Inschriftenkatalog: Stadt Minden

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 46: Stadt Minden (1997)

Nr. 97 St. Marien 1576

Beschreibung

Epitaph des Obersten Georg von Holle und der Gertrud von Horne. Sandstein, farbig gefaßt. Das monumentale Grabdenkmal befindet sich an der südlichen Wand des Chores. Die untere Zone des Epitaphs besteht aus drei Schrifttafeln (von links nach rechts A–C), die durch Pilaster begrenzt werden. Die Verse der Inschriften sind zeilengetreu ausgeführt und beginnen jeweils mit einem Versalbuchstaben. Die Pentameter sind eingezogen. Auf den Tafeln A und C sind die Versenden häufig aus Platzgründen unter dem Zeilenende in kleineren Buchstaben nachgetragen. Die Notwendigkeit hierzu ergibt sich daraus, daß die beiden seitlichen Tafeln schmaler sind als die Mitteltafel. Dieser Gliederung entspricht auch der Aufbau der Mittelzone. Über einem vorspringenden Sockel knien links und rechts in oben rundbogig abgeschlossenen Nischen auf Kissen die überlebensgroßen Figuren des Stifterehepaars. Vor der Figur des Georg von Holle, der eine Rüstung trägt, liegen auf dem Gesims sein Helm und ein Handschuh. Die Figuren des Ehepaars sind beide umgeben von ihren Ahnenwappen: auf dem Gesims über den Nischen die elterlichen Wappen in der Mitte und die großelterlichen links und rechts davon; jeweils in einem großen Medaillon der auf dem Gesims ruhenden seitlichen Bekrönungen die Wappen der beiden Verstorbenen; weitere Wappen mit Beischriften jeweils links und rechts auf den die Nischen begrenzenden Pilastern. Über dem linken und rechten Medaillon jeweils eine Frauenfigur. In dem über einer querrechteckigen Schrifttafel (D) erhöhten, oben rundbogig abgeschlossenen Mittelfeld ein Kreuzigungsrelief, das Kreuz mit Titulus (E). Unter dem Kreuz knien die Kinder der Verstorbenen, links ein Sohn, rechts drei Töchter, den Hintergrund der Szene bildet eine Stadtsilhouette. In den Bogenzwickeln über dem Kreuzigungsrelief zwei Putten. Darüber ein Gesims, das den in der Mitte mit einem Giebel abgeschlossenen Aufsatz trägt. Darin zwischen zwei Hermen und seitlich abschließendem Rollwerk ein Relief der Auferstehung, im Giebel darüber ein bärtiger Männerkopf. Auf einem Sockel über dem Giebel steht die Figur der Caritas mit zwei Kindern. Das gesamte Grabdenkmal ist durch Roll- und Beschlagwerk geschmückt. Alle Inschriften sind erhaben gehauen, die Wappenbeischriften in dunkler Farbe nachgezeichnet, die Buchstaben der übrigen Inschriften durch Vergoldung hervorgehoben.

Maße: H.: ca. 700 cm; B.: 365 cm; Bu.: 3 cm (A–C), 2 cm (Nachträge unter der Zeile), 4,5 cm (Versalien); 5 cm (D), 6 cm (E), 2,5 cm (Wappenbeischriften).

Schriftart(en): Kapitalis.

  1. A

    NOBILIS STRENVI ET GEN=/EROSI EQVITIS AVRATI GEORGII / AB HOLLE MILITVM PRAEFECTI / EPITAPHIVM /BELLICVS EXIGVA IACET ILLE GEORGIVS VRNA /QVI DECVS HOLLAE AE NOBILEa) STIRPIS ERAT · /QVI PASSIM REBVS GESTIS INNOTVIT ORBI, /QVA SOL ARCTOOS HESPERIOSQVE VIDET · /MITTITVR IN CELSAM FRIDERICI PRINCIPIS / AVLAM, /QVI TVNC SAXONICI SCEPTRA TEN:/EBAT AGRI · /INDE DOMVM REPETENS MOX BELLI=/GERANTIBVS ANGLIS /CVM SAEVIS GALLIS BELLA FATIGAT EQVES /POST ALIQVOT FORTES, VBI WOLFEN:/BVTLICA BELLO /ARX CAPTA EST, EQVITES REXIT / ADHVC IVVENIS . /CONSTAT EVM PEDITVM BINAS / HABVISSE COHORTES /ASPERA DVM QVONDAM GELDRIA / BELLA TVLIT /SEX PEDITVM VALIDAS IPSO DVCENTE / COHORTES /WORSTENSIS DITIO VICTA SVBACTA / FVIT /CONSILIOQVE MANVQVE INVICTVS EQVE:/SQVE PEDESQVE /SVB SIGNIS MERVIT CAROLE QVINTE / TVIS · /NAMQVE EQVITVM ADDVCITb) QVATVOR / TIBI MILLIAc) BELLO /TEVTONICVM SACRO CVM FLAGRAT / OMNE SOLVM . /ADDVCIT PEDITVM DVODENAS BISQVE / COHORTES /QVARVM DVX MANSIT PRIMVS ET / ANTEVOLANS ·

