Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 302 Kloster Lüne 1680

Beschreibung

Sarg der Domina Dorothea Maria von Estorff.1) Holz, bemalt, mit Eisenbeschlägen. Der mit einem Kruzifix und zahlreichen Inschriften bemalte Sarg steht in der Gruft unter der Barbarakapelle. Auf der kopfhäuptigen Schmalseite oben das Wappen mit der Beischrift A auf einem Schriftband darunter, um das Wappen herum und darunter die Inschrift B, die fußhäuptige Schmalseite ist zerstört. Auf dem Deckel ein gemaltes Kruzifix, dem Kreuzesstamm folgend die Inschrift C ober- und unterhalb des Corpus. Auf der einen Langseite des Deckels links die Inschrift D, in der Mitte die Inschrift E, rechts die Inschrift F, darunter auf der Langseite des Untersargs links die Inschrift G, zwischen den Griffen die Inschrift H, rechts die Inschrift I, der untere Teil dieser Seite ist zerstört, die Inschriften G–I daher unvollständig. Auf der anderen Langseite des Deckels links die Inschrift J, in der Mitte die Inschrift K, rechts die Inschrift L, auf dem Untersarg links die Inschrift M, in der Mitte zwischen den Griffen die Inschrift N, rechts die Inschrift O, der äußere linke Teil fehlt, daher ist die Inschrift M an den Zeilenanfängen unvollständig, der untere Teil hier ebenfalls weggebrochen.

Maße: L.: 195 cm; B.: 72 cm; Bu.: 1,5 cm (A), 3 cm (B), 3,5–4 cm (C–O).

Schriftart(en): Kapitalis mit Minuskeln (A), Fraktur (B–O).

  1. A

    DIE . VOn . EStORFF .

  2. B

    [A]nno. 1601. Den 31 Julÿ ist die / Wollehrwürdige WollEdle / Viel Ehr vnd Tugentreiche / Junffer Dorothea Maria Von / Estorff des morgens früe zwischen / 3 vnd 4 an die Welt gebohren · / Anno 1672 den 3 Julÿ ist sie zu einer / Domina dises Klosters erwehlet hat Chistlöb=/licha) vnd woll regiret 8 Jahr 6 Wochen 10 stunden / Jhr Herr Vater ist gewesen Mangolt von / Estorff Erbgesessen Auff Barmstedeb) / [J]hre Fraw Mutter ist Anna von / [ – – – ]

  3. C

    Christus // Jst Mein leben, Sterben Jst Mein gewinn. 2)

  4. D

    Meinen todt Niemandt / Betrauwern soll, / Jch lebe Jn Gott / Vnd mir ist woll ·

  5. E

    Vnser leben wehret siebenzig Jahr Wen Es hoch kompt / So sindts Achzig Jahr Vnd wens Köstlich gewesen ist / So ists Muhe vnd Arbeit gewesen · 3) / Es haben dir die Hoffertigen noch nie gefallen, Aber Allezeit / Hat dir gefallen der Elenden Vnd demüehtigen gebeth · 4)

  6. F

    Die gute des Herren Jsts das Wir Nicht / gar Ausc) Seine Barmhertzigkeit hat Noch / Kein ende sondern sie ist alle Morgen / Neü Vnd deine trew ist gros · 5)

  7. G

    Jst nicht Ephraim mein thewrer sohn, / Vnd mein trawtes kindt: den / Jch dencke noch woll daran was ich / Jhm geredet habe da[ – – – ] d) 6)

  8. H

    Lobe den Herren meine seele Vnd was in mir seinen / Heÿligen Nahmen, Lobe den Herren Meine seele / Vnd Ver[ – – – ] d) 7)

  9. I

    Zum sichern port ich komm[.....] /[..]nde Todt [ – – – ] 8)

  10. J

    Die gerechten Werden Weg gerafft. / Für dem Vngelück Vnd die Richtig / Für sich gewandelt haben Kommen / zum friede Vnd Ruhen in ihren kammern · 9)

  11. K

    Herr wen Jch Nur dich Habe So frage Jch Nichts / Nach Himmel Vnd erden Wen Mir gleich leib / Vnd Seel Verschmacht, So bistu doch Allezeit / Meines Hertzen trost vnd mein Theil · / Psalm · 73 · 10)

  12. L

    Ich liege Vnd schlaffe gantz / Mit frieden den Allein / du Herr hilffest Mir / das ich sicher wohne · 11)

  13. M

    [.....] sind die todten / [.....] herren sterben / [...] nun an sie Ruhen / von Ihrer Arbeit. / [ – – – ] 12)

  14. N

    Ich weis das Mein Erlöser lebet, Vnd er Wirt Mich / Hernach Aus der Erden Aufferwecken. / Vnd Werde mit dieser Meiner Haut Vmbgeben / Werden, Vnd Werde in Meinen Fleisch Gott sehen. / Denselben werde ich mir sehen Vnd Meine Augen / Werden ihn schauwen Vnd kein frembder Hiob. 19. 13)

  15. O

    Jch Will schauen dein / Antlitz in gerechtigkeit / Jch Will sadt Werden / Wen ich erwache nach / deinem Bilde psal[...] 14)

Wappen:
Estorff

Kommentar

Zu der Domina Dorothea Maria von Estorff vgl. Nr. 301. Bei der Inschrift G handelt es sich um den Leichtext, der in der Leichenpredigt der Domina behandelt wird. Auch die Verse der Inschrift I kommen in der Leichenpredigt vor.15)

Textkritischer Apparat

  1. Statt Christlöblich.
  2. Korrekt wäre Barnstede.
  3. Das Wort sein wohl wegen des nachfolgenden Seine irrtümlich ausgelassen.
  4. Die Buchstaben der letzten Zeile nur im oberen Teil erhalten.

Anmerkungen

  1. Inventarisation Klosterkammer, Sarg Nr. 8.
  2. Phl. 1,21.
  3. Ps. 90,10.
  4. Jdt. 9,13.
  5. Klg. 3,22f.
  6. Jer. 31,20, zu ergänzen: darum bricht mir mein Herz gegen ihn, daß ich mich seiner erbarmen muß.
  7. Ps. 103,1f., zu ergänzen: vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat, der dir alle Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen.
  8. Sinngemäß nach der Leichenpredigt zu ergänzen zu: Zum sichern Port ich kommen bin / Sünd, Tod, aller Jammer fahr dahin / Mit Christo hab ich Fried und Freud / und leb in höchster Seligkeit. Vgl. a. Nr. 285, Inschrift K.
  9. Jes. 57,1f.
  10. Ps. 73,25.
  11. Ps. 4,9.
  12. Off. 14,13, zu ergänzen zu: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben von nun an, sie ruhen von ihrer Arbeit.
  13. Hi. 19,25–27.
  14. Ps. 17,15.
  15. Leichenpredigt, SUB Göttingen, 4° N. II. 14.

Nachweise

  1. Ströbl, Dokumentation, S. 64f.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 302 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0030204.