Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 285 Kloster Lüne 1672

Beschreibung

Sarg der Domina Dorothea Elisabeth von Meding.1) Holz, bemalt, mit Eisenbeschlägen. Der mit einem Kruzifix und zahlreichen Inschriften bemalte Sarg steht in der Gruft unter der Barbarakapelle. Auf der kopfhäuptigen Schmalseite oben das Wappen mit der Beischrift A auf einem Schriftband darunter, um das Wappen herum und darunter die Inschrift B. Auf dem Deckel oben ein gemaltes Kruzifix, dem Kreuzesstamm folgend die Inschrift C ober- und unterhalb des Corpus, auf der einen Deckelschräge links unterhalb des Kreuzbalkens die Inschrift D, rechts oberhalb des Kreuzbalkens die Inschrift E. Darunter auf der einen Langseite des Untersargs links die Inschrift F, rechts die Inschrift G. Auf der anderen Deckelschräge links oberhalb des Kreuzbalkens die Inschrift H, rechts unterhalb des Kreuzbalkens die Inschrift I, auf der im unteren Teil zerstörten Langseite des Untersargs darunter links die Inschrift J, rechts die Inschrift K. Von der fußhäuptigen Schmalseite ist nur der linke Teil mit den Zeilenanfängen der Inschrift L erhalten. Die heute zerstörten Inschriftenteile können nach der kopialen Überlieferung ergänzt werden.

Inschriften ergänzt nach dem Anschreibebuch Nr. 2, Klosterarchiv Lüne.

Maße: L.: 193 cm; B.: 77 cm; Bu.: 1,5 cm (A), 3 cm (B, L), 4 cm (C–K).

Schriftart(en): Kapitalis (A), Fraktur (B–H, J–L), Fraktur mit Frakturversalien (I).

  1. A

    V(ON) MEDING

  2. B

    A(nno) 1603. D(en) 2 April(is) / Jst die Woll Ehrwurdig / WolEdle Viel ehr vnd tugentreiche / Junffer, Dorothea Elisabet. v(on). Meding. / in der Nacht. Vmb 12 Vhr am Mitwochen gebohren. / A(nn)o. 1659. D(en) 9 Martzij. Jst sie zu einer Domina dieses / Closters erwehllet, Hatt Christ/Löblich, Vndt woll Regieret 13. Jahr. 10. Woche(n) / 1: tag Vndt 11. stunde. / Jhr Vatter ist gewesen, Hinrich. Von Meding. / Auff schnellenberg erbgesesen. / Jhre Fraw mutter Magdalena Pentzen

  3. C

    Christus Jst // Mein Leben, Sterben Jst Mein Gewin 2)

  4. D

    Johannes Am. 10. Meine schaffe hören meine Stimme, Vnnd ich kenne sie, Vnnd sie folgen / mir, Vnnd ich gebe Jhnen das ewige Leben. 3) / Judit Am. 9. Es haben dir die Hoffertigen noch nie gefallen, Aber allezeit / hat dir gefallen der Elenden Vnd Demütigen Gebet. 4)

  5. E

    ierem. 3. Die gütte des Herrn / ist, Das wir nicht gar aus / sindt, Seine Barmhertzigkeit / hat noch kein ende, sondern sie / ist alle morgen new · 5)

  6. F

    Du Bos unruhigs Leben /Habe Jch mich Niemahlen ergeben, /[Beÿ Goth Daß rechte leben ist,Deß tröst ich mich zu aller frist]

  7. G

    Jch weis das mein erloser lebet Vnd er wirdt mich / Hernach aus der Erden aufferwecken / [und werde] mit dieser meiner Haut umb/[geben werden, vndt werde in meinem fleische Gott sehen, denselben werde ich mir sehen vndt meine Augen werden ihn schauwen, vndt kein frembder] 6)

  8. H

    Meinen Todt Nimandt / Betrauren Soll, Jch lebe / Jn Gott Vnd mir / Jst Woll

  9. I

    Syrach am. 1. Die furcht des HERRN ist Ehr Vnd Ruhm, Frewde Vnd / Eine schöne Krone. Die furcht des HERRN machet das Hertz frölich, / Vnd gibt frewde Vnd Wonne ewiglich. Wer den HEren fürchtet, / Dem wirds wolgehen in der letzten Noth, Vnd wird endlich den segen behalten. 7)

  10. J

    Psalm 42. Wie der Hirsch schreÿet nach frischen Wasser, / so schreÿet meine Seele Gott zu dir, / Meine Seele durstet nach Gott, nach dem lebendigen / Gott, wan werde ich da hin kommen, das ich Gottes Angesichta) 8)/ Sÿmbolum / [Daß Ewige Vertröstetb) mich /Mein Verlangen erwarts Dürstiglich]

  11. K

    Zum sicher port ich Kommen bin, /Sunde, todt, all Jammer fahr dahin, /Mitt Christo habe ich friede Vnd frewdt, /[Vndt] lebe [in Ewiger] Selligkeit

  12. L

    A(nn)o 167[2 den 21. Maÿ] / Den Morg[en vmb 11 Vhr] / ist sie [sanfft] / Vnd selig [im herrn entschlaf]/fen der [Seelen Gott gnedig] / Vnd de[m leibe eine frölige auff]/erstehu[ng verleÿhen wolle]

Wappen:
Meding

Kommentar

Zu Dorothea Elisabeth von Meding vgl. Nr. 284. Bei dem Psalmenzitat der Inschrift J handelt es sich um den in ihrer Leichenpredigt behandelten Leichtext.9)

Textkritischer Apparat

  1. Zu ergänzen schaue. Der Text bricht hier ab, da der Beginn der nächsten Zeile keine Buchstaben erkennen läßt und das Wort Sÿmbolum mittig gesetzt ist.
  2. Auf dem Porträt der Domina Nr. 286 vergnüget, eventuell Fehler der Überlieferung.

Anmerkungen

  1. Inventarisation Klosterkammer, Sarg Nr. 9.
  2. Phl. 1,21.
  3. Jh. 10,27.
  4. Jdt. 9,13.
  5. Klg. 3,22.
  6. Hi. 19,25–27.
  7. Sir. 1,11–13.
  8. Ps. 42,2f.
  9. SUB Göttingen, 4° N. IV. 6.

Nachweise

  1. Klosterarchiv Lüne, Anschreibebuch Nr. 2.
  2. Ströbl, Dokumentation, S. 68–70.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 285 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0028508.