  2. B

    ARCEM, HISPANORVM TE REGNA PETENTE, MARIAE /FIRMATd) PRAESIDIIS MILITIBVSQVE SVIS · /POST, VBI GALLVS ADEST, ARCEM TENET HOLLIVS, ARCEM /PROPVGNAT, GALLOS COGIT ABIRE PROCVL · /QVIS NESCIT QVOTIES CAPTO DVX HIC TEROANOe) /HORRIDA PRAE RELIQVIS PRAELIAf) MISCVERIT · /INSTITIT VT MILES LICET VNO HIC LAESVS OCELLO /PLVRAQVE CONSTANTER VVLNERA PERTVLERIT · /BELLA QVOQVE HISPANVS FACERET CVM FERVIDA GALLO /QVA SVA QVINTINVS MOENIA SANCTVS HABET · /MILITIAE PRAEFECTVS ERAT GALLOQVE FVGATO /QVINTINA TENVIT VICTOR IN VRBE FORVM · /VICISTI QVOTIES GALLOS QVOTIESQVEg) BRITANNOS /VSVS ES HOC CAESAR MILITE BELLIGERO · /IMPVLIT ILLA VIRI REGEM QVOQVE GLORIA DANVM /HVNC VT MILITIAE VELLET HABERE DVCEM /SAXONIAE OBSTRICTVM SIBI ET HVNC ELECTOR HABEBAT /ANNVAQVE AVGVSTVS PRAEMIA ET AERA DABAT · /BELLICVS HENRICVS PRINCEPS POST IVLIVS ET DVX /HVNC SIBI DEVINXIT CELSVS VTERQVE VIRVM /HVIVS AT HEROIS GENEROSI FORTIA FACTA /COMPLECTI HAC TABVLA SINGVLA NEMO POTEST /VISVS COLLATIS SIGNIS DECIESQVE QVATERQVE /VICTRICI PRORSVS BELLIGERASSE MANV ·

  3. C

    QVIN ALIAS ETIAM CVM BELLA MOVERET IN / HOSTES /EGREGIA REDIIT NON SINE LAVDE DOMVM · /ILLE ETIAM QVANDOh) NON ASPERA BELLA / GEREBAT /INNOCVAE PACIS CONCILIATOR ERAT · /AERE SVO ET DAMNO, QVOTIES LIS ESSET / OBORTAi) /PECTORA CONCORDI IVNXIT AMICA FIDE /EMERITVS TANDEM CVRISQVE EXHAVS:/TVS ET ANNIS /CESSITj) ET HANC PLACIDA MORTE RE:/LIQVIT HVMVM . /ILLIVS ANTE OBITVM CASTISSIMA MOR:/TVA CONIVNX /HAEC EADEM TELLVS CVIVS ET OSSA / TENET · /STIRPS ANTIQVA FVIT GENS HORNICA . / NOBILIS VNDE /HAEC MATRONA PVDENS HOLLICA PROGENITA / ESTk) · /GNATAS TRES PEPERIT GNATVM PEPERIT:/QVE SED VNVMl) /MORTVVS HIC ILLIS INDE SVPERSTITI:/BVS . /HOLLIVS VTQVEm) SVO SECLO DECVS ILLE / VIRORVM /SIC MATRONARVM TVNC DECVS VXCORn) / ERAT · /CHRISTI IN VTERQVE FIDE, QVEM VOC·/E COLEBAT VTERQVE /SVPREMA CAELI TECTA BEATA PETIT · /HOLLAE AE GENTIS FLOS / GESTITo), ET HOLLIVS ILLE /VNICEo) SVB TE POST FVNERA / CHRISTE MERET .

