DIO 1 Stadt Mainz: Teil 1: Die Inschriften des Domes und des Dom- und Diözesanmuseums von 800 bis 1350: Einleitung

Aufgrund der Erfahrung mit dem Projekt IMH (Inschriften Mittelrhein-Hunsrück) und seiner ermutigenden Rezeption soll nun der schon lange vergriffene Band der Mainzer Inschriften (Die Inschriften der Stadt Mainz, gesammelt und bearbeitet von Fritz Viktor Arens aufgrund von Vorarbeiten von Konrad F. Bauer. Die Deutschen Inschriften Bd. 2, Stuttgart 1951–1958) nach den heutigen Richtlinien neu bearbeitet und mit modernen Mitteln einem interessierten Publikum zugänglich gemacht werden. Dieses Vorhaben ist ein Gemeinschaftsprojekt der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz und des Instituts für Geschichtliche Landeskunde Mainz e.V. (IGL). Die Akademie und ihre Forschungsstelle „Die deutschen Inschriften“, die seit Jahrzehnten im Rahmen des Deutschen Inschriftenwerkes die nachrömischen Inschriften der Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland bearbeitet, bringen ihren im Verlauf langjähriger Inschriftenbearbeitung gewonnenen epigraphischen Sachverstand ein, das IGL seine im Projekt IMH erprobte Organisationskraft und intensive Ausrichtung auf die interessierte Öffentlichkeit. Dem Projekt arbeitet zudem ein Kreis von Experten zu.

In Anbetracht des immensen Bestandes von über 1800 Mainzer Inschriften entschloss man sich, das Vorhaben in überschaubare Einheiten aufzuteilen und diese nach und nach zu veröffentlichen. Dieses geschieht auf zwei Wegen, nämlich nicht in der konventionellen Neuauflage in Buchform, sondern im Internet in digitalisierter Form und in gleichlaufenden Teilpublikationen als begleitende Lektüre. Diese enthalten nur die Editionen erhaltener und zugänglicher Inschriften. Ihrer Bedeutung entsprechend werden zunächst die Inschriften des Domes und des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums bearbeitet, dem sich dann die übrigen Bestände in den Kirchen und der Stadt Mainz in chronologischer Folge anschließen werden.

1. Vorgeschichte

Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich um den ersten Teil einer Neubearbeitung des 1958 vollständig erschienenen, von Fritz Viktor Arens (1912–1986) bearbeiteten Mainzer Inschriftenbandes, der als erster Band, sozusagen als eine Art Musteredition1), die im Jahr 1934 von den Akademien der Wissenschaften zu Berlin, Göttingen, Heidelberg, Leipzig, München und Wien ins Leben gerufene Reihe "Die Deutschen Inschriften" (DI) anführen sollte.

Mit dieser Aufgabe hatte man zunächst den aus Hamburg stammenden Kunsthistoriker Konrad F. Bauer betraut, der im Jahr 1926 seine Dissertation unter dem Titel "Mainzer Epigraphik. Beiträge zur Geschichte der mittelalterlichen Monumentalschrift" publiziert hatte und somit für dieses Projekt geeignet schien. Bereits 1938, zwei Jahre nach einem in Mainz veranstalteten Ausbildungskurs für Bandbearbeiter, schied Bauer jedoch wahrscheinlich aufgrund anderer beruflicher Pläne aus dem Projekt aus, denn er arbeitete auch als Redakteur und Typograph in Frankfurt a. M. Zu seinem Nachfolger bestimmte man den frisch promovierten Mainzer Kunsthistoriker Fritz Viktor Arens. Seine Arbeit an den Mainzer Inschriften begann laut Rechnung an den Inschriftenausschuss der Deutschen Akademien am 23. Januar 1939. Die schon umfangreichen Erhebungen Bauers an den Objekten musste Arens vor allem hinsichtlich der älteren Überlieferung ergänzen, aber auch ganze Standorte in Mainz und den Vororten neu angehen. Schon bald beeinträchtigte der Krieg seine Arbeit, die ohnehin schon durch weitere Tätigkeit in der Aufnahme der Mainzer Denkmäler belastet war. Auch erwies sich die Bearbeitung der Inschriften als weitaus aufwändiger und komplizierter als gedacht, da das Material durch die kopiale Überlieferung erheblich anwuchs. Wie die Stadt Mainz trafen die Bomben des Krieges auch das Projekt durch die Zerstörung von Originalen und weiterer Erschwerung der Arbeiten; dazu kam eine persönliche Katastrophe: Das nahezu fertiggestellte Manuskript verbrannte 1942 nebst weiteren Unterlagen im Kassenschrank des Arensschen Hauses. Während Arens noch vollauf mit der Behebung der Kriegsschäden beschäftigt war, erschien im Jahr 1942 als erster Band der Reihe "Die Inschriften des badischen Main- und Taubergrundes".

