Inschriftenkatalog: Mainz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 1: Mainz (2011)

SN2, Nr. 7 St. Stephan 1501

Beschreibung

Grabplatte des Stiftsherrn Konrad Thus von Warberg. Die Grabplatte lag nach Gudenus zunächst in der Kirche (in templo).1) Zu einem unbekannten Zeitpunkt – vermutlich im 19. Jahrhundert – wurde sie gehoben und im Kreuzgang am Westende des Südflügels in die Wand eingemauert. Roter Sandstein, sehr stark abgetreten, mit weitgehendem Schriftverlust. Die hochrechteckige Platte mit umlaufender Inschrift zeigt im Mittelfeld die reliefierte Figur des Verstorbenen im Messgewand. Er trägt einen Kelch in seiner linken Hand, den er mit der rechten segnet. Oberhalb des Dargestellten sitzen zu beiden Seiten des Kopfes zwei heute unkenntliche Wappen.

Ergänzt nach Gamans.

Maße: H. 210, B. 105, Bu. 8 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

Grabplatte des Konrad Thus von Warberg

 Siegfried Kirsch [1/1]

  1. Anno D(omi)ni M[illesimo Quingentesimoa) primo die xi mensis junii obiit venerabilis vir dominus magister Conradus Thus de Warberg praepositus S. Mauricii] Scolast/[icus ad Gradus B(eatae) Mariae ac huius Ecclesiaeb) Canonicus] C(uius) a(n)i(m)a req(u)i(escat i(n) pacec)

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 1501, am 11. Tag des Monats Juni, starb der ehrwürdige Mann, Herr Magister Conrad Thus von Warberg, Propst von St. Mauritius, Scholaster von Liebfrauen und Kanoniker der Kirche von St. Stephan. Seine Seele ruhe in Frieden.

Wappen:
unkenntlichunkenntlich

Kommentar

Konrad Thus (tus, zu deutsch: Weihrauch) von Warberg ist erstmals in einem Protokoll des Domkapitels vom 20. Dezember 1483 fassbar, in dem er als Zeuge benannt wird.2) Dort noch als Vikar bezeichnet, wird er später zum Propst von St. Mauritius gewählt und ist Scholaster an Liebfrauen. 1486 wird er in einem Streitfall vom Papst als Richter und Bewahrer der Rechte und Urkunden des Mainzer Domstiftes eingesetzt.3) Am 2. Januar 1497 nimmt der Landgraf Wilhelm von Hessen ihn und seinen Bruder Johann als seine Kapläne an und stellt sie und ihre Diener samt ihrem Hab und Gut in seinen besonderen Schutz.4) Sein Bruder, der Kantor Johann Thus von Warberg, verstorben am 24. Juni 1527, war ebenfalls Stiftsherr in St. Stephan.5) Nach der Häuserliste aus dem Jahr 1499, in der Konrad Thus als Propst von St. Mauritius bezeichnet wird, wohnte er im Hof zum Großen Kolbin.6) Der Liber vitae erwähnt ihn im Juni 1501 als verstorben.7)

Die Magd von Konrad Thus, Anna Mercklerin von Hall, verstorben am 18. Juni 1497, lag bei den Dominikanern begraben, in deren Nekrolog sie unter ihrem Todestag aufgeführt wird.8)

Textkritischer Apparat

  1. Bei Gamans 167 und 184 und Würdtwein Millesimo Quingentesimo, bei Gudenus MDI.
  2. Gamans 167: Ecclesiarum. Gamans 184: Ecclesiae.
  3. Gamans 167: C.A.R.I.P.Amen. Gamans 184: cuius anima.

Anmerkungen

  1. Gudenus 968, Nr. 28. Gamans macht keine Angabe zur Lage der Grabplatte, vgl. Arens.
  2. Protokolle (1976), Bd. 1, Nr. 1510 vom 20. Dez. 1483.
  3. Vgl. den Eintrag bei Joannis, Rerum Moguntiacarum II (1722), 681. Bd. 2 der Protokolle des Domkapitels mit dem Jahr 1486 ist bisher nicht erschienen.
  4. Demandt, Karl. E.: Regesten der Landgrafen von Hessen. Zweiter Band: Regesten der landgräflichen Kopiare. Marburg 1990, Nr.1825 vom 2. Januar 1497.
  5. Auch im Liber vitae, fol. 47 genannt. Vgl. DI 2 (1958), Nr. 1152.
  6. Hermann, Topographie (1914), 16, Häuserliste b.
  7. Liber vitae, fol. 41. Gudenus 933 Vita functus d. XI m. Junii an. 1501.
  8. Necrolog, fol. 45, Frank, Totenbuch (1993), 210.

Nachweise

  1. Fragmenta Gamans V (um 1660), fol. 167, 184.
  2. Gudenus III (1751), 968, Nr. 28.
  3. Würdtweinsches Epitaphienbuch (um 1765), 23.
  4. DI 2 (1958), Nr. 1045.

Zitierhinweis:
DIO 1, Mainz, SN2, Nr. 7 (Susanne Kern), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio001mz00k1000700.