Inschriftenkatalog: Mainz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 1: Mainz (2011)

SN2, Nr. 1 St. Stephan (1422), 1425

Beschreibung

Grabplatte des Wigelo zu der golden Luft (A) und seiner Frau Margarete von Sobernheim (B). Im Kreuzgang-Westflügel, im 3. Joch von Süden in der Wand eingemauert. Die Platte aus rotem Sandstein mit umlaufender Inschrift ist stark abgetreten und weist vor allem an den beiden seitlichen Leisten erheblichen Textverlust auf. Die individuelle Grabinschrift befindet sich jeweils auf der Seite des bzw. der Verstorbenen. Die der Frau beginnt oben in der Mitte und die des Mannes auf der unteren Leiste, ebenfalls in der Mitte. Worttrenner in Form von Quadrangeln. Im vertieften Mittelfeld die reliefierte Darstellung des Ehepaares mit betend erhobenen Händen unter einem krabbenbesetzten und mit seitlichen Fialen geschmückten Kielbogens. Die abschließende Kreuzblume überschneidet den oberen Rand der Schriftleiste. Seitlich stehen zwei Wappenschilde.

Ergänzt nach Würdtwein (A).

Maße: H. 243, B. 124, Bu. 5,5 - 7 cm.

Schriftart(en): Gotische Minuskel mit Versalien.

DIO 1 Mainz - St. Stephan - 1422, 1425

 Brunhilde Escherich [1/5]

  1. A

    Anno / d(omi)ni • m cccc x[xii feria sexta post festum S(anc)tae Katherinae o(biit) Wigelo zu der gulde lufte] cui(us) • a(n)i(m)a • / req(uie)scat • i(n) • pace • Amen •

  2. B

    It(em) anno / d(omi)ni m [- - -] xxv • [- - - req(ui)escat] / i(n) pace Amen

Übersetzung:

Im Jahr des Herrn 14[22 am Freitag nach dem Fest der hl. Katharina (27. November) starb Wigelo zu der golden] Luft. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen. Ebenso starb im Jahr des Herrn 1[.]25 [- - - ] ruhe in Frieden. Amen.

Wappen:
Oben Rad unter zwei Buchstaben W LKrebs

Kommentar

Würdtwein überliefert nur die Inschrift des Wigelo, nicht die seiner Frau. Ein Wigelo zu der gulden luffte ist erstmals 1390 urkundlich fassbar.1) Mit mehreren Namensabweichungen ist ein Wygel von sobernheym zur gulden luffte (29. Juni 1401), ein wigeln zur guldenluffte (2. Mai 1407), ein Wygel zur gulden loffte (29. April 1416) genannt.2) Lehne gibt an, seine Gattin sei Brentza von Sobernheim gewesen. Nach dem liber vitae hieß sie Margarete.3) Mit ihr fiel der Hof an ihr Geschlecht, daher nannten sich die Nachfahren „von Sobernheim genannt Guldenluft“, so wie Wygel in der Urkunde vom 29. Juni 1401 bezeichnet wird. Ein Haus Zur Goldenen Luft ging im 17. Jahrhundert im Fürstenberger Hof auf, jedoch ist nicht zu ermitteln, ob Wigelo einst dessen Bewohner war.4) Das Viertel Golden Luft (heute Goldenluftgasse, Fürstenbergerhofgasse, Goldenbrunnengasse) soll nach der Legende aufgrund der sauberen Luft 1666 vor der Pest bewahrt worden sein. In dem Viertel, in dem viele Häuser sowohl in geistlichem als auch weltlichem Besitz waren, wohnten überwiegend die Dienstboten der Kanoniker, aber auch viele Vikare von St. Stephan.

Anmerkungen

  1. 1390 im Seelbuch Liebfrauen, fol. 13 (StAMz 13/284). Heuser, Namen (2004), 229. Vgl. Lehne, Ges. Schriften IV (1837), 180, ebenfalls 1390 erstmals feststellbar. Vermutlich ist er aber schon ein Jahr zuvor zu belegen, wenn auch mit einer Namensvariante. Am 20. Oktober 1389 wird als Zeuge genannt ein Wigand zur golden Lofte, Dertsch, Urkunden III (1965), Nr. 2362.
  2. Alle Angaben bei Heuser, Namen (2004), 229.
  3. Liber vitae, fol. 29.
  4. Falck, Muntat (1990), 270.

Nachweise

  1. Würdtweinsches Epitaphienbuch (um 1765), 31.
  2. Gudenus II (1747), 526.
  3. vgl. Zais, Beiträge (1880), 41.
  4. DI 2 (1958), Nr. 1422.

Zitierhinweis:
DIO 1, Mainz, SN2, Nr. 1 (Susanne Kern), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio001mz00k1000100.