Arens, der sich durch die erschwerten Arbeitsbedingungen nicht entmutigen ließ, richtete 1946 an den Vorsitzenden des Inschriftenausschusses der deutschen Akademien, Friedrich Panzer, folgende Worte: "Das Inschriftensammeln ist trotz der grossen technischen und sonstigen Schwierigkeiten des Mainzer Bandes mir doch irgendwie ans Herz gewachsen. Da meine Stellung bei der Stadt Mainz vielleicht doch nicht von ewiger Dauer sein wird, da ich auch gerne einmal wieder ausgiebig wissenschaftlich arbeiten möchte (vielleicht im Rahmen einer Universitätslaufbahn), würde ich vielleicht auch mehr Zeit als seither für diese Arbeit verwenden können."2) Es gelang ihm, bis 1947 große Teile des Manuskripts fertigzustellen und diese als Habilitationsschrift an der neu gegründeten Johannes Gutenberg-Universität Mainz einzureichen.3) Erst ab 1951 erschien der Band zunächst in zehn Einzellieferungen, im Jahr 1958 dann vollständig unter dem Titel: "Die Inschriften der Stadt Mainz von frühmittelalterlicher Zeit bis 1650", nun als Band 2 der Reihe "Die Deutschen Inschriften", gleichzeitig mit Wimpfen (DI Bd. 4).

Da der Mainzer Inschriftenbestand aufgrund der Lage und der Entwicklung des Erzbistums und der Stadt Mainz zu den wichtigsten des alten Reiches gehört, wird der Arenssche Band von Forschern unterschiedlicher Disziplinen viel und intensiv genutzt. 1603 Inschriftennummern, davon 647 allein den Mainzer Dom betreffend, legen ein beeindruckendes Zeugnis der Mainzer Geschichte ab.

Inzwischen sind seit der Veröffentlichung des Arensschen Bandes mehr als 50 Jahre vergangen, seit 30 Jahren ist er vergriffen und nur selten und teuer in Antiquariaten zu finden. Dem kann auch nicht ein nur ausschnitthaft zugängliches Digitalisat in Google Books abhelfen. Einem konventionellen fotomechanischen Nachdruck stand nicht nur die Frage der Druckkosten entgegen, denn über den Bestand gingen der Krieg und der Aufbau hinweg. Diesem Umstand trug Fritz Arens schon selbst Rechnung, indem er in der letzten Lieferung von 1958 und dann 1975 sowie schließlich 1982 und 1985 neben der erweiterten Bearbeitung der Inschriften bis 18004) Nachträge publizierte. Diese sind für Auswärtige schwer zu recherchieren und mit dem alten Band zu verbinden. Außerdem sind sie selbst wieder veraltet und beschäftigen sich vornehmlich mit dem Schicksal von Trägern, Neufunden und Textkorrekturen, nur selten mit der neuen Einordnung von Inschriften in die aktuelle Forschung, die im Zuge des Dom- und Willigisjubiläums neue Impulse in Mainz selbst erhalten hat, von übergeordneten neuen Fragen ganz zu schweigen. Der Band 2 der Reihe hat mittlerweile über 75 Nachfolger, so dass sich auch die Bearbeitung von Inschriften und die Beschäftigung mit ihren Texten, Trägern und Bedeutungsebenen verändert hat. Es gab also viele Gründe, in eine Neubearbeitung einzusteigen und die Bearbeitung von Arens auf den neuesten formalen und inhaltlichen Stand zu heben, also auch die Benutzung zu erleichtern, darüberhinaus mehr Bildmaterial zu bieten und die Recherche auf lange Sicht zu verbessern.

