Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 211 Kloster Lüne 1626

Beschreibung

Grabplatte des Amtmanns Christian Wineke und seiner Ehefrau Katharina Wiemann.1) Stein. Die hochrechteckige Grabplatte ist im westlichen Teil des Kreuzgangs in die Wand eingelassen. Auf der Rahmenleiste verläuft in vertiefter Zeile die erhaben gehauene Inschrift A, die sich jeweils im Innenfeld im direkten Anschluß an den Text auf der Rahmenleiste fortsetzt. In den Ecken der Platte in runden vertieften Feldern Wappenschilde, die mit dem Bogen folgenden Beischriften auf der Rahmenleiste zum Innenfeld hin versehen und jeweils im Innenfeld fortgeführt sind (B–E). Oben im Innenfeld eine große runde Kartusche mit einem Allianzwappen darin, die Beischriften F und G oben und unten auf dem Rahmen, darunter eine querrechteckige Tafel mit der Inschrift H, über der Tafel eine Blumenvase. Alle Inschriften erhaben gehauen.

Maße: H.: 221 cm; B.: 137 cm; Bu.: 8 u. 5 cm (A, Rahmenleiste), 4,5 cm (A, Innenfeld), 4 cm (B–E), 6 cm (F, G), 5 cm (H).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 76, Nr. 211 - Lüneburg, Kloster Lüne - 1626

 Kloster Lüne [1/2]

  1. A

    CHRISTIAN(US) WINEKEN / MEGAPOL(ENSIS) GORLICENSISa) NAT(US) AN(N)O [.........] PRAEFECTURAE // LUNENSI ET [........] // BÜTTLING(ENSI) ET LUDERSH(USENSI) PER [..] // AN(NOS) PRAEFUIT [......] / ANNOS // VIXIT 3 FILIAS, ET UNICUM FILIUM VIDENS; MORTU(US) A(NN)O 1626 // DIE 17 POST HORA(M) NOCTIS / 3 A(NN)O AETATIS 35

  2. B

    GEORG WINEKEN · / PATER

  3. C

    ENGEL PREUTZEN · / MATER

  4. D

    HANS PRE[.....] PATE[.]

  5. E

    MAGDALENA OELMANS / MATER

  6. F

    CHRISTIANUS WINEKEN ·

  7. G

    CATHARINA WIEMANS UXOR ·

  8. H

    UT FLOS CRESCIT HOMO DECRES[C]IT / CONDITUR URNA ET TANDEM [C]IN[IS] / EST D[UM] FUIT EX C[I]N[E]RE

Übersetzung:

Christian Wineke wurde im Mecklenburgischen Goritz geboren im Jahr ..., dem Amt Lüne und ... Bütlingen und Lüdershausen stand er ... Jahre vor, ... hat ... Jahre gelebt (und) sah drei Töchter und einen einzigen Sohn. Er starb im Jahr 1626 am 17. Tag nach der dritten Stunde der Nacht im 35. Lebensjahr. (A)

Wie die Blume wächst der Mensch und schwindet, wird im Grab bestattet, und zuletzt ist er (wieder) Asche, da er ja aus Asche war. (H)

Versmaß: Ein elegisches Distichon (H).

Wappen:
Wineke2)Preutze3)
Wiemann4)Oelmann5)
Wineke2)/Wiemann4)

Kommentar

Die Inschriften sind in einer rechtsgeneigten Kapitalis ausgeführt, deren Buchstaben weit ausgezogene Hasten aufweisen.

Christian Wineke ist 1624 als Amtsschreiber in Winsen an der Luhe nachzuweisen und erhielt im selben Jahr die Stelle eines Amtmanns in Bütlingen und Lüdershausen.6) Den Posten als Lüner Amtmann bekleidete er nur sehr kurz vom 29. April 1626 bis zu seinem Tod im selben Jahr.7) Da in der Inschrift die Monatsangabe vergessen und stattdessen nur Tag und Stunde ausgeführt wurden, ist sein Todestag nicht zu bestimmen. Auch eine Aufstellung darüber, was die Bewohner der Ämter Bütlingen, Lüdershausen und Lüne dem verstorbenen Christian Wineke schuldig geblieben seien, ist lediglich auf das Jahr 1626 datiert.8)

Textkritischer Apparat

  1. Statt GORICENSIS, das L irrtümlich ausgeführt.

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. LÜN Dc 10.
  2. Wappen Wineke (Arm, einen Ast mit Weintraube haltend).
  3. Wappen Preutze (Schlüssel).
  4. Wappen Wiemann (drei Weintrauben, 2:1).
  5. Wappen Oelmann (Wilder Mann).
  6. HSTA Hannover, Celle Br. 61a, Nr. 1612 u. 1613.
  7. Bei Albrecht, Beamte, S. 201, ist das Todesjahr irrtümlich mit 1627 angegeben.
  8. HSTA Hannover, Celle Br. 61a, Nr. 1616.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 211 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0021108.