  4. D

    IOHAN · 3 · CAP SIC DEVS DILEXIT MVNDVM / VT FILIVM SVVM VNIGENITVM DARET / VT OMN(I)Sp) QVI CREDIT IN EVM NON / PEREAT, SED HABEATq) VITAM AETERNAM1) / I TIMOTH: I · MILITA BONAM MILITIAM / HABENS FIDEM ET BONAM CONSCIENTIAM2) / I TIMOTH: 2 · MVLIER SALVABITVR PER FIL=/IORVM GENERATIONEM, SI PERMANSERIT IN / FIDE ET DILECTIONE ET SANCTIFICATIONE CVM3)

  5. E

    · I(ESVS) · N(AZARENVS) · R(EX) · I(VDAEORVM)4) ·

  6. Wappen:

  7. Holle5)  
    Holle5) Münchhausen6) 
    Halle7) Bussche8) 
     
  8. Wappen mit Beischriften:

  9. ROMEL9) MANDELSLO10) 
    MVNICHVSEN6) LANGEN11) 
    HASBARGE12) MILVERICHVSEN13) 
    WINNIHVSEN14) LEDEBVER15) 
    VISBEKE16) HOLTORPE17) 
    WARPE18) EILTE19) 
     
  10. Wappen:

  11. Horne20)  
    Horne20) Stael21) 
    Korff22) Langen 23) 
     
  12. Wappen mit Beischriften:

  13. SCWARTZWALD24) BAER25) 
    BEVEREN26) HAKE27) 
    TVENEN28) BEVEREN26) 
    HOELTE29) SVTHOLTE30) 
    BOCK31) OSTERWICK32) 
    VOETE33) HAREN34) 

Übersetzung:

Epitaph des edlen, tüchtigen und vornehmen, mit Gold geschmückten Ritters (und) Söldnerführers Georg von Holle.

In einem engen Grab liegt jener kampflustige Georg, der die edle Zierde der Familie Holle war, der durch seine Taten überall in der Welt bekannt wurde, wo die Sonne den Nordpol und das Abendland sieht. Er wurde an den hohen Hof des Fürsten Friedrich [des Weisen] geschickt, der damals die Herrschaft über die sächsischen Gefilde innehatte. Von dort nach Hause zurückkehrend, verlangte es den Ritter bald, als die Engländer mit den grausamen Franzosen Krieg führten, nach Kämpfen. Danach kommandierte er noch als junger Mann etliche starke Reiter (dort), wo die Festung Wolfenbüttel im Kampf eingenommen wurde. Es ist bekannt, daß er zwei Fähnlein Fußvolk hatte, als er einst die harten Geldrischen Kämpfe ertrug. Mit ihm als Anführer von sechs starken Fähnlein Fußvolk wurde das Land Wursten besiegt und unterworfen. Unter deinen Bannern, Karl V., hat sich der Unbesiegte mit Rat und Tat, zu Fuß und zu Pferde verdient gemacht. Denn er führte dir 4000 Reiter im heiligen deutschen Krieg zu, als das ganze Land brannte. Er führte zweimal zwölf Fähnlein Fußsoldaten an, als deren Führer er beständig der erste war und derjenige, der voraneilte. (A)

Als du das Reich der Spanier aufsuchtest, sicherte er die Marienburg durch eine Besatzung mit seinen Soldaten. Als danach der Franzose erschien, hielt Holle die Festung, verteidigte er die Festung (und) zwang die Franzosen, das Weite zu suchen. Wer weiß nicht, wieviele Male sich dieser Heerführer nach der Einnahme von Thérouanne vor den übrigen in furchtbare Kämpfe einließ. Er war standhaft wie ein (einfacher) Soldat, obgleich er hier an einem Auge verletzt wurde, und er ertrug standhaft etliche Verwundungen. Auch als der Spanier hitzige Kämpfe mit dem Franzosen ausfocht, dort wo der heilige Quentin sein Haus hat, war er der Heerführer und, nachdem der Franzose eilig geflohen war, hielt er als Sieger den Markt der Stadt Quentins besetzt. Sooft du die Franzosen und die Engländer besiegt hast, hast du, Kaiser, dich dieses kampflustigen Soldaten bedient. Jener Ruhm des Mannes veranlaßte auch den König der Dänen dazu, daß er diesen als Heerführer haben wollte. Auch der Kurfürst von Sachsen hatte sich ihn verpflichtet, und August gab jährlichen Lohn und Geld. Der kriegerische Herzog Heinrich und später Herzog Julius, jeder der beiden Edlen verpflichtete sich diesen Mann. Niemand kann jedoch die tapferen Taten dieses edlen Helden auf dieser einzelnen Tafel zusammenfassend darstellen. Es wird durch die zusammengetragenen Feldzeichen deutlich, daß er vierzehnmal ganz und gar mit siegreicher Hand gekämpft hat. (B)

