Inschriften: St. Michaeliskloster und Kloster Lüne bis 1550

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 24: Lüneburg: St. Michaeliskloster, Kloster Lüne (1984)

Nr. 66 Kloster Lüne 1520

Beschreibung

Fünf Gewölbeschlußsteine im Ost- und Westflügel des Kreuzgangs. Im östlichen Trakt schließen sie das erste (A), zweite (B), dritte (C) und vierte (D) Joch von Norden, im Westflügel das zweite Joch von Norden (E). Bei (A), (B), (D) und (E) ist die Schrift erhaben, die Zeichen bei (C) sind eingehauen. Alle Buchstaben sind mit Goldfarbe belegt, der Untergrund ist bei (A) und (E) blau, bei (B) rot und bei (D) grün. Die Ziffern bei (C) sind schwarz ausgemalt.

Maße: Dm. bei (A): 19,5 cm; (B): 18,5 cm; (C): 22,0 cm; (D): 21,0 cm; (E): 21,0 cm. Bu.: 8,4 cm, 9,8 cm (E).

Schriftart(en): Gotische Minuskel, mit Versal (B).

  1. A

    ihes(us)

  2. B

    An(n)a

  3. C

    · 1 · 5 · 2 · 0 ·

  4. D

    m(a)riaa)

  5. E

    ih(e)s(us)

Kommentar

Die Klosterannalen berichten zum Jahre 1519, Propst Johannes Lorbeer habe die Einwölbung dreier Flügel des Kreuzgangs veranlaßt; da der vierte Flügel bereits überwölbt war, habe er hier nur den weissen Anstrich erneuern lassen1). Diese Angaben lassen sich noch heute am Baubestand nachprüfen. Der Nordflügel unterscheidet sich in einer wichtigen Einzelheit von den drei übrigen Flügeln, obwohl jeder Trakt im Kreuzrippensystem eingewölbt wurde: nur West-, Süd- und Ostflügel haben einheitlich ein Rippenprofil aus Taustab-Ziegeln erhalten, im nördlichen Flügel dagegen fehlen sie. Daraus folgt, daß es dieser nördliche Flügel war, der bereits eine Einwölbung besaß, als 1519 mit den entsprechenden Arbeiten in den übrigen Flügeln begonnen wurde. Daß die Einwölbung schon im darauf folgenden Jahr vollendet werden konnte2), geht aus der Inschrift (C) hervor. Diese Veränderungen im Kreuzgang beendeten die Serie der großen Bauvorhaben, die im Kloster durch Einführung der Reform nach den Bestimmungen der Bursfelder Kongregation notwendig geworden waren3).

Textkritischer Apparat

  1. Das erste a ist durch zwei über die Zeile gesetzte Punkte als Kürzung gegeben. Das zweite a hat aus Platzmangel nur noch halbe Zeilenhöhe.

Anmerkungen

  1. Eodem anno fecit Dominus praepositus J[ohannes] L[orbeer] testudines preparare supra tres partes nostri ambitus; sed quarta pars, ubi altare est, habuit testudines antiquitus, illam fecit realbare: Meyer, Reformationsgeschichte, S. 170.
  2. Die drei Kreuzgangflügel besaßen ursprünglich eine Flachdecke. Daß die vertikalen Fenstergewände gegen den Innenhof im oberen Teil beiderseits durch die Gewölbekappen zugesetzt sind, beweist ebenfalls, daß die Einwölbung nachträglich vorgenommen wurde.
  3. Mit den Neubauten wurde bereits 1481 zur Amtszeit des Propstes Nikolaus Graurock begonnen, der ein Wirtschafts- und ein Arbeitsgebäude errichten ließ (vgl. Nr. 46). Sein Nachfolger Nikolaus Schomaker setzte die Bauaktivitäten mit der Erweiterung des Nonnenchores im Jahre 1497 und der Umgestaltung des Refektoriums fort (vgl. Nr. 52 und 63). Dazu kamen weitere, weniger aufwendige Projekte.

Zitierhinweis:
DI 24, Lüneburg: St. Michaeliskloster, Kloster Lüne, Nr. 66 (Eckhard Michael), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di024g002k0006604.