Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 69 Markoldendorf, St. Martin 1489

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die erhaben gegossene Inschrift unterhalb der Schulter zwischen zwei Schnurstegen; vor dem Beginn der Inschrift ein etwas größerer Abstand. Über der Zeile Kürzungsstriche.

Maße: H.: 62 cm; Dm.: 75 cm; Bu.: 3,6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versal.

DI 96, Nr. 69 - Markoldendorf, St. Martin - 1489

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Jörg Lampe) [1/4]

  1. anno d(omi)ni m° C° C° C° C° lxxxix mester hans arnema(n) me fecit

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1489 hat mich Meister Hans Arnemann gegossen.

Kommentar

Bemerkenswert ist das doppelstöckige, oben offene a. Die Bögen des runden s berühren einander, wie überhaupt die mit breitem Strich ausgeführten Buchstaben eine Tendenz zur Schließung der Innenräume zeigen. Das mit einem Mittelbalken versehene x besteht aus einem oben und unten gebrochenen, senkrecht gestellten Linksschrägschaft, der nicht durchgezogene Rechtsschrägschaft ist im oberen Abschnitt zum linksschrägen Quadrangel reduziert, im unteren Abschnitt zum nach rechts gebogenen Haarstrich.

Der Einbecker Bürger Hans Arnemann1) goss zwischen 1487 und 1508 in der Region fünf nachgewiesene Glocken: 1487 eine große Glocke für St. Alexandri in Einbeck,2) 1488 eine nicht erhaltene Glocke, ebenfalls für St. Martin (Nr. 68), 1505 eine für Hardegsen (Nr. 85) und 1507 eine für Kohnsen (mit dem gleichen Herstellervermerk);3) hinzu kommen zwei weitere Glocken für Ortschaften im Landkreis Holzminden in den Jahren 1503 und 15084) und eine weitere, die aus dem Jahr 1497 stammen dürfte.5) Der Umstand, dass die vorliegende Glocke von Letzner, der für Markoldendorf drei andere Glocken anführt (Nr. 63, 68, 118), nicht erwähnt wird,6) lässt vermuten, dass sie erst nach der Wende zum 17. Jahrhundert, möglicherweise aus der Marienkapelle im alten Dorf, in die Kirche gelangt ist. 1873 befand sie sich bereits dort.7)

Anmerkungen

  1. Letzner, Hardessische Chronik, fol. 50r. Vgl. Nr. 85.
  2. Vgl. Letzner, Dasselische Chronik, 6. Buch, fol. 61v.
  3. Vgl. DI 42 (Stadt Einbeck), Nr. 37.
  4. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 36 (1503 für Vorwohle, erschlossen) u. 39 (1508 für Hohenbüchen).
  5. Vgl. DI 83 (Lkr. Holzminden), Nr. 20: kopial mit der Jahreszahl 1447 überliefert und in dem Band zeitlich so eingeordnet, wahrscheinlich verlesen für 1497. Vgl. Nr. 68.
  6. Vgl. Letzner, Dasselische Chronik, 5. Buch, fol. 8v; Ders., Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 846; (Cod. Ms. Hist. 249), fol. 936v/937r.
  7. Vgl. Mithoff, Kdm. Hildesheim, S. 201.

Nachweise

  1. Mithoff, Kdm. Hildesheim, S. 201.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 69 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0006904.