Ja auch sonst, als er Kämpfe zu den Feinden brachte, kam er nicht ohne hervorrragenden Ruhm nach Hause zurück. Auch wenn jener keine harten Kriege führte, war er ein Urheber unangefochtenen Friedens. Auf seine Kosten und zu seinem Schaden verband er, sooft ein Streit ausgebrochen war, die befreundeten Personen in einträchtiger Treue. Als verdienter Mann zog er sich schließlich, durch die Sorgen und die Jahre erschöpft, zurück und verließ durch einen friedlichen Tod diese Erde. Vor seinem Tod starb seine hochehrbare Gattin, deren Gebeine dieselbe Erde umschließt. Die edle Familie von Horne war ein altes Geschlecht, aus dem diese ehrbare Ehefrau des Holle hervorging. Drei Töchter gebar sie, aber nur einen Sohn. Dieser starb, während jene seitdem noch leben. Wie jener Holle eine Zierde der Männer in seinem Zeitalter war, so war seine Ehefrau damals die Zierde der verheirateten Frauen. Im Glauben an Christus, den beide mit ihrer Stimme verehrten, streben beide zu den höchsten glückseligen Wohnungen des Himmels. Die Blüte der Familie Holle jubelt, und jener Holle erwirbt sich nach seinem Tod einzig unter dir, Christus, Verdienste. (C)

Joh. 3: So hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht untergeht, sondern das ewige Leben hat. 1. Tim. 1: Kämpfe einen guten Kampf, indem du einen Glauben und ein gutes Gewissen hast. 1. Tim. 2: Eine Frau wird gerettet werden durch das Gebären von Kindern, wenn sie im Glauben und in der Liebe und in der Heiligung mit rechtem Maß bleiben. (D)

Versmaß: Elegische Distichen (A–C), das Chronodistichon der beiden letzten Zeilen der Inschrift C ergibt die Jahreszahl 1576.

Kommentar

Über die Jugend und den Beginn der militärischen Laufbahn des im Jahr 1514 geborenen Georg von Holle gibt nur seine Grabschrift Auskunft. Aus anderen Quellen ist nichts darüber zu entnehmen.35) Er war der Sohn des Rudolf von Holle, der das Amt des bischöflichen Drosten in Minden ausübte; seine Mutter war Gertrud von Münchhausen. Spätestens seit dem Jahr 1538 war er mit Gertrud von Horne verheiratet, durch die er in den Besitz der bei Tecklenburg gelegenen Wasserburg Marck kam. Mit ihr hatte er vier Kinder; der einzige Sohn, Rudolf von Holle, starb bereits 1560 im Alter von etwa 20 Jahren und wurde in St. Bonifatii in Hameln beigesetzt.36) Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1545 kam Georg von Holle in Besitz der Burg Friedewalde, um die bereits sein Vater Streitigkeiten mit der Stadt Minden ausgetragen hatte, die nun auf den Sohn übergingen und erst 1560 durch den Abschluß eines Vertrages beigelegt wurden. Um 1550 erwarb Holle einen bei Friedewalde gelegenen Hof, auf dem er das Haus Himmelreich errichtete.

