Die Inschriften der Stadt Mainz

3. Ältere Inschriftensammler

Fritz V. Arens war nicht der erste Inschriftensammler in Mainz und würdigte selbst seine Vorgänger. Schon früh wusste man offenbar den geschichtlichen, ja dokumentarischen Wert der Mainzer Inschriften zu schätzen.

Im frühen 17. Jahrhundert sammelte der Mainzer Domvikar Georg Helwich (1588–1632) mittelalterliche und neuzeitliche Mainzer Inschriften, die er im Jahr 1613 in einer inzwischen verlorengegangenen großen Inschriftensammlung zusammenfasste.5) Um seine genealogischen Forschungen zu untermauern, streute Helwich in seine zwischen 1608 und 1625 entstandenen "Annales Archiepiscoporum, Praelatorum et Canonicorum Ecclesiae Metropolitanae Moguntinae"6) zahlreiche Inschriften ein.

Johannes Gamans (1606–nach 1660), der zeitlebens an einer Darstellung des Erzstiftes Mainz arbeitete und große Mengen wissenschaftlichen Materials sammelte, beabsichtigte, Helwichs Inschriftensammlung in sein Werk zu integrieren. Leider hat sich von der Gamanschen Sammlung nur wenig erhalten; die Reste werden in der Würzburger Universitätsbibliothek unter dem Titel: "Fragmenta Gamansiana"7) verwahrt. Gamans, der hauptsächlich von Helwich abschrieb, bereicherte seine Sammlung jedoch durch Nachträge, so dass auch Inschriften genannt werden, die erst nach Helwichs Zeit entdeckt wurden.8) Da das Gamanssche Werk in Form eines Rundgangs durch den Dom und den Kreuzgang aufgebaut ist, lassen sich dank dieser Quelle auch frühe Standorte von Inschriftenträgern und ihre Wechsel nachzeichnen.

Wesentlich selbständiger als Gamans arbeitete der im Jahr 1700 zum Mainzer Domvikar ernannte Jakob Christoph Bourdon, der bis 1727 einen Inschriftenband mit dem Titel: "Epitaphia in Ecclesia Metroplitana Moguntina sive Liber Mortuorum..." verfasste. Sein eigenhändiges Werk hat sich nicht erhalten jedoch insgesamt sechs Abschriften, wovon eine Abschrift des 19. Jahrhunderts, mit der Arens arbeitete, 1942 in seinem Kassenschrank verkohlte.9) Da die Grabplatten im Kreuzgang häufig versetzt wurden und schon Bourdon in vielen Fällen Schwierigkeiten hatte, die von Helwich genannten Inschriften richtig zuzuordnen, ließ er im Jahr 1724 die meisten Grabsteine (vor allem des Kreuzgangs) mit Nummern versehen und diese in die Steine einhauen. Er bemühte sich, unterschiedliche Schriftformen zu beschrieben. Das zeigt sich in Bezeichnungen für Schriften wie litteris gothicis (Nr. 19), litteris antiquis (Nr. 38) oder litteris hodiernis (Nr. 15). Leider lässt sich keine systematische Anwendung dieser Begriffe erkennen, so dass man sie nicht ohne Bedenken modernen Bezeichnungen wie Gotische Majuskel, Gotische Minuskel oder Kapitalis zuweisen kann.

Auch der Jesuit Nikolaus Serarius (1558–1609) zitierte in seinem 1604 veröffentlichten Werk über das Mainzer Erzstift "Moguntiacarum rerum libri V..." vereinzelt Inschriften (Nr. 3, 19, 42).

Die beiden Historiker Georg Christian Joannis (1658–1735) und Valentin Ferdinand (Freiherr von) Gudenus (1679–1758) maßen für ihre historische Arbeit den Inschriften eine weitaus größere Bedeutung bei und zitierten in den ersten beiden gemeinsam erarbeiteten Bänden der Neubearbeitung des Serarius "Rerum Moguntiacarum..." zahlreiche Inschriften. Nach dem Erscheinen der ersten beiden Bände entfremdeten sich die beiden Autoren; Joannis veröffentlichte daher bis 1727 den dritten Band alleine. Gudenus benutzte seine Inschriftensammlung für den seit 1743 von ihm veröffentlichten "Codex diplomaticus ...". Im zweiten Band präsentiert er die Dominschriften ähnlich wie Gamans und Bourdon als Rundgang durch Dom und Kreuzgang. Da er die von Bourdon nachträglich eingehauenen Nummern nennt, kann davon ausgegangen werden, dass er die Grabplatten selbst autopsierte.

Neben dem Inschriftensammeln wandte man sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts zunehmend auch dem Schmuck und der Gestaltung der Grabmäler zu. Der Jurist und Historiker Franz Joseph Bodmann (1754–1820), der in den Revolutionsjahren Mainzer Denkmäler zu retten versuchte, fertigte von zahlreichen Grabsteinen Zeichnungen an. Unterstützt wurde er von dem Medailleur und Münzgraveur Johann Lindenschmit († nach 1835) (Vgl. Nr. 36.) Nachdem kurz vorher Franz Xaver Kraus (1840–1901) das frühchristliche Material und die mittelalterlichen Inschriften bis 1250 publiziert hatte,10) plante man Anfang des 20. Jahrhunderts im Rahmen der Inventarisation der Mainzer Kunstdenkmäler11) die Mainzer Inschriften zu bearbeiten und zu katalogisieren, jedoch wurden diese Pläne erst durch den von den Akademien der Wissenschaften herausgegebenen und von Fritz Viktor Arens bearbeiteten Inschriftenband realisiert.

Zitationshinweis:

DIO 01, Mainz, Einleitung, 3. Ältere Inschriftensammler (Rüdiger Fuchs, Britta Hedtke und Susanne Kern), in: inschriften.net,  urn:nbn:de:0238-di002mz00e001.

  1. Der Titel der Inschriftensammlung lautete: "Liber monumentorum sepulchralium, in quo omnium ecclesiarum et monasteriorum aliorumque tumulorum sacrorum civitatis Moguntinae tumulorum inscriptiones, epitaphia, elegia, aliaque huiusmodo notata descripta notantur. Studio ac opera Georgii Helwich Moguntini ad S. Albanum extra Moguntinos muros vicarii collecta anno MDCXIII." Der Titel ist den Fragmenta Gamans (siehe unten) vorgebunden. Vgl hierzu auch DI 2, Mainz (1958) [18]. »
  2. Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Hs. C 1 B Nr. 186–189, alt C 1 Nr. 291, 4 Bde. »
  3. Universitätsbibliothek Würzburg, M.ch.q. 95.1. »
  4. Vgl. die Grabplatte des Propstes Anselm, Nr. 8. »
  5. Die Reste der letztgenannten Abschrift, die sich im Besitz des Dom- und Liebfrauenvikars Johann Heinrich Juncker befand, werden im Stadtarchiv verwahrt. Eine Abschrift von Heinrich Knorr aus dem Jahr 1754 wird in der Martinusbibliothek aufbewahrt (Hs 226 a); ebenfalls in der Martinusbibliothek befindet sich eine Abschrift des 19. Jh.s auf liniertem Papier (Hs 226 b); eine Abschrift um 1737 liegt in der Bayerischen Staatsbibliothek München (Clm 10447); eine weitere Abschrift soll sich im Besitz des Domkapitels, eine weitere von Domvikar Christoph Markloff in Eltville im Gräflich-Eltzschen Archiv befinden. »
  6. Kraus, Christliche Inschriften I (1890); Kraus, Christliche Inschriften II (1894). »
  7. Kautzsch/Neeb, Dom zu Mainz (1919). »