Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 104 Northeim, St. Sixti 1. V. 16. Jh.

Beschreibung

Rückwand des Sakramentshauses. Holz. Das hohe spätgotische, steinerne Sakramentshaus, das ursprünglich an der Nordseite des Chors stand, wurde beim Umbau 1846 an den heutigen Standort an der Wand am östlichen Ende des südlichen Seitenschiffs versetzt.1) Auf einer achteckigen Basis, einer gedrehten Säule mit flachem Würfelkapitell und einer rankenverzierten Platte ruht der Schrein; über den Ecken hochaufstrebende, an den drei freien Seiten durch vorkragende Baldachine verbundene Fialen, die einen mittleren, durch Streben mit den Fialen verbundenen Turm umgeben. An dem Mittelpfeiler drei Figuren: Nach vorn Martin, auf seinen Mantel weisend, an den Seiten die Apostel Simon und Jakobus. An der linken Seite des Schreins der Apostel Petrus mit dem Schlüssel und Paulus mit einem (abgebrochenen) Schwert, an der rechten Maria, die Hände zum Gebet erhoben, und Johannes der Täufer im Schaffell und mit Buch, auf dem ein Lamm liegt. Rechts von der durch ein altes Eisengitter verschlossenen Tür ein „Christus im Elend“, links von dieser ein Papst mit Buch und Kelch, möglicherweise nicht Sixtus, sondern Gregor der Große.2) Das Innere des Schreins ist mit Holzbrettern ausgekleidet. Im oberen Viertel der Rückwand vor einem rötlichen Hintergrund von links unten nach rechts unten in einem Bogen ein mehrfach gewundenes Schriftband; darauf die verblasste, ursprünglich schwarz auf weiß gemalte Inschrift.

Maße: H.: 98 cm; B.: 34 cm (Schrein); H.: 29 cm; B.: 31,5 cm (Schriftfeld); Bu.: 3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis mit Elementen der frühhumanistischen Kapitalis.

DI 96, Nr. 104 - Northeim, St. Sixti - 1. V. 16. Jh.

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/1]

  1. EC[CE] / PA/NI/S / AN/GELO/[R]V/M3)

Übersetzung:

Sieh das Brot der Engel.

Kommentar

Serifenartige Abschlüsse zieren die Schaft-, Balken- und Bogenendungen. Elemente der frühhumanistischen Kapitalis zeigen das runde E und das I mit Ausbuchtung nach links; A ist mit Deckbalken und gebrochenem Mittelbalken gestaltet.

Das Sakramentshaus dürfte in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Weihe und der Wölbung des Chors zwischen 1478 bis 1482 entstanden sein. Die Buchstabenformen deuten allerdings darauf hin, dass die Inschrift auf der hölzernen Rückwand erst nach 1500 angebracht wurde.

Anmerkungen

  1. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 86.
  2. Vgl. von Hindte, St.-Sixti-Kirche, S. 13f. In der Verbindung von Buch (Evangeliar), Kelch und der Christusfigur kann man mit von Hindte eine Bezugnahme auf die im Spätmittelalter verbreitete Darstellung der Gregorsmesse sehen; zu dieser vgl. Nr. 78.
  3. Vgl. Walther, Initia carminum, Nr. 5120. Ecce panis angelorum ist der Anfang der 19. Strophe aus der Fronleichnamssequenz Lauda Sion Salvatorem des Thomas von Aquin; vgl. Analecta hymnica, Bd. 50, Nr. 584.

Nachweise

  1. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 86.
  2. Von Hindte, St.-Sixti-Kirche, S. 13.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 104 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0010406.