Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 110 Bad Gandersheim, Burg 1530

Beschreibung

Stein. In etwa acht Meter Höhe eingemauert in die Nordwestecke des Torturms an der Nordseite der Burg. Im Zentrum ein mehrere Zentimeter hervorstehender, erhabener Wappenschild in Tartschenform, oben leicht zur Wand geneigt. Der Wappenschild unterbricht die ersten drei Zeilen der eingehauenen Inschrift; die vierte Zeile ist durchlaufend. Über den Zeilen Kürzungsstriche. Bei dem jeweils letzten Buchstaben der ersten beiden Zeilen leichte Verwitterungsspuren.

Maße: H.: 40 cm; B.: 110 cm; Bu.: 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 96, Nr. 110 - Bad Gandersheim, Burg - 1530

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/1]

  1. gebia) · got · mi // gnade(n) · hans / vo(n) · scharffe(n)ste(n) // nu · to · de(r) · titb) · vo/get heftc) · vt · be//uel · m · g · hd) · ge/buwet · dut · slot · anno · d(omi)ni ·
    1 · 5 · 3 · 0

Übersetzung:

Gebe Gott mir Gnade. Hans von Scharfenstein, gegenwärtiger Vogt, hat auf Befehl meines gnädigen Herren diese Burg gebaut im Jahr des Herrn 1530.

Wappen:
Scharfenstein1)

Kommentar

In scharffe(n)ste(n) findet sich ein Bogen-r. Die Verlängerung von Schaft und Bogen des g über den Zusammenstoß hinaus führt rechts oben zu einem kreuzförmigen Abschluss, der waagerechte untere Bogen ist rechtwinklig angesetzt. Der gebrochene obere Bogenabschnitt des offenen e ist dachförmig gestaltet, der Balken zum gebogenen Zierstrich reduziert, der linke Teil des oberen Bogens des doppelstöckigen a ist als Zierstrich nach innen geführt. Die Schaft-1 ist leicht durchgebogen, die rechtsgewendete 5 besteht aus Bogen und (langem) Deckbalken, der untere Schrägschaft der oben und unten spitzen 3 ist am unteren Ende nach rechts umgebogen.

Hans von Scharfenstein war Amtmann Herzog Heinrichs d. J. von Braunschweig-Wolfenbüttel in Gandersheim. In der zweiten Hälfte der 1520er Jahre begann er im Auftrag des Herzogs damit, den Machtbereich des dortigen Stiftes zu beschneiden. Dazu gehörte der Ausbau der Burg, dem angrenzende Häuser, darunter auch die von Stiftskanonikern, zum Opfer fielen.2) Sein jüngerer Bruder wurde im Kloster erzogen, was die Spannungen zwischen Stift und Amtmann zeitweise mäßigte.3)

Textkritischer Apparat

  1. gebi] geb Kdm.
  2. de(r) · tit] de. m Kdm. Über dem e ein dünner Kürzungsbogen, die Oberlänge des t gestört durch ein Loch.
  3. vo/get heft] vogethoff Kdm.
  4. m · g · h] Sinngemäß zu ergänzen: m(eines) g(nädigen) H(erren).

Anmerkungen

  1. Wappen Scharfenstein (aufspringender Hund). Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 6, S. 144 u. Tafel 94; Bd. 6, Abt. 12, S. 19 u. Tafel 13.
  2. Vgl. Goetting, Kanonissenstift Gandersheim, S. 119f., 422 u. 430. Ein Hans von Scharfenstein und sein gleichnamiger Sohn werden 1541 genannt; vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 6, Abt. 12, S. 19.
  3. Vgl. Goetting, Benediktiner(innen)kloster Brunshausen, S. 221.

Nachweise

  1. Kdm. Kreis Gandersheim, S. 206.
  2. Kronenberg, Chronik, S. 53.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 110 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0011001.