Über die Dauer des Aufenthaltes Holles am sächsischen Hof, seine Teilnahme am englisch-französischen Krieg und seine Beteiligung an der Einnahme von Wolfenbüttel im Jahr 1542, wie in Inschrift A bezeugt, läßt sich nichts Genaueres sagen. Die militärische Laufbahn Holles wird außerhalb der Grabschrift erstmals 1545 dokumentiert, als er sich in der Funktion eines Hauptmanns unter dem Kommando Christophs von Wrisberg daran beteiligte, die Bauern des Landes Wursten für den Erzbischof von Bremen zu unterwerfen. In seiner Grabschrift wird dies als WORSTENSIS DITIO bezeichnet. Die Inschrift A berichtet weiter von seiner Teilnahme am Schmalkaldischen Krieg auf der kaiserlichen Seite, für die er im Jahr 1546 angeworben wurde. In dieser Funktion avancierte Georg von Holle vermutlich noch im Verlauf desselben Jahres zum Oberst. An der in Inschrift B angesprochenen Belagerung und Einnahme der Stadt Thérouannes im Frühjahr 1553 nahm Holle im Dienst der Statthalterin der Niederlande, Maria von Ungarn, teil; ebenfalls in deren Auftrag unternahm er 1555 einen Feldzug in das Grenzgebiet zwischen Frankreich und den Niederlanden, in dessen Verlauf die Festung Marienburg belagert wurde. Im Jahr 1557 kämpfte er für Philipp II. gegen Frankreich und nahm nach einer Belagerung im August die Stadt St. Quentin ein. Die Erwähnung des dänischen Königs in Inschrift B bezieht sich auf die 1560 von Holle eingegangene Verpflichtung, den König Friedrich II. in Auseinandersetzungen mit Schweden zu unterstützen; 1561 unterzeichnete Holle eine für drei Jahre gültige Bestallung, die ihn verpflichtete, als Oberst des dänischen Königs diesen bei allen Auseinandersetzungen mit einem Heer zu unterstützen. Die Erwähnung des Kurfürsten August von Sachsen und des Herzogs Heinrich des Jüngeren von Braunschweig bezieht sich auf ältere Verpflichtungen Holles. Besonders dem Kurfürsten von Sachsen gegenüber blieb Holle über lange Zeit verpflichtet, so daß dieser seine Genehmigung erteilen mußte, als der Oberst für den dänischen König tätig wurde. Im Jahr 1563 führte Holle ein Heer gegen die schwedischen Truppen; die kriegerischen Auseinandersetzungen dauerten auch in den folgenden Jahren noch an. Georg von Holle unternahm jedoch seit 1565 An-strengungen, sich aus dem Dienstverhältnis zum dänischen König zu lösen, vor allem, weil die Bezahlung seiner Söldner auf sich warten ließ. Im Jahr 1565 entließ ihn auf sein Gesuch hin auch der sächsische Kurfürst aus seinen Diensten. Die Querelen um die Entlohnung der Truppen durch den dänischen König dauerten auch in den folgenden Jahren noch an; bis zum Tod Holles im Jahr 1576 wurden dessen Geldforderungen nicht eingelöst. In den Dienst des ebenfalls in Inschrift B erwähnten Herzogs Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel trat Georg von Holle im Jahr 1568 als dessen Rat; diese Funktion behielt er bis zu seinem Lebensende am 3. März 1576. Bestattet wurde er wie seine bereits vor ihm verstorbene Ehefrau in der Marienkirche; Äbtissin des Marienstifts war zu dieser Zeit die Schwester Georgs von Holle, Dorothea. Die beiden letzten Bibelzitate der Inschrift D sind offensichtlich jeweils als Motto über die Biographien Georgs von Holle und Gertruds von Horne zu setzen.

Die Bedeutung Georgs von Holle als eines der größten Söldnerführer seiner Zeit kommt auch in seinem Grabdenkmal zum Ausdruck, das durch seine Größe den Chorraum der Marienkirche dominiert. Die Qualität der Bildhauerarbeiten entspricht allerdings nur dem zeitgenössischen Durchschnitt; in Bezug auf die Gestaltung der Inschriften ist festzustellen, daß diese sowohl in der Ausprägung der einzelnen Buchstaben als auch im Hinblick auf den Gesamteindruck des Schriftbildes und des Zeilenverlaufs wenig sorgfältig und sehr unregelmäßig ausgeführt worden sind. Der Bildhauer des Grabdenkmals ist nicht bekannt. Die Zuschreibung des Epitaphs an den Bildhauer Johann Robyn37) ist ebenso willkürlich wie an den Hildesheimer Bildhauer Ewert Wolf38).

Textkritischer Apparat

  1. NOBILE] nobilis Ledebur.
  2. ADDVCIT] adduxit Ledebur.
  3. MILLIA] milia Ledebur.
  4. FIRMAT] fermat Ledebur.
  5. TEROANO] Ceroano Ledebur.
  6. PRAELIA] proelia Ledebur.
  7. QVOTIESQVE] quoties et Ledebur.
  8. QVANDO] N spiegelverkehrt.
  9. OBORTA] ABORTA Angermann, Ledebur.
  10. CESSIT] Gessit Ledebur.
  11. EST] Fehlt Ledebur.
  12. VNVM] N spiegelverkehrt.
  13. VTQVE] atque Ledebur.
  14. VXCOR] Sic! Steinmetzfehler, eigentlich VXOR.
  15. Offenbar ist das G in GESTIT anstelle des C in VNICE als Zahlbuchstabe hervorgehoben, mit dem zusammen alle Zahlbuchstaben des Chronogramms die Jahreszahl 1576 ergeben. Möglicherweise wurde das G am Zeilenanfang irrtümlich als Zahlbuchstabe ausgeführt und dann das C als Kapitalisbuchstabe belassen.
  16. Das I wurde bei der Ausführung vermutlich vergessen, da ein Kürzungszeichen fehlt.
  17. Das T nachträglich eingefügt.

