Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 28 Uslar, St. Johannis 2. H. 14. Jh.

Beschreibung

Kelch. Silber, vergoldet. Runder Fuß mit Standring und durchbrochener Zarge mit Perlstabornament. Auf dem Fuß aufgesetzt die gegossene Figur des Gekreuzigten. Der Nodus zwischen schlichten runden Schaftstücken, mit gotischen Schmuckformen auf den Laschen. Inschrift A auf den hervorstehenden, rhombenförmigen Rotuli am Nodus, glatt vor vertieftem und schraffiertem Hintergrund. Inschrift B auf dem Fuß umlaufend, glatt in vertiefter und schraffierter Zeile, beginnend zu den Füßen des Gekreuzigten; die Worttrenner sind rosetten- und blattförmig. Die Kuppa und die runden Schaftstücke sind erneuert.

Maße: H.: 17,6 cm; Dm.: 12,7 cm (Fuß), 11,8 cm (Kuppa); Bu.: 0,7 cm (A), 1,2 cm (B).

Schriftart(en): Gotische Majuskel (A), gotische Minuskel (B).

DI 96, Nr. 28 - Uslar, St. Johannis - 2. H. 14. Jh.

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Julia Zech) [1/3]

  1. A

    I H E S V S

  2. B

    bydet ∙ vor ∙ herman ∙ greven ∙ vnde ∙ tilen ∙ scv(t)tselea)1)

Übersetzung:

Bittet für Hermann Greve und Tile Schützlein (Schüttel). (B)

Kommentar

Die Schaft- und Bogenenden der gotischen Majuskel in Inschrift A sind gespalten, beim V zudem keilförmig verbreitert. Der mit dünnerem Strich ausgeführte Bogen des unzialen H ist gebrochen; das unziale E ist mit stachelförmiger Bogenschwellung bei gerader Innenkontur und verstärktem Mittelbalken versehen, die Enden des Abschlussstrichs sind ebenfalls umgebogen; S ist durch einen ausgezogenen Zierstrich geschlossen.

Die Ober- und Unterlängen der gotischen Minuskel (B) sind ober- und unterhalb der schraffierten Zeile in Konturschrift ausgeführt; die oberen Schaftenden von b, h und l sind gespalten und eingerollt; bei y sind beide Schäfte gleich lang und treffen über der Grundlinie zusammen, der linke Schrägschaft läuft nach rechts in eine gebogene, am Ende gespaltene Zierlinie aus. An Zierstrichen und -häkchen, teilweise auch an Quadrangeln und Brechungen, finden sich kleine Perlsporen. Die Worttrenner ähneln denen auf dem Leuchterpaar Nr. 45 aus Amelsen.

Textkritischer Apparat

  1. scv(t)tsele] seut . sele Mithoff; über vt ein Kürzungsstrich, kein Worttrenner!

Anmerkungen

  1. „Das -le kann hier zum einen die neben -ke im mittelniederdeutschen gebräuchliche Verkleinerungsform sein. Dann wäre der Nachname wohl von ‚Schütte‘ abgeleitet und würde so etwas wie kleiner Schütze bedeuten. Möglich wäre auch eine direkte Herleitung von Schüttel, wobei der Name dann in etwa Pfand- oder Schutzgelderheber für die Bewachung des Viehs bedeuten würde.“ Freundliche Mitteilung von Uwe Ohainski vom Niedersächsischen Ortsnamenbuch, 28.04.2015. Vgl. Zoder, Familiennamen in Ostfalen, Bd. 2, S. 570f.

Nachweise

  1. Mithoff, Kdm. Göttingen und Grubenhagen, S. 196.

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 28 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0002806.