Inschriftenkatalog: Landkreis Northeim

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 96: Lkr. Northeim (2016)

Nr. 26 Gladebeck, St. Nikolai 2. H. 14. Jh.

Beschreibung

Kelch. Silber.1) Der runde, schwere Fuß mit senkrechter, zweimal profilierter Zarge verjüngt sich zum runden Schaft. Zwischen den glatten Schaftstücken der Nodus mit grob schraffierten gotischen Schmuckformen auf den Laschen; Inschrift A auf den rhombenförmigen Rotuli, glatt vor grob vertieftem, ehemals vermutlich mit Schmelzfluss ausgefülltem Hintergrund. Auf dem Fuß ein schraffiert eingraviertes Weihekreuz in Form eines Tatzenkreuzes. Unter dem Fuß am Rand die jeweils mit mehreren Strichen eingravierte Inschrift B. Die ausladende Kuppa ist erneuert.

Maße: H.: 13,9 cm; Dm.: 10 cm (Fuß), 10–10,3 cm (Kuppa); Bu.: 0,7 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

DI 96, Nr. 26 - Gladebeck, St. Nikolai - 2. H. 14. Jh.

 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (Lara-Sophie Räuschel) [1/2]

  1. A

    I H E S V S

  2. B

    + TIDERICI · NICOLAI

Übersetzung:

(Für den Altar) des Tidericus (Dietrich, Theoderich, Theodor?) (und) des Nikolaus. (B)

Kommentar

Der Deckstrich des I weist beidseitig angesetzte tropfenförmige Schwellungen auf, das unziale H ist mit einem Deckbalken versehen, E ist mit Bogenschwellung und einem Abschlussstrich mit tropfenförmigen Enden gestaltet. V weist keilförmig verbreiterte Schaftenden auf, die Abschlussstriche am S stehen (wohl infolge einer Nachbearbeitung) weitgehend unverbunden neben dem Buchstaben. Die teilweise Konturierung der Buchstaben von Inschrift B wird durch parallel geführte Striche erzielt. Der Ausführende war mit den Merkmalen der gotischen Majuskel vertraut: Bogenschwellungen, keilförmige Verbreiterungen der Schaftenden, (gebogene) Abschlussstriche an E und C, rundes N, Balkensporn am L, flach gedecktes A mit geschwungenem linken Schaft. Die Verwendung der gotischen Majuskel ist auf Vasa sacra auch nach der Mitte des 14. Jahrhunderts nicht selten; zusammen mit der auf das 15. Jahrhundert vorausweisenden Form des flachen Nodus wird eine Entstehung des Kelches im späten 14. Jahrhundert angenommen.

Inschrift B dokumentiert, dass der Kelch für einen Altar gestiftet wurde, an dem der Kirchenpatron Nikolaus sowie einer der Heiligen mit Namen Theodor2) oder Theodericus (Dietrich I. von Naumburg, gest. als Bischof 1123?) verehrt wurden.

Anmerkungen

  1. Mithoff weist in Gladebeck nur einen „hübsch gearbeiteten, jedoch nicht alten Kelch“ nach; Mithoff, Kdm. Calenberg, S. 65. Vgl. aber auch Nr. 30.
  2. Möglicherweise Theodor Stratelates bzw. Euchaita, verehrt im Kloster Wienhausen, in St. Johannes in Lüneburg sowie in St. Blasius in Braunschweig; vgl. Krumwiede, Kirchen- und Altarpatrozinien, S. 138 u. 257; ebd., Ergänzungsband, S. 31.

Nachweise

  1. Lücke, Gladebeck, S. 30 (B, teilweise).

Zitierhinweis:
DI 96, Lkr. Northeim, Nr. 26 (Jörg H. Lampe, Christine Wulf), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di096g017k0002600.