Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 243 Kloster Lüne 1649

Beschreibung

Drei zu einem Gemäldezyklus gehörende Fragmente.1) Tempera auf Holz. Dargestellt ist die Vita der heiligen Dorothea. Eines der Fragmente hängt im Sommerremter, die beiden anderen Fragmente werden im Archiv aufbewahrt. Das erste Fragment zeigt die Familie der heiligen Dorothea in einer Kutsche bei der Übersiedlung nach Kappadokien. Unten in der Bildmitte die Jahreszahl A, unter der Darstellung eine Leiste, auf der links die Inschrift B, in der Mitte die Inschrift C und rechts die Inschrift D stehen. Alle drei Inschriften sind stark beschädigt, B und C durch die seitliche Beschneidung unvollständig. Das zweite Fragment zeigt die heilige Dorothea vor dem Statthalter Fabricius, der sie zur Frau wünscht, im Bild unten die Jahreszahl E, auf der Leiste unter der Darstellung Inschriftenreste F und G. Auf dem dritten Fragment die Enthauptung der heiligen Dorothea und der Knabe, der Theophilus einen Korb mit Rosen und Äpfeln überbringt, die Schriftleiste darunter ist so stark beschnitten, daß nur noch obere Buchstabenteile zu erkennen sind, die Inschrift läßt sich nicht mehr rekonstruieren.

Maße: Fragment 1: H.: 80,3 cm; B.: 91 cm. Fragment 2: H.: 92,5 cm; B.: 87,5 cm. Fragment 3: H.: 88,5 cm; B.: 78 cm. Bu.: 2,7 cm (A), 1,5 cm (B, D), 3,7 cm (C, F), 2 cm (E), 1,2 cm (G).

Schriftart(en): Fraktur (B, D, G), Kapitalis (C, F).

DI 76, Nr. 243 - Lüneburg, Kloster Lüne - 1649

 Kloster Lüne [1/4]

  1. A

    1649

  2. B

    [ – – – ]hster sich erweist · / [ – – – ]itt ihren ki[.......]reÿst

  3. C

    · D · B · C · V · A · W · a)

  4. D

    Hier auf diesem irdisch[ – – – ] / [ – – – ]

  5. E

    [.]649

  6. F

    [...] S · [.] M ·

  7. G

    So[r....] d[.]e weil auß b[o]s[......] / [ – – – ]a mu[.......]

Kommentar

Möglicherweise wurde das Leben der heiligen Dorothea lange nach der Reformation 1649 im Kloster Lüne vorbildhaft im Sinne Luthers2) dargestellt, um ihre Namensvetterin, die 1634 verstorbene Domina Dorothea von Meding (vgl. Nr. 140), die Vorgängerin der 1649 amtierenden Domina Katharina Margaretha von Estorff, zu ehren.

Textkritischer Apparat

  1. Die drei letzten Buchstaben nicht sicher zu lesen. Die Initialen lassen sich nicht auflösen.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. LÜN Cb 63, 76, 77.
  2. Zum Heiligengedenken nach der Reformation im evangelischen Kontext vgl. Franz Jäger, Vorreformatorische Heiligenlegenden als Exempel lutherischer Ars moriendi. Das Epitaph des Laurentius Hoffmann aus der Ulrichskirche in Halle (Saale). In: Traditionen, Zäsuren, Umbrüche – Inschriften des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit im historischen Kontext. Beiträge zur 11. Internationalen Fachtagung für Epigraphik vom 9. bis 12. Mai 2007 in Greifswald, hg. v. Christine Magin, Ulrich Schindel u. Christine Wulf. Wiesbaden 2008, S. 205–230.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 243 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0024300.