Inschriften: St. Michaeliskloster und Kloster Lüne bis 1550

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 24: Lüneburg: St. Michaeliskloster, Kloster Lüne (1984)

Nr. 6 Kloster Lüne Anfang 14. Jh.

Beschreibung

Altartuch. Weiße Leinwand mit weißer Leinenstickerei. Als zentrale Darstellung erscheint die Trinität in Gestalt des sog. Gnadenstuhls, von einer Mandorla umgeben: Gottvater, auf dem Regenbogen thronend, hält vor sich das Kreuz mit Christus, links die Taube des Heiligen Geistes. Rechts und links der Gruppe befinden sich die Buchstaben Alpha und Omega. An die Mandorla stoßen Zweidrittelkreise, die die geflügelten Evangelistensymbole umschließen: oben links der Engel, vor sich ein Schriftband mit der Inschrift (A) haltend; unten links der Löwe, über einem Schriftband mit (B) stehend; unten rechts der Stier, auf einem Schriftband mit (C) stehend; oben rechts der Adler, in den Fängen ein Schriftband mit der Inschrift (D). Zu beiden Seiten der Mandorla, zwischen den Feldern mit den Evangelistensymbolen, ist je ein Engel dargestellt; vermutlich handelt es sich um die Erzengel Michael und Gabriel. Rechts und links dieser Mitteldarstellung sind je vier kreisrunde Medaillons eingearbeitet, jeweils zu zweit untereinander angeordnet. Die beiden äußeren sind von der Seite her zu betrachten, da diese Teile des Tuches seitlich am Altar herunterhingen. Die Darstellungen zeigen im einzelnen: linke Seite, oben rechts: Verkündigung an Maria. Der segnende Engel hält in der linken Hand ein Schriftband mit der Inschrift (E), Maria hält ein weiteres Schriftband mit (F); unten rechts: Christi Geburt; unten links (seitlich orientiert): Darbringung Christi im Tempel; oben links (seitlich orientiert): Auferstehung. Der Zwickel zwischen den beiden letzten Medaillons zeigt, ebenfalls seitlich orientiert, eine thronende Prophetengestalt mit einem Schriftband, das die Inschrift (G) trägt. Rechte Seite, unten links: Christi Himmelfahrt; oben links: Ausgießung des Heiligen Geistes; unten rechts (seitlich orientiert): Krönung Mariens; unten rechts (seitlich orientiert): die Apostel Bartholomäus und Philippus1). Wie auf der linken Seite befindet sich auch hier im Zwickel eine Prophetenfigur mit der Beischrift (H) auf einem Schriftband. Am rechten und linken Rand ist das Tuch durch eine Zierborte mit sechs Heiligenköpfen in Rundbögen begrenzt. Das Altartuch ist gut erhalten, alle Inschriften sind gestickt.

Maße: H.: 112,0 cm; B.: 327,0 cm; Bu.: 1,5–1,9 cm.

Schriftart(en): Gotische Majuskel.

  1. A

    MATEVS

  2. B

    MARCVS

  3. C

    LVCAS

  4. D

    IOHANES

  5. E

    AVE MARIA GR[ACIA PLENA]a)2)

  6. F

    ECCE ANCILLA D[OMI]N[I]3)

  7. G

    GEREMIAS · PRO[FETA]a)

  8. H

    ISAIAS · PROFETA

Übersetzung:

(E) Sei gegrüßt, Maria, [du bist voll Gnade]. – (F) Siehe, die Magd des Herrn.

Textkritischer Apparat

  1. Textabbruch aus Platzmangel.

Anmerkungen

  1. Attribute: Messer bei Bartholomäus, bei Philippus Doppelkreuz.
  2. Nach Luc. 1, 28.
  3. Luc. 1, 38.

Nachweise

  1. Schütte, S. 32 f.; Kroos, Bildstickereien, S. 145, Nr. 92.
  2. Beschreibung: Wagner, Weißstickereien, S. 15; Knauf, S. 31.
  3. Abbildung: Krüger, Stickereien, Abb. 3, S. 114; Schütte, Taf. 34, 35; Wagner, Abb. 15, S. 20; Kroos, Abb. 231, 232.

Zitierhinweis:
DI 24, Lüneburg: St. Michaeliskloster, Kloster Lüne, Nr. 6 (Eckhard Michael), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di024g002k0000608.