Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 124 Düderode, St. Petri 1560

Beschreibung

Doppelgrabplatte für Caspar (Jasper) und Ludolf Bartolt von Oldershausen. Stein. Angebracht im Turmuntergeschoss gegenüber dem Eingang in der Nische links. Auf der sich nach unten verjüngenden Platte sind in zwei angedeuteten, leicht vertieften Nischen in schlichter, naiver Manier die Verstorbenen im knielangen Kleid dargestellt, die Hände vor dem Bauch zusammengelegt; die rechte Figur ist etwas größer als die linke. In den Zwickeln jeweils ein Dreiblatt. Unterhalb der dünnen Beine mit den nur angedeuteten Füßen ein Freiraum, darunter jeweils zwei Wappen. Die in vertiefter Zeile zwischen Stegen gehauenen, erhabenen Inschriften laufen um die Nischen um, Inschrift A um die linke Figur, Inschrift B um die rechte. Die stark verwitterte Platte ist zweimal durchgebrochen: zum einen quer von links oben nach rechts unten, vom unteren Teilstück ist zum anderen rechts etwa ein Viertel abgebrochen. Dies hat an den breiten Bruchkanten zum Teil erhebliche Textverluste zur Folge.

Maße: H.: 149 cm; B.: 96,5–113 cm; Bu.: 5,5–6,5 cm (A), 6,5–7 cm (B).

Schriftart(en): Minuskeln und Kapitalis-Buchstaben.

DI 96, Nr. 124 - Düderode, St. Petri - 1560

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/5]

  1. A

    A(nn)O · d(omi)ni · 1560a) i(n) den da/ge SePtuagesima1) iS [J– – –]onb) Oldershuse[n] / gebo[re]n un deS/[g]eleich[e] nacht wid[er] gest[a]ru(en)c)
    G[. .] G[….]

  2. B

    A(nn)o d(omi)ni 15·6[.]d) [den . ./. .] SePtu[a](gesima)2) iS ludolF Bartolt
    [v– – –hu(sen)]e) geb[o]/r[e]n un [– – –] / [– – –]f) En[t]slaP(en) Got Si Om gne(dich)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1560 am (Sonn-)Tag Septuagesima ist (Jasper = Caspar) von Oldershausen geboren und in der gleichen Nacht wieder gestorben. (Gott gnade ihm). (A)

Im Jahr des Herrn 1560 am (Sonn-)Tag Septuagesima ist Ludolf Bartolt von (Oldershausen) geboren und (…) entschlafen. Gott sei ihm gnädig. (B)

Wappen:
Hanstein3)Oldershausen4)Oldershausen4)Hanstein3)

Kommentar

Die Schrift zeichnet sich durch eine unregelmäßige Mischung von Minuskel- und Majuskelformen aus. Die Minuskelbuchstaben haben überwiegend die Merkmale der gotischen Minuskel – der am meisten noch m, n, i und das doppelstöckige a entsprechen – verloren; die übrigen zeigen Tendenzen zur Rundung, so besonders d, e und teilweise auch g, das mit kleinem – SePtuagesima (A) – und sehr großem oberen Bogen ausgeführt sein kann, wobei der untere fast verschwindet. Das lange s in SePtuagesima (A) und En[t]slaP(en) (B), zu dem die st-Ligatur in gestoru(en) kommt, bildet eine Ausnahme gegenüber den sonst für S verwendeten Kapitalisformen.

Die Abbildung zeigt die Verstorbenen als junge Kinder im Kleid, in dem auch Jungen dargestellt wurden, sofern sie im Alter von ein bis zwei Jahren verstorben waren. Säuglinge wurden in den Jahrzehnten um 1600 sonst als Wickelkinder dargestellt.5) Bemerkenswerterweise wurde in der Größe ein Unterschied gemacht, der das vermutlich geringfügig höhere Lebensalter, das der rechts abgebildete Ludolf Bartold erreichte, zum Ausdruck bringt.

Die beiden als Zwillinge geborenen Kinder haben nach Ausweis der Wappen eine Angehörige der Familie von Hanstein zur Mutter. Als Vater kommt daher infrage Dietrich von Oldershausen (1510–1583), der seit 1555 mit Ilse von Hanstein (gest. 1599), Tochter des Lippold von Hanstein, verheiratet war.6) Leuckfeld führt in der Abfolge ihrer Kinder Caspar und Ludolf Bartold als 1559 oder 1560 geboren auf; diese seien in der Kapelle in Oldershausen beigesetzt worden.7) Diese Kapelle wurde 1626 im Zuge des Dreißigjährigen Krieges zerstört und 1706 durch einen Neubau auf dem Gutsgelände ersetzt.8) Beim Abbruch der Reste der Kapelle könnten die Grabplatten nach Düderode versetzt worden sein, wo die Familie von Oldershausen ebenfalls begütert war. Vgl. auch Nr. 125.

Textkritischer Apparat

  1. 1560] Müller gibt 1569 als Todesjahr für Caspar von Oldershausen an. Vgl. den Kommentar.
  2. [J– – –]on] Bruchstelle; am Anfang ist nur der geschwungene Deckbalken des J zu erkennen.
  3. gest[a]ru(en)] st-Ligatur wie in der Kursive, bestehend aus einem unten offenen Bogen.
  4. 15·6[.]] Möglicherweise 1560; 1570 gibt Müller als Todesjahr für Ludolf Bartolt von Oldershausen an.
  5. [v– – –hu(sen)]] Am Ende der Lücke dasselbe s-förmige Kürzungszeichen wie am Ende von SePtu[a](gesima) und En[t]slaP(en).
  6. Auf dem Bruchstück zwischen zwei breiten Bruchstellen in der unteren linken Ecke und der Mitte der linken Längsseite Buchstabenreste, deren Lesung ohne einen Zusammenhang spekulativ bleiben muss.

Anmerkungen

  1. 10. Februar; Septuagesima (Circumdederunt) ist der 9. Sonntag vor Ostern.
  2. Vgl. die vorige Anm.
  3. Wappen Hanstein oder Bodenhausen (drei Mondsicheln 2:1), gewendet. Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 8 u. Tafel 9 bzw. S. 4 u. Tafel 3.
  4. Wappen Oldershausen (quadriert, 1. u. 4. neun Rosen 3:3:3). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 14 u. Tafel 15. Die Rosen sind nur noch teilweise zu erkennen.
  5. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Einleitung, S. 22, mit Nr. 127, 205 u. 211.
  6. Vgl. Hartmann, Oldershausen, S. 17. Von Hanstein, Urkundliche Geschichte, Tl. 2, S. 323 u. 384. Leuckfeld, Antiquitates Blanckenburgens(es): Genealogia derer von Oldershausen, Tab. E.
  7. Leuckfeld, Antiquitates Blanckenburgens(es): Genealogia derer von Oldershausen, Tab. E: zwischen Lippold (geb. 1558) und Jlien (geb. 1561, gest. 1562). Vermutlich nach Leuckfeld die Identifikation in: Düderode, S. 161; Müller, Kirchen und Kapellen, S. 23.
  8. Vgl. Müller, Kirchen und Kapellen, S. 49.

Nachweise

  1. Müller, Kirchen und Kapellen, S. 23 (nur Todesjahr).

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 124 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0012400.