Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 140† Höckelheim, St. Marien 1571

Beschreibung

Epitaph (oder Grabplatte?) für Dietrich von Plesse. Stein. Das Epitaph war an der Südwand des Chores aufgestellt. In der Mitte eine Kreuzigungsdarstellung auf dem Golgathahügel, am Kreuzeshaupt der Titulus A. Davor in Rüstung kniend der Verstorbene, die Hände zum Gebet erhoben. In den Ecken vier Wappen. An den Seiten umlaufend, beginnend oben links, die eingehauene Inschrift B; am Ende ein Blatt als Zeilenfüller.1) Unter dem Wappen oben links dasselbe Steinmetzzeichen (M14) wie auf der Grabplatte für Margarethe von Gleichen (Nr. 138). Auf der anderen Seite des Kreuzesstammes eine Textzeile in Kurrentschrift, die der Form nach keine Inschrift wiedergibt und daher wohl als kommentierender Zusatz des Notars anzusehen ist.2) Das Epitaph entspricht in seiner Gestaltung dem des Christoph von Plesse (Nr. 134), das gegenüber an der Nordwand angebracht war. Das Grabdenkmal wurde beim Brand des Klosters im Jahr 1582 zerstört.

Inschrift nach Zeichnung in HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 96, Nr. 140 † - Höckelheim, St. Marien - 1571

 Niedersächsisches Landesarchiv, Hauptstaatsarchiv Hannover, HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99 [1/1]

  1. A

    I(ESVS) · N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM)3) ·

  2. B

    IM · IAR · ALS · MAN · SREIB · 1571 AVFa) · DINSTAG · DEN · 22 · / DAG · MAY · IS · DER · EDLER · VND · WOLGEBORNER · HERE · HER · DITTERICH · EDLER · HER · ZV / PLESSE · ALS · DER · LESTE · DVSSES · STAMMES · IN · GOT · / SELICH · ENTSLAFFEN · WELCHER · SEILE · GOT · GENEDIH · VND · BARMHARTZ(ICH) · SEIb) ·

Wappen:
Plesse4)Spiegelberg5)
Reuss6)Lippe-Sternberg7)

Kommentar

N und H sind abgezeichnet mit Ausbuchtung im Schrägschaft bzw. Mittelbalken.

Oben stehen die Wappen des Verstorbenen und seiner 1502 gestorbenen Mutter Anna von Spiegelberg. Die Wappen zeigen, dass Dietrich (IV.) von Plesse aus der wahrscheinlich 1494 geschlossenen ersten Ehe des Vaters mit Anna von Spiegelberg stammt8) und nicht aus der zweiten, 1504 geschlossenen mit Adelheid von Oldenburg. Auch die Angabe Seines Alters an die 80 Jahr (vgl. Anm. 2) lässt nur einen Bezug auf die erste Ehe zu. Die Wappen unten stehen dagegen für die beiden Ehefrauen Katharina Reuss (vor 1502–bald nach 1555) und Agnes zur Lippe (1535–1610), Tochter von Graf Simon V. zur Lippe. Dietrich von Plesse hatte sie im Dezember 1567, wenige Monate nach dem Tod seines Sohnes Christoph, geheiratet.9) Seine damit gewiss verbundene Hoffnung, noch einen Erben zu zeugen, erfüllte sich nicht. Dietrich von Plesse blieb DER LESTE DVSSES STAMMES. Am 24. Mai 1571 wurde er begraben.10)

Textkritischer Apparat

  1. AVF] Befund VAF, möglicherweise ein Abzeichnungsfehler.
  2. Protokoll und Notariatsinstrument (zit. bei Bernotat, S. 36) sind in der Orthographie und im Sprachstand dem zeitgenössischen Gebrauch angepasst.

Anmerkungen

  1. Beschreibung und Schriftart nach der Zeichnung in HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99; abgedruckt bei Bernotat, Erbbegräbnis, Abb. 11, S. 35. Unter der Abzeichnung steht: Zur Kirchen haus ein eingehauwener wisser stein, d. h. der Stein stand an der Chorwand kurz nach dem Ende des Kirchenschiffs. Vgl. auch Protokoll und Notariatsinstrument; HStAH Hann. 27 Hildesheim, Nr. 643/3, Bl. 1174r/v bzw. 1185r/v.
  2. Seines Alters an die 80 Jahr. Auf der Abzeichnung steht außerdem die auf die Textwiedergabe von Inschrift B im Protokoll vom 4. Juli 1581 verweisende Zeile: Disse vmher gesetzte Worte stehen hir unten zusammen.
  3. Io. 19,19.
  4. Wappen Plesse (Maueranker). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 12, S. 68 u. Tafel 53.
  5. Wappen Grafen von Spiegelberg (Hirsch). Vgl. Schade, Genealogische Nachrichten, S. 260.
  6. Wappen Reuss (gekrönter Löwe, Helmzier Brackenkopf), gewendet. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 1, Abt. 1, Tl. 4, S. 78f. u. Tafel 65.
  7. Wappen Lippe-Sternberg (quadriert; 1 u. 4 Rose [Lippe], 2 Schwalbe über Stern [Schwalenberg], 3 Stern [Sternberg]). Zu Schwalenberg vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 116 u. Bd. 2, Tafel 291.
  8. Ebenso: Lubecus im „Chronicon von der Herrschafft Plesse“; Bei der Wieden, Chronicon, S. 84.
  9. Vgl. Europäische Stammtafeln N.F., Bd. XIX, Tafel 5. Die Stammtafeln ordnen ihn als Sohn zweiter Ehe ein. Zur Wiederverheiratung der Witwe Agnes zur Lippe mit Abundus Schlick Graf von Passaun im Jahr 1578 vgl. Böhme, Herrschaft Plesse, S. 34f.
  10. Bei der Wieden, Chronicon, S. 85.

Nachweise

  1. HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99 (Zeichnung).
  2. Notariatsinstrument vom 24. Februar 1580, Protokoll vom 4. Juli 1581; HStAH Hann. 27 Hildesheim, Nr. 643/3, Bl. 1186r u. 1174v.
  3. Bernotat, Erbbegräbnis, Abb. 11, S. 35 (nach Cal. Br. 33, Nr. 99) u. S. 36 (B).
  4. Plesse-Archiv 7, 1972, Tafel 33.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 140† (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0014002.