Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 135† Höckelheim, St. Marien 1567

Beschreibung

Epitaph für Christoph von Plesse und seine Kinder. Holz. Das Epitaph hing links im Chor unweit des Steinepitaphs Nr. 134. In der Mitte in Frontansicht eine Kreuzigungsdarstellung auf dem Golgathahügel vor einer Stadtsilhouette mit zahlreichen Kirchtürmen, am Kreuzeshaupt der Titulus A auf einem Schriftband. Links am Hügel in Rüstung kniend der Verstorbene, die Hände zum Gebet erhoben, hinter ihm zwei gleichfalls kniende Söhne in zeitgenössischer Kleidung mit kurzem Umhang. Rechts am Hügel kniend zwei Töchter mit der Ehefrau ganz rechts; Ehefrau und Kinder sind schwarz bekleidet, wie auf der Rückseite der Zeichnung vermerkt ist. In den oberen Ecken zwei Wappen. Die Inschriften B–F sind 1580 nicht abgezeichnet, sondern nur abschriftlich wiedergegeben worden, so dass sich über deren Schriftart und Anordnung nichts sagen lässt. Über der Darstellung Inschrift B, unter dem linken Wappen die Inschriften C1 und C2, unter dem rechten Wappen die Inschriften D1 und D2, unten rechts auf dem Fuß des Golgathahügels in einem Kasten Inschrift E. Darunter die durch eine Leiste abgesetzte Inschrift F (ursprünglich möglicherweise auf einer besonderen Tafel) mit den Lebensdaten des Christoph von Plesse und seiner drei vor ihm verstorbenen Kinder.1) Das Epitaph wurde beim Brand des Klosters im Jahr 1582 zerstört.

Inschrift nach Zeichnung in HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99.

Schriftart(en): Kapitalis (A).

DI 96, Nr. 135 † - Höckelheim, St. Marien - 1567

 Niedersächsisches Landesarchiv, Hauptstaatsarchiv Hannover, HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99 [1/1]

  1. A

    · I(ESVS) · N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM)2) ·

  2. B

    Ich bin dei auferstheung vnd das leben wer ahn mich glaubt der wirt leben ob er gleich sturbe3)

  3. C1

    Ja Herre ich glaube du bist Jhesus Christus der sohn Gottes der in die weldt kommen ist Johann(es) am XI4)

  4. C2

    Also hadt Got die weldt geliebet das er seinen Einigen Sohn Gab auff das alle die an Jhn gleuben nicht verlohren werden sondern das Ewige leben haben5)

  5. D1

    O Herr du sieheßt Ja denn du schauest das Elend vnd Jamer es sthehet in deinen Henden du bist der waisen Helffer Psalm X6)

  6. D2

    So Paulus Zum Philipper am i Capitel Jch habe lust ab zu scheiden oder auffgelöset Zu werden vnd bej Christo zu sein welches auch viel besser were7)

  7. E

    ach ein sunder geborn gelebet gestorben bin ich cristus mein Herr Erneuert vorgibt auferweckt mich ich bin gleubich Erhalt verklere mach selich mich

  8. F

    Weil(and) der wolgeborener vnd edler Herr Her Cristoffer edler Herr zu plesse Jst Jm Jahre Nach Cristi gebort 1530a) auf den Tag Laurentij8) geborn vnd Jm Jare 1567b) auf den 18 Tag Julij Jm mittag vm eluen vhr selig entslapfen seines alters 37 iar. Her Ditterich Her Cristoffers sone Jst nach Cristi gebort 1·5·57 · auf den Tag Fabiani et Sebastiani9) geborn vnd in dem selbigen Jare auf den Mitwochen nach Vlrici10) selichlich vorscheiden. Her Moritz wolgemeltes Hern Cristoffers shon ist nach der geburt Cristi 1·5·66 auf den mitwochen nach Inuocauit11) geborn vnd in dem selbigen Jare auf den Dag Elisabet12) gestorben. Fraulin Vrsula Hern Cristoffers Tochter ist im Jare Nach der geburt Cristi · 1·5·58 · auf den Tag mattei apostoli13) geborn vnd in dem selbigen Jar auf den dag Stephani14) selich entslaffenc)

