Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 270 Kloster Lüne 1663

Beschreibung

Holztafel, beidseitig bemalt, auf der einen Seite Ölgemälde auf Leinwand, mit Scharnier klappbar an der Westwand im Nonnenchor rechts neben dem Eingang angebracht.1) Auf der einen Seite ein Gemälde, das den Salvator zeigt. Oben auf dem Rahmen die Inschrift A, unten die Jahreszahl B. Auf der anderen Seite unter einem Weihekreuz auf Holz gemalt die Inschrift C, unten die Inschrift D. Alle Inschriften in Gold auf Schwarzbraun.

Maße: H.: 100 cm; B.: 79,5 cm; Bu.: 2,3 cm (A), 1,9 cm (B), 3,3 cm (C), 4 cm (D).

Schriftart(en): Kapitalis (A, D), Fraktur mit Frakturversalien (C).

DI 76, Nr. 270 - Lüneburg, Kloster Lüne - 1663

 Kloster Lüne [1/2]

  1. A

    SALVATOR MVNDI.

  2. B

    16 63

  3. C

    Unsers lieben Heylandes JESU CHRISTI / sehnliche Klage über den Unglauben der Gottlosen Welt: / Jch bin das Liecht, aber man sihet mich nicht; / Jch bin der Weg, aber man gehet mich nicht; / Jch bin schön, aber man liebet mich nicht; / Jch bin Reich, aber man bittet mich nicht; / Jch bin Almächtig, aber man fürchtet mich nicht; / Jch bin Ewig, aber man suchet mich nicht; / Jch bin Weise, aber man folget mir nicht; / Jch bin Edel, aber man dienet mir nicht; / Jch bin Barmhertzig aber man trawet mir nicht; / Jch bin Warhaftig, aber man gläubet mir nicht; / Jch bin das leben, aber man wil mein nicht; / Werdet ihr denn auch verdampt, so verweiset mirs / nicht:

  4. D

    MATTH: VII. / INTRATE PER ANGUSTAM PORTAM – / – – PAUCI · 2)

Übersetzung:

Erlöser der Welt. (A)

Tretet ein durch die enge Pforte – Wenige. (D)

Kommentar

Die Inschrift C ist mit Sicherheit der zeitgenössischen Erbauungsliteratur entnommen, auch wenn sich noch kein Textnachweis führen läßt (vgl. a. dieselbe Inschrift in Ebstorf Nr. 336).3) Die in Inschrift D erwähnte enge Pforte könnte auch Bezug auf den Inschriftenträger nehmen, über dessen ursprünglichen Anbringungsort nichts bekannt ist, und auf dessen Montierung als Türflügel verweisen.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. LÜN Cb 1.
  2. Mt. 7,13f.
  3. Vgl. Udo Dickenberger, Der Tod und die Dichter. Hildesheim 1991, S. 35. Dort ist die Klage des Herrn als Inschrift auf einem Augsburger Grabstein zitiert. Vgl. a. DI 35 (Stadt Braunschweig 1), Nr. 327,VII.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 270 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0027007.