Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 115 Hollenstedt, Einbecker Str./Ecke Mühlenweg 1538

Beschreibung

Stein. An der Straßenecke sind drei Steine mit Inschriften von der früheren Mühle des Ortes an einem Betonträger, gerahmt von Bruchsteinmauerwerk, angebracht. Zuunterst der vorliegende Stein, darüber zwei weitere von 1859 und 1920. Auf der Rückseite Informationstafeln zur Geschichte der Mühle. Die laut der Inschrift 1538 erbaute Mühle wurde vermutlich im Dreißigjährigen Krieg zerstört und 1678 wieder errichtet. Die Gebäude brannten 1907 ab, die Mühlräder wurden durch eine Turbine ersetzt, mit der seit 1909 Elektrizität erzeugt wurde. Der Mühlenbetrieb wurde 1955, die Stromerzeugung 1981 eingestellt. Die Gebäude der östlich des Ortes gelegenen Anlage wurden 1982 abgebrochen zugunsten des Baus des Leine-Rückhaltebeckens und der Umgehungsstraße K 406.1) Die Inschrift erhaben in vertiefter Zeile mit Stegen zwischen den Zeilen. Die Oberlängen der Buchstaben und der Worttrenner (Quadrangel mit oben und unten angesetzten Zierhäkchen) ragen teilweise in Kontur in den Rand bzw. Steg hinein. Unten links ist ein kleines Stück ausgebrochen.

Maße: H.: 85 cm; B.: 129,5 cm; Bu.: 14 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien der gotischen Majuskel.

DI 96, Nr. 115 - Hollenstedt, Einbecker Str./Ecke Mühlenweg - 1538

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/1]

  1. Anno · d(omi)ni · M° d · / xxx viii · des · ma/ndages · na · ca(n)ta/te2) · is · d(e) · mole · angel(ech)ta) ·

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1538 am Montag nach Kantate wurde die Mühle angefangen zu bauen (‚angelegt‘).

Kommentar

Die gotische Minuskel weist bereits Abweichungen vom Prinzip der Brechungen der Bögen auf: Das brezelförmige s ist unten mit einer bauchigen Rundung gestaltet, der obere Bogen ist zu einer Fahne reduziert, die bei des umgebrochen, bei mandages als Balken ausgeführt ist. Der Balken des t ist am oberen Rand der Zeile nach rechts angesetzt; der Linksschrägschaft des x ist senkrecht gestellt, der Rechtsschrägschaft zum unten geschwungenen Haarstrich reduziert. Der linke Schaft des v ist oben abgeschrägt. Der Stein ist die Arbeit eines erfahrenen Steinmetzen, wie auch die Gestaltung der Versalien zeigt. Darin schlägt sich nieder, dass die Mühle im Auftrag von Herzog Philipp I. von Grubenhagen errichtet wurde.3)

Textkritischer Apparat

  1. angel(ech)t] Das t ist hochgestellt; orthographisch möglich ist auch angel(ey)t.

Anmerkungen

  1. Informationen nach den Tafeln auf der Rückseite des Inschriftenträgers. Vgl. auch Plümer, Landkreis Einbeck, S. 71.
  2. 20. Mai.
  3. Lockemann/Ernst, Hollenstedt, S. 12.

Nachweise

  1. Lockemann/Ernst, Hollenstedt, S. 12.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 115 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0011501.