Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 99 Höckelheim, St. Marien 1523 od. früher

Beschreibung

Kelch. Silber, teilweise vergoldet. Sechspassfuß mit im Vierpassmuster durchbrochener Zarge und breitem Standring. Die sechsseitigen Schaftstücke sind mit eingravierten Andreaskreuzen versehen, der Nodus mit durchbrochenen gotischen Zierformen auf den Zungen. Nodus, Schaftstücke und Zarge weisen Reste der Vergoldung auf. Inschrift A auf den sechs Rotuli des Nodus, glatt vor dunklem, teilweise zerstörtem Schmelz. Inschrift B auf dem Fuß über einem Weihekreuz, beide graviert. Die dazugehörige Patene mit eingestanztem Vierpass und gleichartig gestaltetem Weihekreuz ist noch vorhanden.

Maße: H.: 17,8–18,4 cm; Dm.: 13,6 cm (Fuß), 10,5 cm (Kuppa); Bu.: 0,8 cm (A), 0,25 cm (B).

Schriftart(en): Frühhumanistische Kapitalis (A), gotische Minuskel mit Versal (B).

DI 96, Nr. 99 - Höckelheim, St. Marien - 1523 od. früher

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/2]

  1. A

    I H E S V S

  2. B

    Jvtte proeites / dedit

Übersetzung:

Jutta Preites hat (den Kelch) geschenkt.

Kommentar

Die Buchstaben der frühhumanistischen Kapitalis (A) weisen ausgeprägte Serifen an den Schaftenden auf; die Bogenenden an E und S sind gespalten und leicht zurückgebogen. H ist mit nach oben gestuft ausgebuchtetem Mittelbalken gestaltet, das epsilonförmige E mit spitz ausgezogener Bogenschwellung versehen, S mit einer Verstärkung des Mittelteils; die Schäfte des V sind zu den Enden hin keilförmig verbreitert. Die gravierten Minuskelbuchstaben von (B) weisen an den Schaftenden statt Quadrangeln kleine dreieckige Sporen auf. Der Balken des weit offenen e ist unten umgebogen. Der gebrochene obere Bogen des brezelförmigen s ist nur angeritzt, aber nicht eingraviert.

Die Verbindung von gotisierenden Schmuckformen an Zarge, Schaftstücken und Nodus mit der Verwendung der frühhumanistischen Kapitalis auf den Nodi (A) sowie der gotischen Minuskel in der Stifterinschrift B deuten auf eine Entstehung im ersten Viertel des 16. Jahrhunderts hin. Dies wird bestätigt durch den Namen der Stifterin. 1512 trat Jutta, Witwe des Hans Preites aus Northeim, in das Kloster Höckelheim ein. Sie hatte bereits 1491 zusammen mit ihrem Mann und alleine 1504, 1505 und 1508 Schenkungen an das Kloster gemacht. Äbtissin und Konvent nahmen sie als besondere Gönnerin am 7. September 1512 frei in das Kloster auf; sie starb vermutlich bald nach März 1523.1) Die Stiftung des Kelches dürfte zwischen 1504 und 1523, wahrscheinlich nach 1512 erfolgt sein.

Anmerkungen

  1. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 108, Anm. 4. Vgl. HStAH Cal. Or. 81g Nr. 237 (1491), 159, 264, 276, 289 (1512, 7. September), 292, 294, 295 u. 316 (1523, 19. März).

Nachweise

  1. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 108.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 99 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0009907.