Die Bearbeiter mussten gottlob nicht mehr von vorne beginnen, denn der "alte" Arenssche Inschriftenband erwies sich als seiner Zeit in großen Teilen weit voraus und setzte im Vergleich zu anderen frühen Inschriftenpublikationen Maßstäbe hinsichtlich Präzision von Text und Übersetzung. Die Komplexität der frühen Inschriften vor der Massenproduktion von schlichten Grabplatten und die monumentalen Grablegen von Bischöfen und Prälaten nötigten Arens zu erfreulich unzeitgemäßem Kommentieren, dem sein kunsthistorischer Blick und seine weiträumige Denkmalkenntnis zugute kamen. Doch auch Zwerge auf den Schultern eines Riesen schauen weiter als jener, zumal ihnen der Fortschritt von 60 Jahren Forschung zur Verfügung steht. Auch neue Ergebnisse an Fakten und Sichtweisen rechtfertigten daher die Neubearbeitung. Trotz allem orientiert sich die Neubearbeitung an der Gliederung des Arensschen Bandes in zwei große Teile, nämlich Dom und Dom- und Diözesanmuseum sowie Kirchen und Profanbauten (inklusive der Vororte). Der große Umfang de Materials, dessen Neustrukturierung leicht zu einer Verdoppelung der Arensschen 700 Seiten Katalogtext führen könnte, erzwang eine Einteilung in überschaubare Arbeitsschritte. Diese Vorgehensweise erlaubt es zudem, im Gleichschritt zur Online-Edition auch Inschriftenführer zu einzelnen Standorten herzustellen und diese parallelen Arbeiten portionsweise nach den vorhandenen Mitteln einzuteilen.

Abweichend von Arens schließt sich die Neubearbeitung den neuen Bearbeitungsrichtlinien des Deutschen Inschriftenwerks an und strukturiert daher die einzelnen Katalogartikel konsequenter. Ein kleines Kapitel "Hinweise für den Benutzer" hilft diesem, sich zurechtzufinden. Auf eine wichtige Veränderung zu alten Gepflogenheiten ist hier jedoch hinzuweisen, weil der Benutzer möglichweise die bei Arens als erste Nummer edierte Inschrift für Fastrada, die 794 verstorbene Gemahlin Karls des Großen, vermisst: Nach den neuen Regeln wird sie bei den Inschriften in der Zeit ihrer Herstellung am Ende des 15. Jahrhunderts ediert werden; überhaupt liegt der chronologischen Ordnung eine strengere Gliederung zugrunde. Ein eigenes Problem stellen die Objekte des Halleschen Heiltums dar, die nach den neuen Editionsregeln mit dem Mainzer Bestand bearbeitet werden müssten. Wie man damit zu verfahren hat, konnte noch nicht entschieden werden; möglicherweise wird man die im Heiltum überlieferten Inschriften als eigenen Komplex in der Brandenburg-Zeit edieren.

2. Ergebnisse

Eine Inschriftenedition ist nicht der Platz, um Kontroversen auszutragen; Forschungsdiskussion wird daher auf das nötige Maß beschränkt. Von Arens und anderen Autoren abweichende Meinungen der neuen Bearbeiter, seien es Lesungen, Übersetzungen oder Deutungen, werden hinreichend dokumentiert. Dieser Teil der Einleitung folgt nicht dem in der Reihe üblichen Modell, da der knappe Ausschnitt noch keine nachvollziehbaren Aussagen über Schriftentwicklungen, Typologie der Grabmäler und ihrer Formulare, über die Vielfalt der Inschriftenträger und Textsorten zulässt und die Geschichte einzelner Standorte im Lichte ihrer Inschriften erst am Ende geschrieben geschrieben werden sollte.

