Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 157 Wellersen, Kirche 1580

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die erhaben gegossene Inschrift A unterhalb der Schulter zwischen Stegen. Unterhalb der Inschrift ein weiterer Steg, unter diesem ein Fries von Medaillons mit einem sechsstrahligen Stern, abwechselnd mit jeweils zwei hängenden Eichenblättern, begleitet von zwei waagerecht ausgerichteten Eicheln. Die Inschrift wird mit der Jahreszahl am Schlag fortgesetzt, an dem Buchstaben und Ziffern mit großem Abstand verteilt sind. Dem Gießer fehlten offenbar mehrere Modeln zur Anfertigung von Wachsbuchstaben (R, A), die er durch andere ersetzte.

Maße: H.: 51 cm; Dm.: 53 cm; Bu.: 2 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Elementen der frühhumanistischen Kapitalis.

DI 96, Nr. 157 - Wellersen, Kirche - 1580

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Jörg Lampe) [1/3]

  1. · FKEDEKICH · PILFELDT · VEKBVM DOMINI · MQNETa) · IN · ETEK·NVMb)1) : / A(NN)O M : D : 80 :

Übersetzung:

Friedrich Bielefeld. Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit. Im Jahr 1580.

Kommentar

Außer der konsequenten Ersetzung von R durch K fallen an der relativ schmalen Schrift das oben offene D sowie die Nodi am I und am Mittelbalken des H auf; N ist retrograd, der linke Teil des Balkens am T ist teilweise abgefallen (MQNET; in PILFELDT mit Bruch, aber vorhanden). Das A ersetzte der Gießer einmal durch Q, am Schlag formte er es frei aus Wachsfäden. Bemerkenswert ist auch die Mischung von römischen und arabischen Zahlzeichen. Die schmale Form der Buchstaben, die charakteristischen D und I sowie (teilweise) retrograde N finden sich auf allen erhaltenen Glocken von Friedrich Bielefeld.

Die vorliegende ist die früheste von insgesamt sieben nachweisbaren Glocken, die Meister Friedrich Bielefeld aus Einbeck im Verlauf von dreißig Jahren gegossen hat. Die 1581 für die Kapelle in Herrhausen (bei Seesen, Lkr. Goslar) angefertigte Glocke – bei dieser fehlte Bielefeld offenbar das F, das er durch E ersetzte – wurde an das Landesmuseum in Braunschweig abgegeben.2) Eine 1588 für das Steinbergsche Gut Wispenstein entstandene Glocke befindet sich heute im benachbarten Imsen (Lkr. Hildesheim).3) Die 1589 und 1592 entstandenen Glocken für Altgandersheim (Nr. 180) und Iber sind nicht erhalten.4) 1601 und 1610 folgten Glocken für St. Alexandri in Einbeck und für Golmbach im Lkr. Holzminden.5) Die Inschrift Verbum domini manet in aeternum findet sich auch auf den Glocken in Imsen, Iber, Einbeck und Golmbach. In zwei Fällen (Imsen 1588, Altgandersheim 1589) schreibt Bielefeld auf die Glocke, dass er diese in Einbeck gegossen habe.

Textkritischer Apparat

  1. MQNET] Q ersatzweise für das A, geformt aus einem O mit kleiner, unten rechts außen angesetzter Cauda. Der merkwürdig geformte Buchstabe erinnert an ein a der Antiqua-Minuskel.
  2. ETEK·NVM] Das retrograde N linksschräg, der linke Schrägschaft des V sehr nah folgend.

Anmerkungen

  1. Protestantische Devise nach I. Pt. 1,25.
  2. Vgl. Kdm. Kreis Gandersheim, S. 299. Foto der Glocke in der Arbeitsstelle der Inschriftenkommission.
  3. Vgl. DI 88 (Lkr. Hildesheim), Nr. 219.
  4. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 115.
  5. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 134. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 179.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 157 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0015705.