Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 76 Northeim, Am Münster 32/33 1500

Beschreibung

Haus. Fachwerk. Das dreigeschossige, 23 Fach lange Gebäude mit Erdgeschoss, Zwischengeschoss und Obergeschoss wurde als Anbau des Hospitals St. Spiritus errichtet; heute beherbergt es überwiegend das Northeimer Museum. An dem südöstlichen Eckständer in Höhe des vorkragenden Obergeschosses auf der südlichen Seite Inschrift A; auf der östlichen Seite auf dem Eckständer und dem unmittelbar rechts daneben anschließenden Ständer Inschrift B. Beide Inschriften erhaben in vertiefter Zeile, farbig (gold) vor rotem Hintergrund gefasst. Die Zeilen sind durch Stege getrennt, zwischen den beiden Ständern auch ein senkrechter Steg innerhalb der Zeilen. Als Worttrenner dienen Rosetten sowie Blüten mit Stiel.

Maße: Bu.: ca. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DI 96, Nr. 76 - Northeim, Am Münster 32/33 - 1500

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/2]

  1. A

    Anno · m · / ccccc

  2. B

    · Anno // · xvca) · / fecit · mes//ter · cla·/wes · i(n) de // guldenb) · / iare ·

Übersetzung:

Im Jahr 1500. (A)

Im Jahr 1500 hat Meister Klaus (das Haus) erbaut, in dem goldenen Jahr. (B)

Kommentar

Die entsprechende lateinische Datierungsformel für das Jahr 1500 – In Jubileo – findet sich mehrmals in dem Jahr in Inschriften.1) Fünfzig Jahre früher wurde die auf Veranlassung des Nikolaus von Kues in St. Lamberti in Hildesheim aufgestellte Katechismus-Tafel mit der Formel des negesten iares na dem gvlden iare auf das Jahr 1451 datiert.2)

Das vom Rat auf Klostergrund errichtete Heilig-Geist-Hospital wird 1478 zuerst in einer Urkunde erwähnt, 1481 noch als „neues Spital“ bezeichnet.3) Der etwas ältere, nördliche Bau (heute mit dem Eingang des Museums) wurde im Jahr 1500 nach Süden erweitert.

Textkritischer Apparat

  1. c hochgestellt.
  2. gulden] Das g unvollständig farbig gefasst, der linke Teil des oberen Bogens und der waagerechte Teil des unteren Bogens sind, der letztere auf dem Rahmen, aber noch erhaben zu erkennen.

Anmerkungen

  1. Vgl. DI 24 (Kloster Lüne), Nr. 55; DI 58 (Stadt Hildesheim), Nr. 225; DI 77 (Stadt Greifswald), Nr. 153.
  2. DI 58 (Stadt Hildesheim), Nr. 167. Zur Verwendung in der Chronistik vgl. Lubecus, Göttinger Annalen, S. 173 (zu 1449/50).
  3. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 95; Bd. 1, S. 102. Zu späteren Geschichte des Hauses bis zum Umbau zum 1978 eröffneten Museum vgl. Buchhagen, Heimatmuseum, S. 518–520.

Nachweise

  1. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 95.
  2. Fahlbusch, Northeim, S. 68.
  3. [Eggeling/Hueg], Bürgerhaus, S. 20.
  4. Jörns/Engel, Zeugnisse des Bürgertums, S. 9 (Abb. 2).
  5. Kämmerer/Lufen, Landkreis Northeim, Südlicher Teil, S. 226.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 76 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0007605.