Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 251 Kloster Lüne 1652

Beschreibung

Gestühl.1) Holz, Ölgemälde auf Leinwand. Das Gestühl, das an der Süd-, West- und Nordwand des Nonnenchors aufgestellt ist, trägt auf dem abschließenden Fries oben unter einer Zahnschnittleiste die auf einzelne gemalte Felder verteilte Inschrift A links vom Eingang und Inschrift B rechts vom Eingang, beide in Gold auf Schwarz. Die Inschriften sind durch Restaurierung stark überformt. An der Rückwand des Gestühls ist über jedem Sitz ein quadratisches Gemälde aufgehängt. Von den insgesamt 29 Gemälden zeigen 20 Bilder Szenen aus dem Alten Testament, 9 Bilder Szenen aus dem Neuen Testament. Davon sind vier Gemälde mit Inschriften versehen: in der Darstellung des Moses mit den Gesetzestafeln die Inschrift C auf den Tafeln; in der Darstellung der Verkündigung im aufgeschlagenen Buch Marias über beide Seiten verteilt die Inschrift D; in der Darstellung der Taufe Christi im Himmel das Tetragramm E; in der Darstellung der Kreuztragung auf dem Kreuzesstamm die Inschrift F, die durch Farbabplatzungen lückenhaft ist, die Jahreszahl kann durch eine Angabe von Müller ergänzt werden. Im Archiv werden die Fragmente von zwei weiteren zu dem Gemäldezyklus gehörenden Bildern aufbewahrt. Fragment 1 zeigt König Salomon unter einem geöffneten Vorhang in Bethaltung vor einem Tisch mit einem aufgeschlagenen Buch darauf, auf den beiden Buchseiten die teilweise zerstörte Inschrift G. Fragment 2 zeigt die Szene Ecce homo, den von Pilatus dem Volk vorgeführten Christus, rechts neben dem Kopf des Pilatus die nur bruchstückhaft erhaltene Inschrift H.

Maße: Gemäldefragment 1: H.: 50 cm; B.: 50 cm. Gemäldefragment 2: H.: 52 cm; B.: 53 cm. Bu.: 2,5 cm (A), 1,5 u. 2,5 cm (B), 0,5 cm (C), 0,3 cm (D), 0,4 cm (E, G, H), 0,4 u. 0,2 cm (F).

Schriftart(en): Fraktur (A, B, G), Minuskel mit Kapitalisversalien (D), Hebräisch (E), Kapitalis (H) und Minuskel (F).

  1. A

    Jesus ein Erlöser, der Herr nimt sich der Sünder an, // Jesus kann Alles heilen, Was niemand heilen kann, //Jesus kan Recht Erquicken, Was ganz Verzaget ist, //Jesum hat Gott geschicket, Er ist der Ware Christ, //An Jesum ich fest gelaube, Mein Hertz vertrawt auff ihn, //Jesum ich Herzlich Liebe, Zu Jhm steht all mein Sinn, //Jesus ich dich erfasse, Jch hoffe auff dein Wort, //Jesus mich nicht verlasse, //Gedenck mein hie und dort, //Jesus auff dein Verdienst allein, Schlaff ich zu letzt gantz selig ein,

  2. B

    Herr wie sind deine Werke / so groß vnd Viel. Ps. 104 / du Hast sie Alle weislich geordnet, a) // Vnd die Erde ist Voll deiner Güter, 2) Halleluja // Ps: 28. Herr mein Hort, 3) //Höre die Stimme Meines Flehens, Wenn ich zu dir schreye, // Wenn ich meine Hände auffhebe Zu deinem Heiligen Chor, 4) // Gelobet sey der Herr, denn er hat Erhöret die stimme Meines Flehens 5) // Ps: 81, Wie lieblich sind deine Wohnunge, Herr Zebaoth, // Meine Seele verlanget und sehnt sich nach den Vorhöfen des Herrn, // Mein leib und Seele Frewen sich in dem lebendigen Gott, 6)// Herr Zebaoth, woll denen, die in deinem Hause Wohnen, 7)

  3. C

    1 / 2 / 3 // 4 / 5 / 6 / 7 / 8 / 9 / 10

  4. D

    Magnifica(t) / anima mea / Dominum, / Et exulta/vit Spiritus / meus in Deo / Salutari meo // Quia respexit / humilitatisb) an/cillae suae / E[x hoc]c) / beata(m) me di/cent omnes / generationes 8)

  5. E

    וה‎ה‎י‎

  6. F

    DANIEL BLOC[.]CIUS / Fecit wissm[....]a 165[2]d)

  7. G

    Herr mei[.] / Gott ich / weiß wed[..] / m[..]nen Eingang / noch Ausgang, // [ – – – ] 9)

  8. H

    E[CCE] HOMO 10)

Übersetzung:

Meine Seele rühmt den Herrn und mein Geist freut sich in Gott, meinem Heiland, weil er die Niedrigkeit seiner Magd angesehen hat. Von nun an werden mich alle Generationen seligpreisen. (D)

Daniel von Block hat (dies) gemacht ... 1652. (F)

Siehe, welch ein Mensch. (H)

Kommentar

Der in der Inschrift F genannte Maler Daniel von Block, der aus einer holländischen Familie stammte, ist von 1612 bis 1650 in Schwerin nachweisbar.11) Die allerdings nicht ganz sicher zu lesenden Buchstaben wissm könnten möglicherweise auf Wismar als damaligen Wohnort des Künstlers hindeuten.

Textkritischer Apparat

  1. Das Bibelzitat aus Platzgründen zunächst zweizeilig, die Angabe der Bibelstelle links vor der zweiten Zeile, dann einzeilig zu Ende geführt.
  2. Statt humilitatem.
  3. Durch Farbabplatzungen nur noch Buchstabenreste.
  4. Ergänzung nach der Angabe von Müller, Fräuleinkloster Lüne, S. 667, wonach die Gemälde 1652 entstanden sind.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. LÜN Ab 3 u. Cb 3–28, 74 u. 75.
  2. Ps. 104,24.
  3. Ps. 28,1.
  4. Ps. 28,2.
  5. Ps. 28,6.
  6. Ps. 84,1–3.
  7. Ps. 84,4f.
  8. Lc. 1,46–48.
  9. Nach 1. Kö. 3,7f. zu ergänzen zu Herr, mein Gott, ich weiß weder meinen Eingang noch Ausgang, im Bibeltext folgt Und dein Knecht ist unter dem Volk, das du erwählt hast. Die wenigen Buchstabenreste lassen keine Rekonstruktion des Inschriftentextes auf der rechten Seite zu, deuten aber darauf hin, daß hier ein anderer Text ausgeführt war.
  10. Io. 19,5.
  11. Thieme/Becker, Künstlerlexikon, Bd. 4, S. 122. Dort sind für Daniel von Block Gemälde in der Doberaner Kirche nachgewiesen.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 251 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0025102.