Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 160 Kloster Lüne 1595, 1646

Beschreibung

Wappenscheiben.1) Glas, bemalt. Oben in den Zwickeln des sechsten bis achten Fensters von Westen im südlichen Kreuzgang je zwei kleine Rautenscheiben mit Wappenbeischriften darin, die sich auf eine darüber angebrachte runde Wappenscheibe beziehen (A–C). In den Wappenscheiben jeweils ein Engel als Schildhalter mit zwei Wappenschilden. Ob die Zuordnung der Wappenmedaillons zu den Inschriften noch die ursprüngliche ist, läßt sich nicht mehr feststellen. Im fünften Fenster wiederholen sich die Beischriften des sechsten Fensters noch einmal ohne Wappenmedaillon (D). Eine weitere Wappenscheibe mit dem Wappen der Familie von Dassel und einer Beischrift (E) soll sich früher im vierten Fenster des westlichen Kreuzgangs befunden haben.

Inschrift E nach Dassel, Bericht.

Maße: H.: ca. 11 cm; B.: ca. 7,5 cm (Rauten); Bu.: 1,5 cm.

Schriftart(en): Fraktur mit Kapitalis.

DI 76, Nr. 160 - Lüneburg, Kloster Lüne - 1595, 1646

 Kloster Lüne [1/3]

  1. A1

    15 / D(octor) · hinrick / van · senden / 95 2)

  2. A2

    15 / Anna · Van / dassel · uxor / 95 3)

  3. B1

    15 / A · sigisbertvs / gancganivs / 95 4)

  4. B2

    15 / Anna · / Martens · VXO[R] / 95 2)

  5. C1

    15 / Ia) · Hinricvs / hermes · / 95 2)

  6. C2

    15 / Magdalena / grvngans / VXOR / 95 2)

  7. D1

    15 / D(octor) · hinrick / van · senden / 95

  8. D2

    15 / Anna · van / dassel · uxor / 95

  9. E†

    1646 / H(err) Johann Von Dassel

Kommentar

Die Scheiben im fünften und sechsten Fenster (A, D) stifteten Anna von Dassel (geb. 1568, † 30. August 1607), die Tochter des Lüneburger Sülfmeisters Georg von Dassel, und ihr Ehemann, der ebenfalls aus Lüneburg stammende Heinrich von Senden. Dieser wurde 1551 geboren, studierte seit 1577 an den Universitäten Rostock, Wittenberg, Erfurt und Helmstedt, erwarb den Titel eines Doktors beider Rechte und fungierte laut Büttner als Rat in der Stadt Lüneburg.5) Das Ehepaar heiratete im Jahr 1593. Heinrich von Senden starb am 22. Oktober 1600. Die Inschrift E bezieht sich auf Johann von Dassel (geb. 23. Juni 1597, † 4. Februar 1665), der seit 1629 als Sülfmeister, seit 1637 als Ratsherr und seit 1652 als Bürgermeister in Lüneburg fungierte.6) Die anderen Personen sind nicht nachzuweisen.

Textkritischer Apparat

  1. Hinter dem I ein Kürzungszeichen, eventuell I(ohannes).

Anmerkungen

  1. Ohne Inv. Nr.
  2. Leerer Wappenschild.
  3. Wappen ? (zwei verkreuzte Blumen). Das Wappen ist nicht identisch mit dem bei Siebmacher/Hefner (Wappenbuch, Bd. 2, Abt. 9, S. 23, Tafel 25) und bei Büttner (Genealogiae, Dassel) nachgewiesenen Wappen Dassel.
  4. Wappen Gancganius? (Hirte mit Schaf auf den Schultern).
  5. Matrikel Rostock, Bd. 2, S. 193b,80. Matrikel Wittenberg, Bd. 2, S. 284b,5. Matrikel Erfurt, Bd. 2, S. 446,21. Matrikel Helmstedt, Bd. 1, S. 41,14a. Büttner, Genealogiae, Stammtafeln Dassel VII und Senden.
  6. Ebd., Stammtafel Dassel IV.

Nachweise

  1. Dassel, Bericht 1894, S. 80 (E) u. 1895, S. 43f. (A, D).

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 160 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0016006.