Wappen:
Plesse15)Gleichen16)

Kommentar

Es fällt auf, dass die drei laut Inschrift F im Alter von wenigen Monaten verstorbenen Kinder auf dem Epitaph nicht, wie zeitgenössisch üblich, als Wickelkinder, sondern als ältere Kinder oder Jugendliche dargestellt sind. Außer der 1570 gestorbenen Ehefrau Margarethe von Gleichen (Nr. 138) lebte zum Zeitpunkt der Anfertigung des Epitaphs nur noch eine Tochter. Dabei handelt es sich um Walpurgis von Plesse (1563–1602), die 1582 Graf Franz I. von Waldeck ehelichte.17)

Inschrift D2 zeigt, dass der die Verse Auswählende – vermutlich ein Geistlicher – eine eigene Übersetzung aus dem Griechischen zugrunde gelegt hat. Inschrift E ist ein vom Verfasser formuliertes Bekenntnis im Gesangbuchstil.

Textkritischer Apparat

  1. 1530] 1520 HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99 (Zeichnung). Korrigiert als Abschreibe- oder Lesefehler wegen der Altersangabe seines alters 37 iar, die so erklärbar ist. Bernotat korrigiert statt dessen die Altersangabe auf 47 iar. Die Stammtafeln geben als Geburtstag den 10. August 1535 an (vermutlich ermittelt aus der vorliegenden Quelle). Die Altersangabe wäre dann auf 32 iar zu korrigieren, was denkbar ist; eine Verlesung der Jahreszahl von 1535 in 1520 erscheint allerdings unwahrscheinlich.
  2. 1567] 1576 HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99 (Zeichnung); bereits von Bernotat, S. 31, als Zahlendreher korrigiert.
  3. Bernotat bezweifelt ebd., dass Inschrift F auf dem Epitaph gestanden habe, und hält es für wahrscheinlicher, dass der Notar den Text hinzugesetzt habe. Dieser entspricht aber in Position und Formular ganz dem Muster vergleichbarer Epitaphien.

Anmerkungen

  1. Beschreibung nach der Zeichnung in HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99. Die Position des Epitaphs (Linker seite im chore) wird auf einem Zusatz oben links über der Zeichnung genannt; daneben steht: Epitaphium vber der chor dor in Listen gespannen vff holyc tafflen. Druck Bernotat, Erbbegräbnis, Abb. 9, S. 32; vgl. ebd., S. 31 u. 33. Vgl. auch HStAH Hann. 27 Hildesheim, Nr. 643/3, Bl. 1171v.
  2. Io. 19,19.
  3. Jh. 11,25.
  4. Jh. 11,27.
  5. Jh. 3,16.
  6. Ps. 10,14.
  7. Phl. 1,23; oder aufgelöst zu werden ist eine verdoppelnde, wörtliche Übertragung des von Luther mit abzuscheiden übersetzten griechischen Verbums ἀναλῦσαι.
  8. 10. August.
  9. 20. Januar.
  10. 7. Juli.
  11. 6. März.
  12. 19. November.
  13. 21. September oder 24. Februar.
  14. 26. Dezember oder 3. August.
  15. Wappen Plesse (Maueranker). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 12, S. 68 u. Tafel 53. Die Farben der Wappen werden auf der Rückseite der Zeichnung in HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99 blasoniert: Ein silbern helm Ein verguldt schilt helmdecke graue vnd Rot witte sule Eine grauue fedderbusch.
  16. Wappen Gleichen (steigender gekrönter Löwe). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 1, Abt. 1, 4. Tl., S. 82, Anm. 1 u. Tafel 76 (1).
  17. Vgl. Europäische Stammtafeln N.F., Bd. XIX, Tafel 5.

Nachweise

  1. HStAH Cal. Br. 33, Nr. 99.
  2. Protokoll vom 4. Juli 1581; HStAH Hann. 27 Hildesheim, Nr. 643/3, Bl. 1171v–1172r (F, teilweise).
  3. Bernotat, Erbbegräbnis, Abb. 9, S. 32 (nach Cal. Br. 33, Nr. 99) sowie S. 31 u. 33.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 135† (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0013505.