Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 178 Kloster Lüne 1604

Beschreibung

Grabplatte des Amtmanns Otto Kempe und seiner Ehefrau.1) Stein. Die stark beschädigte Grabplatte liegt im Westteil des Kreuzgangs im Fußboden. In der Mitte des hochrechteckigen Steins sind noch die Umrisse eines Medaillons mit einem Allianzwappen darin zu erkennen, die Wappeninhalte sind zerstört, ebenso die wohl ehemals um das Medaillon umlaufende Beischrift. In den vier Ecken kleinere Wappenmedaillons mit auf dem Rand umlaufenden eingehauenen Beischriften (A). Zwischen den Medaillons in vertiefter Zeile umlaufend in erhabenen Buchstaben die Inschrift B. Im Innenfeld über und unter dem Wappenmedaillon die Inschrift C in eingehauenen Buchstaben.

Maße: H.: 206 cm; B.: 115 cm; Bu.: 3,5 cm (A), 7 cm (B), 4 cm (C).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 76, Nr. 178 - Lüneburg, Kloster Lüne - 1604

 Kloster Lüne [1/1]

  1. A
    PASKE KEMPE2) ALHEID PREDOLE3) 
    HIERONIMVS HVGE4) MADDALENA ZEGGERS5) 
  2. B

    A(NN)O CHRI[...] / DEN [...]BRVARI IST [..]R SELIG / [...]HL ENT[...]/LAFFEN DEM GOT GNEDIG SEI

  3. C

    HIE OTTO KEMPE IN DIESEM GRAB / NACH SEINEM TODT SEIN RHVSTEDT HAT /EIN TREVER AMBTMAN ZV LVNE WAR /MIT MVH VND VNRVH VFF VIER IAHR //SCHLIEF SELIG EIN MIT SANFTMVT GROS /BEFHAL SEIN SEEL IN GOTES SCHOS /DER LEIB WARTET DES HERN CHRIST /DER SEIN ERLO[S]ER VND RICHTER IST

Kommentar

Die beiden unteren Wappenbeischriften dürften sich auf die Eltern der Ehefrau beziehen, deren Name nicht bekannt ist. Ob die Grabplatte das Todesjahr des Otto Kempe trug, läßt sich nicht mehr feststellen, es scheint hierfür jedoch nicht ausreichend Platz gewesen zu sein. Möglicherweise wurde es bei der Ausführung der Inschrift B vergessen. Otto Kempe verstarb nach nur vierjähriger Wirkungszeit als Amtmann von Lüne im Februar 1604. Die Ernennung der Amtleute von Ebstorf und Lüne Johann Witte (vgl. Nr. 191) und Leopold Ulrich zu Vormündern seiner Kinder ist archivalisch belegt.6) Seine Erben waren an der Finanzierung der 1608 in der Lüner Kirche errichteten Kanzel beteiligt (vgl. Nr. 181). Offenbar gab es in seiner kurzen Amtszeit Differenzen zwischen dem Amtmann und dem Konvent. Dies wird in einem undatierten Schreiben an den Landesherrn deutlich, das der Lüner Konvent nach dem Tod Kempes verfaßte. Darin ist von einem Schmähbrief des Amtmanns die Rede, der erst nach seinem Tod geöffnet worden sei, in dem der Amtmann den Konvent des geistlichen Geizes und ungebührlichen abschleppens bezichtigte. Der Konvent verwies in seinem Rechtfertigungsschreiben darauf, daß er genügend Mildtätigkeit ausübe und keinerlei Klostermittel verschwende.7)

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. LÜN Dc 15.
  2. Wappen Kempe (aus Gebüsch hervorkommendes Tier, Schwein?).
  3. Wappeninhalt zerstört.
  4. Wappen Huge (drei aus einem Ast hervorwachsende Kleeblätter, 2:1).
  5. Wappen Zeggers (oben zwei Sterne, unten ein Ring).
  6. HSTA Hannover, Celle Br. 55, Nr. 142/1,16.
  7. HSTA Hannover, Hann. 113 III, Nr. 13543, fol. 2–5.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 178 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0017808.