Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 51 Moringen, Friedhofskapelle 1461

Beschreibung

Glocke. Bronze. Die vermutlich bereits für die Liebfrauenkapelle, die Vorläuferin der 1490/92 errichteten Liebfrauenkirche,1) gegossene, ursprüngliche Messglocke befindet sich heute im Dachreiter der Friedhofskapelle.2) Dacharbeiten ermöglichten es, dass im Herbst 2015 Fotos der ansonsten unzugänglichen Glocke angefertigt werden konnten. Die Inschrift umlaufend unterhalb der Schulter zwischen Stegen. Zwischen Ende und Anfang der Inschrift ein größerer Abstand. Die Worttrenner haben die Form eines Vierpasses in einem griechischen Kreuz. Die Buchstaben des letzten Wortes sind beim Guss verrutscht und erscheinen schrägliegend nach links (g) bzw. rechts.

Inschrift und Maße nach Fotos; Dm. nach Mithoff.

Maße: H.: ca. 48 cm; Dm.: 36 cm; Bu.: ca. 1,6 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel.

DI 96, Nr. 51 - Moringen, Friedhofskapelle - 1461

 O. Fröchtenicht, Moringen [1/3]

  1. · anno · domini · m · cccc lxi · maria · graciaa)3)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1461. Maria (voll der) Gnade.

Kommentar

Das Jahr des Glockengusses stimmt mit dem des Stadtbrandes überein, der nach der Nachricht in einer Bauinschrift von 1490 am 30. April 1461 die Stadt zerstörte; vgl. Nr. 70. Letzner führt Ende des 16. Jahrhunderts für die Liebfrauenkirche nicht diese, sondern zwei Glocken aus dem Jahre 1463 an, die ein Meister Mathieß (Mathias) für die Martinikirche gegossen habe und die nach dem Neubau von Liebfrauen 1492 dorthin gekommen seien. 1510 soll Hans Tegetmeyer noch eine kleinere Glocke für die Liebfrauenkirche gegossen haben.4) Bei dem von Letzner genannten Meister Mathias dürfte es sich um denselben handeln, der 1445 eine große Glocke für St. Sixti in Northeim goss; vgl. Nr. 41.

Textkritischer Apparat

  1. gracia] gratia Berold; Berold zeichnet als ersten Worttrenner ein Kleeblatt.

Anmerkungen

  1. Vgl. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 132.
  2. Laut Wilfried Hartje ist die Glocke dort seit 1949: Wilfried Hartje, Aus der Geschichte der Moringer Liebfrauenkirche, einzusehen in: weperhase.bplaced.net/ (9.12.2014).
  3. Mariengebet nach Lc. 1,28.
  4. Letzner, Klösterchronik (Cod. Ms. Hist. 248), S. 866.

Nachweise

  1. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 133.
  2. Antiquitates Moringenses, S. 59.
  3. Domeier, Moringen1, S. 114 (Nr. VI).
  4. Domeier, Moringen2, S. 105 (Nr. VI).
  5. Pfarrarchiv Moringen, Fragebogen betreffend Glocken vom 13. März 1917 (Nr. 1); auch in: Westfälisches Glockenmuseum in Gescher: Unterlagen des Provinzialkonservators, Kreis Northeim.
  6. [Wilhelm] Berold, Unsere Kirchenglocken [um 1900, Mskr.]; Kopie im Ordner „Glocken“ im Pfarrarchiv Moringen.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 51 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0005101.