Für den Priester-Stein (Arens Nr. 3, hier Nr. 1) konnte die Frühdatierung von Mechthild Schulze-Dörrlamm in die Regierungszeit des Hrabans Maurus (847–856) gestützt werden, während beim Hatto-Fenster (Arens Nr. 2, hier Nr. 2) eine ältere Lesung formal gestützt und damit verbunden die Zielrichtung der Inschrift neu gedeutet werden konnte. Die Inschrift der Willigis-Tür (Arens Nr. 5, hier Nr. 5) setzt einen erst neuerdings erkannten Akzent in der Kirchen- und Reichspolitik des Mainzer Erzbischofs; außerdem gibt es neue gute Gründe, ihre Herstellung mit Arens unmittelbar vor der Domweihe von 1009 anzusetzen. Seine Nachträge und Datierungen zu verstümmelten hochmittelalterlichen Inschriften (Nr. 7, 9, 10) konnten im wesentlichen bestätigt werden, wogegen die Inschrift des Archidiakons Anselm (Arens Nr. 8, hier Nr. 8) wohl doch nicht ursprünglich im Ostchor des Domes lag.

Für die komplizierte Bild- und Inschriftenaustattung des Theoderich-Kreuzes (Arens Nr. 15, hier Nr. 11) hatte Arens schon großartige Vorarbeit geleistet; leider ist es nicht gelungen, das Kreuz zweifelsfrei nach St. Alban zu lokalisieren. Gemäß den seinerzeitigen Regularien äußerte sich Arens nur am Rande zum Inhalt des Adalbert-Privilegs (Arens Nr. 10, hier Nr. 12) am Marktportal und zu seiner Einordnung in die Zeitläufe; dazu gibt es eigentlich viel zu sagen. Die Neubearbeitung kann vieles nur andeuten und auf die neue Literatur verweisen.

Umdatiert werden mußte das Reliquiar des hl. Alexander (Arens Nr. 9, hier Nr. 15) aus Halle, das nicht zum Halleschen Heiltum gehörte, in das Jahr 1146, während Arens noch das in der Inschrift angegebene Jahr 1123 (richtig 1124) als Herstellungsjahr ansah und eine Translation von Halle nach Magdeburg annahm. Richtig ist jedoch eine Translation aus der Stadt Halle in das Augustinerchorherrenstift Neuwerk vor Halle und die Fertigung des Schreins 1146.

Für das spätromanische Memorienportal (Arens Nr. 27, hier Nr. 19) stellt sich neuerdings die Frage, ob statt des bezeichneten heiligen Martin nicht doch der Fundator Willigis dargestellt und Martin als Empfänger im Bogen nur genannt ist.

Die schon von Arens vorgenommene Deutung, die Grabbilder Siegfrieds III. von Eppstein (Arens Nr. 22, hier Nr. 23) und Peters von Aspelt (Arens Nr. 33, hier Nr. 39) stellten den Anspruch der Mainzer Erzbischöfe auf die Krönung des Königs der Römer dar, wurde vor wenigen Jahren neu aufgegriffen und intensiv mit dem Ergebnis diskutiert, in Mainz habe man sich des Krönungsbildes bedient, um die eigene führende Rolle bei der Wahl als Königsmacher zu unterstreichen. Neuere Spätdatierungen der Denkmäler Aspelt und Bucheck (Arens Nr. 37, hier Nr. 38), die Arens noch unter den Todesjahren eingeordnet hatte, konnten dabei präzisiert werden.

Neu entdeckt wurde die gemalte Inschrift im Aufgang zum "Wächterhäuschen" (hier Nr. 25). Beim Grabstein eines Abtes Konrad (Arens Nr. 28, hier Nr. 24) wird man den Verlust einer zweiten kreisförmigen Inschrift unter der unteren Zeileninschrift vermuten dürfen. Die Glocke von angeblich 1298 (Arens Nr. 26, hier Nr. 28) könnte jünger sein, ihr Formular scheint in der Abschrift Bourdons verschoben.

