Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 27 Wahmbeck, Christophorus 2. H. 14. Jh., 17. Jh.

Beschreibung

Patene und Kelch. Silber, vergoldet. Patene mit getriebenem Vierpass in der Mitte und glatt vor gestricheltem Hintergrund graviertem gotischen Weihekreuz auf der Fahne. Rechts und links vom Weihekreuz die punktierte Inschrift A, durch Polieren teilweise ausgelöscht.

Der runde Fuß des Kelches mit schmalem Standring und gemusterter Zarge geht über in flache, schmucklose, sechsseitige Schaftstücke. Die auf der Unterseite des Standrings gravierte Inschrift B bezieht sich auf Inschrift A. Inschrift C auf den rhombenförmigen Rotuli am um 180° gedrehten, ellipsoiden Nodus mit gotischen Schmuckformen auf den Laschen muss von I aus nach links gelesen werden. Die Buchstaben glatt vor vertieftem Hintergrund; die Vertiefung wurde nachgearbeitet und die Buchstaben dabei teilweise verändert. Die Kuppa ist erneuert.

Inschrift A ergänzt nach Kunstgutkartei.

Maße: Patene: Dm.: 13,2 cm.Kelch: H.: 17,4 cm; Dm.: 13 cm (Fuß), 10,5 cm (Kuppa); Bu.: 0,3 cm (A, B), 0,4 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis (A, B), gotische Majuskel (C).

DI 96, Nr. 27 - Wahmbeck, Christophorus - 2. H. 14. Jh., 17. Jh.

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Julia Zech) [1/3]

  1. A

    [HIERONIM]V[S] a) // SCHWARTZ ···b)

  2. B

    CATTRINA . GRONOWALT . SEINE . ELICHE . HAVSFRAVW ·

  3. C

    I H E S V Sc)

Kommentar

Die gravierten Kapitalisbuchstaben der Inschrift B zeichnen sich durch ausgeprägte Serifen an den Schaft-, Balken- und Bogenenden aus; Linienverdoppelung findet sich am Schrägschaft des N, dem Schaft des F, einmal am linken Schrägschaft des A (zweites A in CATTRINA) sowie bei der Cauda des R. Der Bogen des G reicht nur knapp unter die Mittellinie, die Cauda ist leicht nach links gebogen und bis zur Grundlinie gezogen, O ist spitzoval, das W verschränkt.

Die gotischen Majuskeln der Inschrift C wurden teilweise stark verändert. Die ursprünglichen Buchstabenformen lassen sich durch einen Vergleich mit denen auf den Nodi der Kelche Nr. 25, 26, 28 sowie 29 erschließen. Die Schaftenden des weitgehend unveränderten I sind gespalten und beidseitig eingerollt. Das auf dem Kopf stehende runde E ist mit stachelförmiger Bogenschwellung ausgeführt; an den Enden des breit ausgeführten Abschlussstriches finden sich nach innen gebogene Zierstriche, die in Dreiecken auslaufen. Das in Leserichtung erste S ist von der ursprünglichen Form, einem durch ausgezogene Zierstriche geschlossenen S, durch Abarbeitung stark reduziert, so dass nur die mittlere Bogenschwellung und der Ansatz des oberen Bogenabschnitts bleiben; der untere Bogenabschnitt fehlt, dafür ist ein nach rechts gerichteter Bogen herausgearbeitet. Das zweite S, oben durch einen Zierstrich, unten durch einen serifenartigen Abschlussstrich geschlossen, ist spiegelverkehrt. Das V weist an den Enden Brechungen auf; diese sind durch ein Abarbeiten der ursprünglich ausgeprägteren konischen Verbreiterung der Schäfte entstanden. Besonders stark ausgeprägt sind die Veränderungen am unzialen H, bei dem der Schaft mit gespaltenen und umgebogenen Enden noch zu erkennen ist; diese wurden allerdings zu Brechungen umgeformt; auch der Bogen ist jetzt gebrochen. Der Goldschmied, der vermutlich im Zusammenhang der Neustiftung von Patene und Kelch den Nodus gedreht und die Buchstaben auf den Rotuli bearbeitet hat, hat sich an der ihm offenbar etwas vertrauteren gotischen Minuskel orientiert. Diese Erneuerung fand im 17. Jahrhundert (wahrscheinlich um 1650) statt, wofür die Formen der Kapitalis in Inschrift B, vor allem das G sprechen; vgl. die Inschriften auf dem um 1650 neu geschaffenen Kelch Nr. 315 sowie den 1660 und 1662 überarbeiteten Kelchen Nr. 107 u. 112.

Die Familie Gronewalt/Grünewalt war in Wahmbeck ansässig; der verwitwete Heimart Grünewalt, dessen Vater Heinrich bereits tot war, heiratete im Jahr 1683, sein Bruder Hans Jürgen 1692.1)

Textkritischer Apparat

  1. [HIERONIM]V[S]] [HIERO]NIMVS von Poser; heute ist nur noch das V schwach zu erkennen.
  2. Anschließend drei senkrecht angeordnete Punkte.
  3. Die Buchstaben müssen von I an nach links gelesen werden. Der Nodus wurde bei einer Neumontage um 180° gedreht, wofür außer der Reihenfolge der Buchstaben die Ausrichtung des mit einem Abschlussstrich geschlossenen E spricht. Der Rotulus mit dem V wurde herausgelöst und selbst gedreht, so dass dieses wieder die normale Ausrichtung zeigt. Das unziale H und die beiden, ursprünglich geschlossenen S wurden durch Nacharbeitung (Vertiefung des Hintergrundes) stark verändert. Vgl. den Kommentar.

Anmerkungen

  1. Schubert, Trauregister, Bd. 1.5, S. 569 (Nr. 23) u. 571 (Nr. 68).

Nachweise

  1. Kunstgutkartei der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers (Lesung von Poser, März 1987).

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 27 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0002708.