Inschriftenkatalog: Mainz

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DIO 1: Mainz (2011)

SN1, Nr. 6 Dom- und Diözesanmuseum 1021 – 1031

Beschreibung

Ring des Aribo. Im Jahr 1928 stieß man bei Grabungsarbeiten im Westchor des Domes unter der Vierung auf einen steinernen Sarkophag ohne Inschrift. Aufgrund des Ringes, den man dem Leichnam entnahm, konnte der Verstorbene als Erzbischof Aribo identifiziert werden. Heute befindet sich der Ring im Domschatz des Dom- und Diözesanmuseums (Inventar-Nr. S 00062).

Der aus Dukatengold angefertigte Ring besteht aus einer glatt gearbeiteten Schiene, der ein ovaler Scheibenkopf aufgelötet wurde. Die Mitte ziert ein blassvioletter Amethyst in einer gezackten Einfassung. In der schmalen Umrandung des Ringkopfes verläuft eine niellierte Umschrift mit dem Namen des Erzbischofs.

Maße: D. 2,6; Bu. 0,2–0,3 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

Mainz, Nr. 6 - Dom- und Diözesanmuseum - 1021-1031

 Bischöfliches Dom- und Diözesanmuseum, Mainz [1/1]

  1. + ARIBO ARCHIEP(ISCOPV)S

Übersetzung:

Erzbischof Aribo

Kommentar

Der Bischofsring wurde üblicherweise am Ringfinger der rechten Hand über dem Pontifikalhandschuh getragen, wodurch sich der relativ große Durchmesser der Ringweite von 2,6 cm erklärt.1) Der Fingerring spielte neben dem Pontifikalstab schon seit dem 6. Jahrhundert im christlichen Abendland eine wichtige Rolle als Würde- und Investiturzeichen des Bischofs.2) Bischofsringe mit Namensinschriften im Ringkopf sind überaus selten. So gibt es zwar Ringe, die Namensinschriften an der Außen-3) oder Innenseite der Ringschiene4) aufweisen, jedoch selten im Ringkopf. Offensichtlich wurde der Ring des Erzbischofs Aribo nach dem byzantinischen Vorbild eines Siegelringes geschaffen,5) jedoch nicht als ein solcher benutzt, da die Inschrift nicht spiegelbildlich eingraviert wurde.

Es wurde angenommen, dass der Ring eigens für die Grablege des Bischofs angefertigt wurde, um den Leichnam bei einer Öffnung des Grabes identifizieren zu können.6) Dass der Ring nur zum Zweck der Identifizierung beigegeben wurde, ist nicht zu beweisen. Zweifeln lässt vor allem die Beobachtung, dass mit Namen versehene Ringe selten sind, viele Gräber aber ab dem Beginn des 11. Jahrhunderts mittels Bleitafeln identifiziert wurden, die darüber hinaus den Vorteil besaßen, mehr über die Person aussagen und den immer wichtiger werdenden Todestag angeben zu können.7) Es ist darauf hinzuweisen, dass der Kölner Erzbischof Pilgrim († 1036), ein naher Verwandter Aribos, ebenfalls mit einem goldenen Fingerring, der eine Namensinschrift enthielt, bestattet wurde. Da sich unter Pilgrims Haupt eine Bleitafel befand8), darf man davon ausgehen, dass auch in Aribos Sarkophag eine solche lag9) und die Aufgabe der Identifizierung übernahm.

Aribo (1021–1031), Sohn des bayerischen Pfalzgrafen Aribo I.10) war seit 1020 Diakon der Hofkapelle Heinrichs II., der ihm ein Jahr darauf das Erzbistum Mainz übertrug. Im Jahr 1024 wurde Aribo von Papst Benedikt VIII. aufgrund unüberwindbarer Differenzen in der Angelegenheit der sog. „Hammersteiner Ehe“ das Pallium entzogen. Nach dem Tod Heinrichs II. im Jahr 1124 schlug Aribo als dessen Nachfolger den Salier Konrad II. vor und krönte diesen im Mainzer Dom. Auf der Rückreise von einer Pilgerreise nach Rom im Jahr 1031 verstarb der Bischof in Como. Sein Leichnam wurde nach Mainz überführt und im Dom beigesetzt.11)

Anmerkungen

  1. Schulze-Dörrlamm in: Salier (1992) 335. Zur Trageweise des Bischofsrings vgl. Bock, Liturgische Gewänder II (1870) 212.
  2. Vgl. Bischofsring des Isidor von Sevilla; hierzu Fourlas, Ring in der Antike (1971) 98f. und Labhart, Rechtssymbolik (1963).
  3. Vgl. z.B. Bischofsring Adalberos III. von Metz um 1072, Speyer Domschatz.
  4. Vgl. z.B. Ring des Bischofs Maurus um 1118, Krakau, Dom.
  5. Schulze-Dörrlamm in: Salier (1992) 335. Der Siegelring des christlichen Ostens wurde jedoch nicht als ein Würdezeichen, sondern lediglich als ein Beglaubigungsmittel im Bereich der staatlichen Oberschicht eingesetzt; vgl. hierzu Fourlas, Ring in der Antike (1971) 89ff.
  6. Arens, Beigaben (1965/66) 119f.; Dommuseum, Führer (2008), Schatzk. Nr. 9.
  7. Vgl. hierzu Ehrentraut, Bleierne Inschrifttafeln (1952) 214ff.; Favreau, Inscriptions sur plomb (1999) 46ff.
  8. Gierlich, Grabstätten (1990) 280 Anm. 111.
  9. Gierlich, Grabstätten (1990) 171 Anm. 110 und 281 Anm. 113.
  10. Zur Genealogie des Erzbischofs Aribo vgl. Heinzelmann, Aribo von Mainz (2002) 24–46.
  11. Hehl, Mainzer Kirche (2000) 263–273. Gierlich, Grabstätten (1990) 170f.

Nachweise

  1. Strempel, Rettung (1928) 83 mit Abb. 114A,b.
  2. Braun in: RdK II (1948) Sp. 787 mit Abb. 2.
  3. DI 2, Mainz (1958) Nr. 6 mit Abb.
  4. Arens, Beigaben (1965/66) 119.
  5. Knorre, Ausstellungsobjekte (1975) 286 Nr. 30 mit Abb. 32.
  6. Esser, Mainzer Dom (1975) S. 193 Anm. 23.
  7. Gierlich, Grabstätten (1990) 170.
  8. Schulze-Dörrlamm in: Salier (1992) 335.
  9. Pippal in: Bernward von Hildesheim II (1993) 152f. Nr. IV-3 mit Abb.
  10. Wilhelmy in: Heinrich II. (2002) 344 Nr. 174. mit Abb.
  11. Päffgen in: Heiliges Römisches Reich. Kat. I (2006) 130.
  12. Dommuseum, Führer (2008), Schatzk. Nr. 9.
  13. Lentes in: Spektakel der Macht (2008) 89 Nr. I.27 mit Abb. 11.

Zitierhinweis:
DIO 1, Mainz, SN1, Nr. 6 (Rüdiger Fuchs, Britta Hedtke, Susanne Kern), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di002mz00k0000603.