Neben der nun sicher identifizierten Grabplatte des Dompropstes Jakob de Normannis (Arens Nr. 64, hier Nr. 32) liegt wohl die des Eberhard von Basel (Arens Nr. 65, hier Nr. 33), der 1314 verstarb, als Abdeckung der Doppelwendeltreppe aus der Memoria. Knapp 100 Jahre nach den Todesfällen wurden beide Platten einem neuen, eher profanen Zweck zugeführt; dieser Umstand kann für die Frage nach der Dauer von Memoria und die diese beinflussenden Faktoren bedeutsam sein.

Falsch wäre der Eindruck, man habe jetzt alle Fragen zu allen Dominschriften bis 1350 lösen können. So sperrt sich die Inschrift einer Grabplatte von 1322 (Arens Nr. 35, hier Nr. 36) immer noch einer vollständigen Lesung und damit Deutung; klar scheint nur zu sein, dass sie nicht für einen Kanoniker Konrad hergestellt wurde. Die Überlieferung zu den Grabinschriften Erzbischof Heinrichs II. (Arens Nr. 25, hier Nr. 27) und des Dichters Heinrich von Meißen gen. Frauenlob (Arens Nr. 31, hier Nr. 34) scheint immer noch prekär und von Ungereimtheiten belastet.

3. Ältere Inschriftensammler

Fritz V. Arens war nicht der erste Inschriftensammler in Mainz und würdigte selbst seine Vorgänger. Schon früh wusste man offenbar den geschichtlichen, ja dokumentarischen Wert der Mainzer Inschriften zu schätzen.

Im frühen 17. Jahrhundert sammelte der Mainzer Domvikar Georg Helwich (1588–1632) mittelalterliche und neuzeitliche Mainzer Inschriften, die er im Jahr 1613 in einer inzwischen verlorengegangenen großen Inschriftensammlung zusammenfasste.5) Um seine genealogischen Forschungen zu untermauern, streute Helwich in seine zwischen 1608 und 1625 entstandenen "Annales Archiepiscoporum, Praelatorum et Canonicorum Ecclesiae Metropolitanae Moguntinae"6) zahlreiche Inschriften ein.

Johannes Gamans (1606–nach 1660), der zeitlebens an einer Darstellung des Erzstiftes Mainz arbeitete und große Mengen wissenschaftlichen Materials sammelte, beabsichtigte, Helwichs Inschriftensammlung in sein Werk zu integrieren. Leider hat sich von der Gamanschen Sammlung nur wenig erhalten; die Reste werden in der Würzburger Universitätsbibliothek unter dem Titel: "Fragmenta Gamansiana"7) verwahrt. Gamans, der hauptsächlich von Helwich abschrieb, bereicherte seine Sammlung jedoch durch Nachträge, so dass auch Inschriften genannt werden, die erst nach Helwichs Zeit entdeckt wurden.8) Da das Gamanssche Werk in Form eines Rundgangs durch den Dom und den Kreuzgang aufgebaut ist, lassen sich dank dieser Quelle auch frühe Standorte von Inschriftenträgern und ihre Wechsel nachzeichnen.

Wesentlich selbständiger als Gamans arbeitete der im Jahr 1700 zum Mainzer Domvikar ernannte Jakob Christoph Bourdon, der bis 1727 einen Inschriftenband mit dem Titel: "Epitaphia in Ecclesia Metroplitana Moguntina sive Liber Mortuorum..." verfasste. Sein eigenhändiges Werk hat sich nicht erhalten jedoch insgesamt sechs Abschriften, wovon eine Abschrift des 19. Jahrhunderts, mit der Arens arbeitete, 1942 in seinem Kassenschrank verkohlte.9) Da die Grabplatten im Kreuzgang häufig versetzt wurden und schon Bourdon in vielen Fällen Schwierigkeiten hatte, die von Helwich genannten Inschriften richtig zuzuordnen, ließ er im Jahr 1724 die meisten Grabsteine (vor allem des Kreuzgangs) mit Nummern versehen und diese in die Steine einhauen. Er bemühte sich, unterschiedliche Schriftformen zu beschrieben. Das zeigt sich in Bezeichnungen für Schriften wie litteris gothicis (Nr. 19), litteris antiquis (Nr. 38) oder litteris hodiernis (Nr. 15). Leider lässt sich keine systematische Anwendung dieser Begriffe erkennen, so dass man sie nicht ohne Bedenken modernen Bezeichnungen wie Gotische Majuskel, Gotische Minuskel oder Kapitalis zuweisen kann.

