Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 191a Kloster Ebstorf 1613

Diese Katalognummer liegt nur in der Onlinefassung vor (Neufund).

Beschreibung

Grabplatte des Amtmanns Johann Witte (dessen Epitaph vgl. Nr. 191). Stein. Die Grabplatte wurde bei Restaurierungsmaßnahmen in der Kirche 2014/15 zusammen mit sechs weiteren Grabplatten1) im Fußboden des Kirchenschiffs seitlich des Mittelgangs freigelegt, wo sie alle als Baumaterial Verwendung gefunden hatten und durch Gestühlspodeste überbaut waren. Die mit der Vorderseite nach unten in den Boden gelegte Grabplatte des Amtmanns wurde gehoben und zusammen mit den anderen Platten katalogisiert, danach aber wieder in den Boden eingelegt und durch den Fußboden verdeckt, so dass sie inzwischen nicht mehr sichtbar ist. Sie zeigt im Innenfeld im Relief die Figur des Amtmanns in modischer Kleidung mit großem Kragen, der Kopf ist auf ein Kissen gebettet, unten links und rechts im Innenfeld zwei Wappenschilde, deren Inhalt nicht erhalten ist. Auf der Rahmenleiste der Platte läuft die weitgehend zerstörte Inschrift A in eingehauenen Buchstaben um, in den Ecken runde Medaillons mit den Evangelistensymbolen, die alle eingehauene Tituli (B) auf Schriftbändern trugen, deren Reste aber nur noch in den beiden Medaillons (Markus und Johannes) auf der rechten Seite erkennbar sind.

Maße: H.: 196 cm; B.: 105 cm; Bu.: 4,5 cm.

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 76, Nr. 191a - Kloster Ebstorf - 1613

 Klosterkammer Hannover, Corinna Lohse [1/1]

  1. A

    [A(NNO) D(OMINI)] 1613 AM 22 / MA[II] IST [ – – – ] HER IOHAN WITTE / WEI[ – – – ] / [ – – – ]

  2. B

    [ – – – ] // S MARC(US) // [ – – – ] // S [IOH(ANNE)S]

Kommentar

Zu dem Amtmann Johann Witte vgl. Nr. 191.

Anmerkungen

  1. Ich danke Corinna Lohse (Klosterkammer Hannover) ganz herzlich dafür, dass sie mir die Informationen und das Bildmaterial zu den Grabplatten zur Verfügung gestellt hat. Die übrigen sechs Platten fallen entweder nicht mehr in den Bearbeitungszeitraum oder sie tragen keine lesbaren Inschriften mehr. Bei einer dieser Platten handelt es sich um die besonders große Grabplatte für einen Ebstorfer Propst des 15. Jahrhunderts, die früher – heute verlorene – Metalleinlagen trug (Maße H.: 259 cm, B.: 170 cm). Als Rahmenleiste verlief ein Metallband mit Inschrift um den Stein, in den Ecken runde Metallmedaillons vermutlich mit Evangelistensymbolen. Im Innenfeld ist noch die Ritzzeichnung des Propstes in einer gotischen Architekturnische erkennbar. In der linken Hand hielt er den in Metall eingelegten Kelch, in der rechten Hand ein in Metall eingelegtes Kirchenmodell. Dieses auf Propstgrabplatten sonst eher unübliche Attribut könnte darauf hinweisen, dass die Grabplatte für den 1493 verstorbenen Propst Matthias von dem Knesebeck (vgl. Nr. 55) bestimmt war, der während seiner langen Amtszeit seit 1464 verschiedene größere Baumaßnahmen im Kloster durchführen ließ. Stilistisch passen die erkennbaren Reste der Ritzzeichnung sehr gut zum Todesdatum 1493. Es ist wahrscheinlich, dass im unteren Bereich der Platte, der nicht aufgedeckt wurde, ein metallener Wappenschild angebracht war.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 191a (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k00191a3.