Inschriftenkatalog: Mainz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 1: Mainz (2011)

SN1, Nr. 22† Dom, Westchor wohl um 1239

Zu dieser Katalognummer gibt es einen ergänzenden Kommentar. [Dorthin springen]

Beschreibung

Statuen. Im Westchor sah man vor 1682 vor dem St. Annenaltar, also auf der Nordseite der Vierung, sieben Bischofsstatuen an der Wand aufgestellt. Zwei am Anfang trugen kein Pallium, die anderen waren mit Pallien, Mitra und Stab versehen. Dabei standen in älteren Buchstaben diese Verse:

Nach DI 2, vier Hexameter, anders als in DI 2 nach dem Versmaß abgesetzt.

  1. Ius, mansuetudo, pugnae finis, bonus ordo,germen honestatis, operum fructus, pietatisexemplum, fidei virtus et amor Deitatisin mercede pari dant nobis glorificari

Übersetzung:

Recht, Güte, Ende des Kampfes, gute Ordnung, Keim der Ehrbarkeit, Frucht der Werke, Vorbild der Frömmigkeit, Kraft des Glaubens und Liebe zur Gottheit gestatten uns, durch gleichen Lohn verherrlicht zu werden.

Versmaß: Vier Hexameter, leoninisch einsilbig (1), zweisilbig (2, 4) gereimt, caudati (2–3).

Kommentar

Vielleicht stellten diese Figuren heilige Bischöfe des Mainzer Stuhles dar, nämlich Creszens und Alban, als Bischöfe ohne Pallium, die heiligen Bonifatius, Lullus, Hrabanus, Willigis und Bardo als Erzbischöfe mit dem Pallium.

Die Figuren werden gleichzeitig mit dem Westlettner in der Zeit um 1239 entstanden sein. 1682 wurden sie bei der Errichtung der neuen Chorschranken beseitigt. Der Domdechant und Stiftspropst von St. Alban Christian Rudolph von Stadion erbat sich 1687 diese Figuren und stellte sie in einer neuerbauten Kapelle auf dem Albansberg auf. Dorthin war auch die Gruppe der Seligen und Verdammten des Westlettners vom Naumburger Meister gekommen.

Die sieben Bischofsfiguren sind bis jetzt nicht wieder aufgefunden worden, vielleicht sind sie mit der Kapelle untergegangen.

Nachweise

  1. Bourdon.
  2. Fragmenta Gamans II (ca. 1660) S. 4A, abgedruckt von F. Falk in: Der Kirchenschmuck XXIV (1868) Heft 4 S. 51.
  3. Neeb in: MZ XI (1916) S. 41, 43, 48 Anm. 20.
  4. DI 2, Mainz (1958) Nr. 21.
Addenda & Corrigenda (Stand 30. Juli 2013):

Diese Inschrift wurde nicht neu bearbeitet und weitgehend in der Form bei Arens (Di 2) belassen, da die in Kürze stattfindende Ausstellung zum Naumburger Meister neue Erkenntnisse zu seiner Kunst und damit auch zum Mainzer Westlettner verspricht. Der Naumburger Meister, Bildhauer und Architekt im Europa der Kathedralen. Landesausstellung Sachsen-Anhalt / Naumburg-Saale, 29.6.-2.11.2011.

Zitierhinweis:
DIO 1, Mainz, SN1, Nr. 22† (Rüdiger Fuchs, Britta Hedtke, Susanne Kern), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di002mz00k0002205.