Auch der Jesuit Nikolaus Serarius (1558–1609) zitierte in seinem 1604 veröffentlichten Werk über das Mainzer Erzstift "Moguntiacarum rerum libri V..." vereinzelt Inschriften (Nr. 3, 19, 42).

Die beiden Historiker Georg Christian Joannis (1658–1735) und Valentin Ferdinand (Freiherr von) Gudenus (1679–1758) maßen für ihre historische Arbeit den Inschriften eine weitaus größere Bedeutung bei und zitierten in den ersten beiden gemeinsam erarbeiteten Bänden der Neubearbeitung des Serarius "Rerum Moguntiacarum..." zahlreiche Inschriften. Nach dem Erscheinen der ersten beiden Bände entfremdeten sich die beiden Autoren; Joannis veröffentlichte daher bis 1727 den dritten Band alleine. Gudenus benutzte seine Inschriftensammlung für den seit 1743 von ihm veröffentlichten "Codex diplomaticus ...". Im zweiten Band präsentiert er die Dominschriften ähnlich wie Gamans und Bourdon als Rundgang durch Dom und Kreuzgang. Da er die von Bourdon nachträglich eingehauenen Nummern nennt, kann davon ausgegangen werden, dass er die Grabplatten selbst autopsierte.

Neben dem Inschriftensammeln wandte man sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts zunehmend auch dem Schmuck und der Gestaltung der Grabmäler zu. Der Jurist und Historiker Franz Joseph Bodmann (1754–1820), der in den Revolutionsjahren Mainzer Denkmäler zu retten versuchte, fertigte von zahlreichen Grabsteinen Zeichnungen an. Unterstützt wurde er von dem Medailleur und Münzgraveur Johann Lindenschmit († nach 1835) (Vgl. Nr. 36.) Nachdem kurz vorher Franz Xaver Kraus (1840–1901) das frühchristliche Material und die mittelalterlichen Inschriften bis 1250 publiziert hatte,10) plante man Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Inventarisation der Mainzer Kunstdenkmäler11) die Mainzer Inschriften zu bearbeiten und zu katalogisieren, jedoch wurden diese Pläne erst durch den von den Akademien der Wissenschaften herausgegebenen und von Fritz Viktor Arens bearbeiteten Inschriftenband realisiert.

4. Danksagung

Großer Dank gebührt dem Bistum Mainz, vertreten durch den Generalvikar Herrn Dietmar Giebelmann und den Dekan der Hohen Domkirche St. Martin Herrn Heinz Heckwolf, für die großzügige finanzielle Unterstützung, die den Beginn der wissenschaftlichen Neubearbeitung der Inschriften im Dom erst ermöglicht hat, und für die weitere Förderung, indem nachgeordnete Dienststellen des Ordinariats die Arbeit unterstützen durften. Eine Neubearbeitung im geplanten Rahmen wäre nie möglich gewesen ohne die Offenheit und bereitwillige Zuarbeit des Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseums (Winfried Wilhelmy), des Dombauamtes (Jörg Walter), der Domaufsicht, der Martinusbibliothek (Helmut Hinkel), des Domarchivs (Hermann-Josef Braun), des Stadtarchivs (Wolfgang Dobras), des Hessischen Staatsarchivs Darmstadt (Friedrich Battenberg), des Arbeitsbereichs Digitale Dokumentation im Institut für Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität (Klaus T. Weber, Monika Gräwe) und aller Leiter und Mitarbeiter dieser Institutionen. Erleichtert haben die Bearbeitung auch mehrere Digitalisate, die durch die freundliche Überlassung von Fotos und Handschriften ermöglicht wurden. Auch Privatpersonen haben sich durch ihre freundliche Unterstützung um das Werk verdient gemacht: So konnte das Bearbeitungsteam die Übersetzungen und Ratschläge von Jürgen Blänsdorf (siehe auch Literaturverzeichnis) dankbar nutzen; Juliane Schwoch ermöglichte die Bearbeitung und Dokumentation einer neu aufgefundenen Inschrift (Nr. 25); Jörg Walter stellte einen Domplan zur Verfügung, den Thomas G. Tempel und Franziska Knolle für den Lageplan der Inschriften aufbereiteten. Thomas G. Tempel und Brunhilde Escherich lieferten große Teile der fotografischen Dokumentation und Bildbearbeitung, Franziska Knolle das Schaubild des Theoderich-Kreuzes (Nr. 11). Dem Bearbeiterteam, dessen Aufmerksamkeit von inhaltlichen Fragen in Anspruch genommen wurde, lieh der Kollege Michael Oberweis seinen scharfen Korrekturblick. Torsten Schrade und sein Team von der Digitalen Akademie Mainz haben das Projekt von Anfang an konstruktiv begleitet und die Implementierung ins Internet bewerkstelligt.

