Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 284 Kloster Lüne 1672

Beschreibung

Grabplatte der Domina Dorothea Elisabeth von Meding.1) Stein. Die hochrechteckige, stark beschädigte Grabplatte liegt im Fußboden der Barbarakapelle über der Gruft. In den vier Ecken vertiefte Felder mit Engelsköpfen darin. Oben auf der Platte die Inschrift A, in der Mitte ein Bogenfeld, darin ein von zwei Putten gehaltenes Vollwappen, um das Feld verläuft die Inschrift B, unten die Inschrift C. Alle Inschriften sind erhaben gehauen und weisen teilweise große Fehlstellen auf.

Inschrift A ergänzt nach Pfeffinger.

Maße: H.: 200 cm; B.: 110 cm; Bu.: 4–4,5 cm (A), 3 cm (B), 4,5 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 76, Nr. 284 - Lüneburg, Kloster Lüne - 1672

 Kloster Lüne [1/2]

  1. A

    V[IRGO VENERABILIS ET PI]A / DOROTEA ELISA[BETH A MEDING] / NATA ANNO [CHRI]ST[I 1603 D(IE)] 2 APR(ILIS) / IN COENOBIUM LUN[ENSE A]SSUM[PTA] / 1609, DOMINA E[LECTA] 165[9] / IN DOMIN[O PIE DEFUNC]TA / [1672 D(IE) 21.] M[AJI] / AE[T(ATIS) 70]

  2. B

    GOTT DER HERR IST SO[........]D DER HERR ABER GIBT [.]NADE UND / EHRE. PS[..] 2)

  3. C

    [.]IE DER H[ – – – ]T NACH / F[....]HEM [ – – – ]HREIET / [....]E SE[ – – – ] DIR MEINE / [ – – – ] GOTT DEN / [ – – – ]OTT WEN / [ – – – ]CH DAHIH / [.....]N DAS ICH / [.....]S ANGE/[.....] SCHAUE 3)

Übersetzung:

Die ehrwürdige und fromme Jungfrau Dorothea Elisabeth von Meding, geboren im Jahr Christi 1603 am 2. April, in das Kloster Lüne aufgenommen 1609, zur Domina gewählt 1659, im Herrn fromm verstorben 1672 am 21. Mai im 70. Lebensjahr. (A)

Wappen:
Meding

Kommentar

Bei der Inschrift C handelt es sich um den in der Leichenpredigt für Dorothea Elisabeth von Meding behandelten Leichtext (vgl. a. den Sarg der Domina Nr. 285). Dorothea Elisabeth von Meding, die Tochter des Heinrich von Meding und der Magdalena von Pentzen, war eine Nichte der Lüner Domina Dorothea von Meding (vgl. Nr. 140), in deren Obhut sie 1609 gegeben wurde, als sie im Alter von sechs Jahren als Lehrkind in das Kloster Lüne aufgenommen wurde. Im Jahr 1619 wurde sie eingekleidet, 1626 zur Klosterschreiberin ernannt und 1659 zur Domina gewählt.4) Ihre Wahl soll sie mit großer bestürtzunge aufgenommen haben, weil sie von Gott mitt sonderlicher Demuth begabet vndt über die Maße zartes, empfindliges gemüths, war es (ihr Amt) ihr lebens Zeit schwer.5) Zu dieser Charakterisierung der Domina paßt es, daß sie die wohl im Auftrag ihrer Tante Dorothea von Meding mit einer heiteren Renaissanceausmalung versehene Barbarakapelle (vgl. Nr. 141) in eine düstere Begräbniskapelle mit einem großen auf den Tod und die Auferstehung bezogenen Inschriftenprogramm umgestalten (vgl. Nr. 266) und entsprechende Inschriften auch im Gewölbe der Gruft (Nr. 267) anbringen ließ. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten von Tante und Nichte werden auch sehr deutlich, wenn man ihre beiden Porträts und deren Inschriften miteinander vergleicht (Nr. 145 u. Abb. 69/70, Nr. 286 u. Abb. 257/258).

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. LÜN Dc 5.
  2. Ps. 84,12, zu ergänzen zu: Gott der Herr ist Sonne und Schild, der Herr aber gibt Gnade und Ehre.
  3. Ps. 42,2f., sinngemäß zu ergänzen zu: Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue.
  4. Leichenpredigt, SUB Göttingen, 4° N. IV. 6.
  5. Klosterarchiv Lüne, Anschreibebuch Nr. 2.

Nachweise

  1. Pfeffinger, Historie, Bd. 2, S. 661 (A).

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 284 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0028401.