Anmerkungen

  1. Io. 3,16.
  2. I. Tm. 1,18-19.
  3. I. Tm. 2,15. Die Inschrift bricht mit dem Ende der Schrifttafel mitten im Satz ab, zu ergänzen ist: SOBRIE-TATE.
  4. Io. 19,19.
  5. Wappen Holle (drei Zipfelmützen). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 9 u. Tafel 10.
  6. Wappen Münchhausen (Mönch). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 2,1, S. 274 u. Tafel 325.
  7. Wappen Halle (Schrägbalken mit drei Rosen belegt). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 11, Teil 2, S. 57 u. Tafel 40.
  8. Wappen Bussche (drei Streitaxteisen 2:1). Vgl. ebd., Bd. 2, Abt. 9, S. 5 u. Tafel 4.
  9. Wappen Rommel (geteilt, oben ein Löwe, unten gerautet).
  10. Wappen Mandelsloh (siebenmal umwundenes Jagdhorn). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 253 u. Tafel 303.
  11. Wappen Langen (Tuchschere). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 2, S. 228 u. Tafel 278.
  12. Wappen Hassberge (dreimal unterteiltes Querrechteck, der mittlere Teilungsbalken oben und unten über das Rechteck hinausgezogen, darüber zwei Rosen).
  13. Wappen Milverichusen (Seeblatt).
  14. Wappen Winnihusen (Schild gespalten, links linkshalbe Lilie).
  15. Wappen Ledebur (Sparren). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 231 u. Tafel 282.
  16. Wappen Visbeke (Fisch).
  17. Wappen Holtorpe (achtmal geständert).
  18. Wappen Warpke (schräggestellte Lanzenspitze). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 128; Bd. 2, Tafel 382.
  19. Wappen Ilten (zwei Windhunde übereinander). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 3, Abt. 2, S. 186 u. Tafel 235.
  20. Wappen Horne (zwei gekreuzte Jagdhörner, Mundstücke unten). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 73f.; Bd. 2, Tafel 177.
  21. Wappen Stael (acht Kugeln am Rand entlang liegend). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 16 u. Tafel 18.
  22. Wappen Korff (Lilie). Vgl. ebd., Bd. 3, Abt. 2, S. 211 u. Tafel 260.
  23. Wappen Langen (schräge Reihe von anstoßenden Würfeln). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 79; Bd. 2, Tafel 190.
  24. Wappen Schwarzwald (springender Bock). Vgl. ebd., Bd. 1, S. 117; Bd. 2, Tafel 291.
  25. Wappen Bar (Bär). Vgl. Siebmacher/Hefner, Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 3 u. Tafel 2.
  26. Wappen Bevern (zwei Wellenbalken).
  27. Wappen Hake (drei Haken 2:1). Vgl. Spießen, Wappenbuch, Bd. 1, S. 63 u. Tafel 149.
  28. Wappen Tuenen (Kreuz).
  29. Wappen Hoelte (drei Flügel 2:1).
  30. Wappen Sutholt (Hund).
  31. Wappen Bock (steigender Bock).
  32. Wappen Osterwieck (Balken, darüber links und darunter rechts je eine Mondsichel).
  33. Wappen Voete (Fuß).
  34. Wappen Haren (oben drei Rosen balkenweise, unten drei Spindeln balkenweise).
  35. Hierzu und zum folgenden vgl. Angermann, Georg von Holle, passim.
  36. Vgl. DI 27 (Hameln), Nr. 65.
  37. Soenke, Robyn, S. 138.
  38. Speitel, Holle-Epitaph, passim. Die Werke Wolfs haben keinerlei Ähnlichkeit mit dem Holle-Epitaph. Weder tritt hier der für Wolf charakteristische, durch einen Vorhang verhängte Hintergrund der Kreuzigungsszene auf, noch läßt sich in der Darstellung des Gekreuzigten eine Übereinstimmung mit den Epitaphien Wolfs finden. Vgl. DI 42 (Einbeck), S. XIX u. Nr. 92, 96, 97, 98.

Nachweise

  1. Ledebur, Denkmäler, S. 18–21.
  2. Angermann, Georg von Holle, S. 264–269.

Zitierhinweis:
DI 46, Stadt Minden, Nr. 97 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di046d003k0009702.