5. Hinweise für den Benutzer

Die Präsentation der Texte wurde mit den in der Reihe "Die Deutschen Inschriften" üblichen Sonderzeichen gestaltet.

1,2,3 Die Ziffern verweisen auf den Rundgang und bieten als fortlaufende Nummern die neue Zitierstelle. Da es sich um ausschließlich online erscheinende Neubearbeitungen handelt, sollte die eindeutige URN am Ende jedes Artikels zur Zitation verwendet werden.
(†) Ein lateinisches Kreuz zwischen runden Klammern zeigt an, dass die Inschrift entweder nur teilweise im Original erhalten ist oder stark überarbeitet bzw. modern ausgeführt wurde.
1400? Ein Fragezeichen hinter einer Jahreszahl weist auf eine unsichere Datierung hin.
A, B Mehrere eigenständige Inschriften innerhalb eines Inschriftenträgers oder eines Ensembles werden mit Großbuchstaben gekennzeichnet.
/ Ein Schrägstrich markiert das reale Zeilenende auf dem Träger, bei Grabplatten mit Umschrift die Ecken, bei Schriftbändern einen markanten Knick im Band.
// Ein doppelter Schrägstrich kennzeichnet entweder den Übergang auf ein anderes Inschriftenband oder innerhalb der Zeile die Unterbrechung der Schrift durch eine Darstellung.
= Ein Doppelstrich entspricht den originalen Worttrennstrichen am Zeilenende der Inschriften.
( ) In runden Klammern werden Abkürzungen (unter Wegfall des Kürzungszeichens) aufgelöst. Bei Kürzungen ohne Kürzungszeichen wird ebenso verfahren.
[ ] Eckige Klammern kennzeichnen Textverlust, nicht mehr lesbare Stellen, Ergänzungen aus nichtoriginaler Überlieferung sowie ggf. begründete Ergänzungen des Bearbeiters.
[...] Die in eckige Klammern gesetzten Punkte zeigen in etwa den Umgang verlorener Textstellen an, bei denen eine Ergänzung nicht möglich ist.
[– – –] Ist die Länge einer Fehlstelle ungewiss, werden nur drei durch Spatien getrennte Bindestriche gesetzt.

