Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 73 Northeim, St. Sixti 1492

Beschreibung

Stein. Ursprünglich angebracht an der früheren Liebfrauenkapelle. Der Ansatz der 1870/71 abgerissenen1) Liebfrauenkapelle ist an der Südseite der Kirche durch einen Blendgiebel markiert. In diesem eine Nische mit Marienstatue, über der Nische ein Christuskopf unter einem Eselsrücken und weitere Schmuckelemente. Der Stein ist eingelassen in die Wand unter der gesimsartigen Waagerechten des Blendgiebels. Die Inschrift erhaben in vertiefter Zeile, die Ober- und Unterlängen ragen in den Mittelsteg bzw. den Rahmen und sind wie die Kürzungsstriche vertieft konturiert.

Maße: H.: 39,5 cm; B.: 106 cm; Bu.: 10 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 96, Nr. 73 - Northeim, St. Sixti - 1492

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/1]

  1. Anno domi(ni) m° cccc lx/xxxii°a) incepta e(st) struct(ur)ab)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1492 ist (der Bau) begonnen worden.

Kommentar

Die regelkonforme gotische Minuskel unterscheidet sich deutlich von der schmaler proportionierten Schrift am früheren Mühlentor von 1491, an der die unteren Brechungen teilweise ganz fehlen; Nr. 72. Besonders deutlich ist der Unterschied beim x, das im vorliegenden Fall Zierhäkchen an dem zum Quadrangel reduzierten Rechtsschrägschaft aufweist; diese sind bei den drei x in der zweiten Zeile verkürzt, der breitere Balken ist nach oben gerutscht.

Der Baumeister Hans Meinecke, der von 1470 bis 1481 in den Baurechnungen der Sixti-Kirche genannt wurde2) und 1491 das Mühlentor erbaute, scheint demnach nicht mehr für die 1492 begonnene Liebfrauenkapelle verantwortlich gewesen zu sein.

Textkritischer Apparat

  1. m° cccc lx/xxxii°] Bei Grote/Reddersen verlesen zu M CCCC XXXII (1432) und mit einer älteren Hieronymuskapelle in Verbindung gebracht, deren Existenz zweifelhaft ist; vgl. die Einleitung, Kap. 9.
  2. e(st) struct(ur)a] Kürzungsstrich über e, zwei Quadrangel als cc-a über dem zweiten t.

Anmerkungen

  1. Vennigerholz, Beschreibung, Bd. 2, S. 83.
  2. Hueg, Auszug, S. 136–139.

Nachweise

  1. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 157.
  2. Grote/Reddersen, Geschichte, S. 68f.
  3. Hueg, Sixti-Kirche, S. 12.
  4. Von Hindte, St.-Sixti-Kirche, S. 18.
  5. Müller, Entschlüsselung, S. 56.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 73 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0007301.