Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 101 Lindau, kath. Kirche St. Peter u. Paul 1523 od. später

Beschreibung

Sonnenuhr an der Südseite des Turms. Stein. Die leicht vertieft auf zwei Steinen (der untere Stein ist rechteckig, der obere konisch) in der Höhe des zweiten Obergeschosses angebrachte, radförmige Sonnenuhr zeigt die Ziffern erhaben in vertiefter Zeile zwischen zwei Stegen. Zwischen den gegenüberliegenden Ziffern verlaufen speichenartige Stege. Der oberste Scheitelpunkt befindet sich leicht rechts von der xi, von der vii zur i erstreckt sich ein neuer metallener Zeiger. In dem Dreiecksfeld unterhalb von xi und xii ist das Mainzer Rad angebracht. Gegenüber, oberhalb von v und vi auf einem leicht erhöhten Kreis dasselbe Steinmetzzeichen (M7), das sich auch auf der Bauinschrift (Nr. 100) links unterhalb der Sonnenuhr findet. Dies bestätigt die Annahme, dass die Sonnenuhr bald nach dem durch jene Inschrift datierten Baubeginn am Turm angebracht wurde.

Maße: H.: ca. 100 cm; B.: ca. 100 cm; Bu.: ca. 12 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 96, Nr. 101 - Lindau, kath. Kirche St. Peter u. Paul - 1523 od. später

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/1]

  1. i ii iii iiii v vi vii viii ix x xi xii

Kommentar

Die Form des x – bestehend aus einem senkrecht gestellten Linksschaft, Mittelbalken und einem zum Haarstrich reduzierten, unten leicht gebogenen Rechtsschrägschaft, dessen oberer Abschnitt als Quadrangel ausgebildet ist – bestätigt, dass hier derselbe Steinmetz wie bei der Bauinschrift Nr. 100 tätig war.

Die Verwendung eines von i bis xii reichenden kreisförmigen Zifferblattes lässt statt an eine Sonnenuhr an eine mechanische Turmuhr denken. Diese ist aber an der Stelle in der massiven Wand nicht wahrscheinlich, auch zeigt das vom üblichen Scheitelpunkt bei der xii leicht nach rechts gedrehte Zifferblatt – das so angefertigt und nicht später gedreht wurde –, dass hier doch eine Sonnenuhr beabsichtigt war. Offenbar wog die „moderne“ Gestalt des Zifferblattes die anzeigetechnisch wenig sinnvolle Form – die durch die unpassende flache Anbringung des neuen „Zeigers“ noch weiter gestört wird – auf.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 101 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0010102.