Abkürzungsverzeichnis

A. Anfang
a. anno/am/an
Abb. Abbildung
AF Alte Folge
Anm. Anmerkung
Aufl. Auflage
Ausg. Ausgabe
Ausst. Ausstellung
B. Breite
Bd. Band
Bde. Bände
bearb. bearbeitet
Bu. Buchstabengröße
bzw. beziehungsweise
ca. circa
d. der, die, das, des
DI Die Deutschen Inschriften
Diss. Dissertation
dt. deutsch
ebd. ebenda
ed. edidit/ediert
ersch. erschienen
erw. erwähnt
e.V. eingetragener Verein
f. folgend/für
ff. folgende
FA Fritz Viktor Arens
Fig. Figur
fol. folio
FR Fidel Rädle
Fragm./fragm. Fragment/fragmentarisch
Germ. Germanicarum
ges. gesammelt
ggf. gegebenenfalls
H. Hälfte/Höhe
hess. hessisch(e)
hl. heilig
hrsg. herausgegeben
Hs. Handschrift
Inv. Inventar
Jahrb. Jahrbuch
JB Jürgen Blänsdorf
Jh. Jahrhundert
Kat. Katalog
Kdm. Kunstdenkmäler
LCI Lexikon der christlichen Ikonographie
MGH Monumenta Germaniae Historica
Mitarb. Mitarbeit
Ms. Manuskript
MUB Mainzer Urkundenbuch
MzZs Mainzer Zeitschrift
Nachdr. Nachdruck
n.e. nicht eingesehen
Nekr. Nekrolog
NF Neue Folge
Nov. November
Nr. Nummer
o. J. ohne Jahr (Erscheinungsjahr)
Phil. Diss. philosophische Dissertation
phil.-hist. Kl. philosophisch-historische Klasse
r recto
RdK Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte
Reg. Regesten
rer. rerum
Schatzk. Schatzkammer
Sept. September
Sign. Signatur
Sp. Spalte, Spalten
SS Scriptores in folio
SS rer. Germ. Scriptores rerum Germanicarum
St. Sankt
StA Würzburg Staatsarchiv Würzburg
Taf. Tafel
Tafelbd(e). Tafelband/-bände
Textbd(e). Textband/-bände
u. und
u.a. und andere / unter anderem
Übers. Übersetzung
Univ.bibl. Universitätsbibliothek
unvollst. unvollständig
Urk. Urkunde(n)
V. Viertel
v. verso; von/vom
vgl. vergleiche
z.B. zum Beispiel
Zs. Zeitschrift
  1. Karl Brandi: Grundlegung einer deutschen Inschriftenkunde. In: Deutsches Archiv für Geschichte des Mittelalters I (1937) 12. Nachzulesen bei Nikitsch, Fritz V. Arens (2008) 233. »
  2. Nikitsch, Fritz V. Arens (2008) 239. »
  3. Ebd. 239. »
  4. 1. Nachtrag in: DI 2, Mainz (1958) 707–715; 2. Nachtrag in: Mz Zs 70 (1975) 106–140 [= Arens, neue Forschungen (1975)]; 3. Nachtrag in: Arens, Mainzer Inschriften II (1985) 291–322. »
  5. Der Titel der Inschriftensammlung lautete: "Liber monumentorum sepulchralium, in quo omnium ecclesiarum et monasteriorum aliorumque tumulorum sacrorum civitatis Moguntinae tumulorum inscriptiones, epitaphia, elegia, aliaque huiusmodo notata descripta notantur. Studio ac opera Georgii Helwich Moguntini ad S. Albanum extra Moguntinos muros vicarii collecta anno MDCXIII." Der Titel ist den Fragmenta Gamans (siehe unten) vorgebunden. Vgl hierzu auch DI 2, Mainz (1958) [18]. »
  6. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Hs. C 1 B Nr. 186–189, alt C 1 Nr. 291, 4 Bde. »
  7. Universitätsbibliothek Würzburg, M.ch.q. 95.1. »
  8. Vgl. die Grabplatte des Propstes Anselm, Nr. 8. »
  9. Die Reste der letztgenannten Abschrift, die sich im Besitz des Dom- und Liebfrauenvikars Johann Heinrich Juncker befand, werden im Stadtarchiv verwahrt. Eine Abschrift von Heinrich Knorr aus dem Jahr 1754 wird in der Martinusbibliothek aufbewahrt (Hs 226 a); ebenfalls in der Martinusbibliothek befindet sich eine Abschrift des 19. Jh.s auf liniertem Papier (Hs 226 b); eine Abschrift um 1737 liegt in der Bayerischen Staatsbibliothek München (Clm 10447); eine weitere Abschrift soll sich im Besitz des Domkapitels, eine weitere von Domvikar Christoph Markloff in Eltville im Gräflich-Eltzschen Archiv befinden. »
  10. Kraus, Christliche Inschriften I (1890); Kraus, Christliche Inschriften II (1894). »
  11. Kautzsch/Neeb, Dom zu Mainz (1919). »

Zitationshinweis:

DIO 1, Mainz I, Einleitung (Rüdiger Fuchs, Britta Hedke, Susanne Kern), in: inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di002mz00e001.