setzt INGEN in eckige Klammern.
  3. (BODENH)VSEN] Vom H sind die unteren Schaftenden zu erkennen, der Rest ist wegen des hereinragenden Schwertknaufs nicht ausgeführt.
  4. VREEDE] Der Mittelbalken des E ragt in das Innere des nachfolgenden D hinein, dessen Bogen nicht geschlossen ist.

Anmerkungen

  1. Zur Zeit Mithoffs war das Niveau des Fußbodens höher und die untere Schmalseite mit dem Namen verdeckt; vgl. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 116.
  2. Behrens, Steinberg, S. 61.
  3. Wappen Steinberg (steigender Steinbock). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 16 u. Tafel 18.
  4. Wappen Hardenberg (Eberkopf). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 8 u. Tafel 9.
  5. Wappen Rautenberg (acht Rauten 5:3). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 102; Bd. 2, Tafel 253.
  6. Wappen Roringen (schrägrechtsliegender Pfeil), gewendet. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 6, S. 135 u. Tafel 88.
  7. Hartinghausen (gespalten, rechts halber Adler, links drei Balken), gewendet. Vgl. DI 58 (Stadt Hildesheim), Nr. 420 (Grabdenkmal der Jakobe von der Asseburg).
  8. Wappen Veltheim b (drei Querbalken). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 10 u. Tafel 9.
  9. Wappen Klencke (Kammrad). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 2, S. 6, Tafel 4.
  10. Wappen Saldern (Rose). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 11, S. 50 u. Tafel 29.
  11. Wappen Hanstein (drei Mondsicheln, 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 8 u. Tafel 9.
  12. Wappen Meysenbug (Vogelklaue). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 31 u. Tafel 33.
  13. Wappen Bodenhausen (drei Mondsicheln 2:1). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 4 u. Tafel 3.
  14. Wappen Spiegel (drei runde Spiegel 2:1). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 119; Bd. 2, Tafel 301.
  15. Wappen Kerstlingerode (gespalten, rechts drei Schindeln 2:1, links zwei Halbmonde übereinander). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 7, Abt. 3 Suppl., S. 27 u. Tafel 21.
  16. Wappen Falkenberg (zwei auswärts gekehrte, aufrechte Schlüssel). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2 u. Tafel 170.
  17. Wappen Freden? Hier: (zwei Vögel, einander zugewandt). Eigentlich: (zwei Schlüssel, einander abgewandt). Vgl. DI 58 (Stadt Hildesheim), Nr. 471. Die Familie ist Ende des 15. Jahrhunderts ausgestorben; Goetting, Kanonissenstift Gandersheim, S. 31.
  18. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 98 u. 99. Vgl. auch die Grabplatte für Ernst Bickhaber; ebd., Nr. 100.
  19. Zu den Eigentümlichkeiten der Schrift bei Ebert Wolf d. J. vgl. außerdem DI 56 (Stadt Braunschweig II), S. XXXIX u. Nr. 629; DI 58 (Stadt Hildesheim), S. 65 u. 68 sowie Nr. 480 (1588) und 484 (wohl vor 1588).
  20. Vgl. bereits Findel, Bildhauerfamilie Wulff, S. 3 u. 17f. (ohne Bezug auf Imbshausen).
  21. Vgl. DI 88 (Lkr. Hildesheim), Nr. 153. Behrens, Steinberg, S. 60 (N. 140).
  22. Behrens, Steinberg, S. 59 (N. 137). Die weiteren väterlichen Vorfahren (N. 126 u. 121), ebd., S. 57f. und im Überblick nach S. 48.
  23. Vgl. Europäische Stammtafeln N. F., Bd. XIX, Tafel 7 (Hardenberg). Reden-Dohna, Rittersitze, S. 49.

Nachweise

  1. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 116.
  2. Behrens, Steinberg, S. 61 (nur Wappen).

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 178 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0017807.