Inschriftenkatalog: Lüneburger Klöster

Katalogartikel in chronologischer Reihenfolge.

DI 76: Lüneburger Klöster (2009)

Nr. 147 Kloster Lüne 1566–1590, 1638

Beschreibung

Zwei Altarleuchter.1) Gelbguß. Die beiden großen Leuchter sind als Gegenstücke gearbeitet. Sie stehen jeweils auf vier Löwenfüßen, der Schaft mit mehreren Wulstringen belegt. Auf dem gestuften Fuß auf dem einen Leuchter die Inschrift A, auf dem anderen die Inschrift B eingraviert. Der Worttrenner in Inschrift A als Sternchen.

Maße: H.: 44,9 cm (A), 43,8 cm (B); Bu.: 0,9 cm (A), 1 cm (B).

Schriftart(en): Kapitalis.

DI 76, Nr. 147 - Lüneburg, Kloster Lüne - 1566-1590, 1638

 Kloster Lüne [1/3]

  1. A

    ALBERT · ROEFSACK

  2. B

    THOMAS DAMMAN 1638

Kommentar

Vermutlich stiftete der Lüner Amtmann Albert Roefsack (vgl. Nr. 134) den undatierten Leuchter während seiner Amtszeit von 1566 bis 1590, und der Amtmann Thomas Dammann, der dieses Amt von 1630 bis 1657 bekleidete,2) ließ nach dem älteren Vorbild einen weiteren Leuchter anfertigen. Hierauf deuten die beiden unterschiedlich ausgeführten Inschriften. Während die Inschrift A in einer gut proportionierten Kapitalis ausgeführt ist, wirkt die schnörkelig ausgeführte Kapitalis der Inschrift B eher unausgewogen.

Thomas Dammann, der 27 Jahre lang als Lüner Amtmann fungierte (vgl. a. Nr. 230 u. 234), war seit 1613 mit der aus Walsrode stammenden Ilsa Volckmann verheiratet, mit der er elf Kinder hatte.3) In zweiter Ehe heiratete Dammann Maria Salome Koster, die nach seinem Tod 1662/63 vom Kloster Lüne weiterhin jährliche Zuwendungen erhielt.4) Seine korrekte Haltung bewies Thomas Dammann 1653, als er der herzoglichen Kammer mitteilte, zu hoch besoldet worden zu sein. Seine Besoldung belief sich auf insgesamt 241 Taler, von denen er einen Amtsdiener zu unterhalten hatte.5) Offenbar gab Thomas Dammann 1657 sein Amt aus gesundheitlichen Gründen auf, denn 1658 stellte er ein Verzeichnis über von ihm noch nicht eingetriebene Schuldforderungen auf mit der Begründung, bei seinem Tod seiner Frau und seinen Kindern geordnete Verhältnisse hinterlassen zu wollen.6) Unter den Zuwendungen, die der Amtmann noch nach der Niederlegung seines Amtes erhielt, befanden sich 1659 zehn Schnupftücher, eine Schachtel mit Morsellen (Marzipankonfekt) und zwanzig Fischkuchen (Gebäck in Fischform), kurz vor seinem Tod erhielt er 1662 vier Schnupftücher und zwei Kragen, zwei Hunde sowie zwanzig Fischkuchen und eine Schachtel Morsellen.7)

Anmerkungen

  1. Inv. Nr. LÜN Ea 2.
  2. Albrecht, Beamte, S. 201.
  3. Leichenpredigt Ilsa Volckmann, Auszüge bei Roth, Auswertungen, Nr. 5525.
  4. Klosterarchiv Lüne, Anschreibebuch Nr. 2.
  5. HSTA Hannover, Hann 74 Lüne, Nr. 97.
  6. Ebd.
  7. Klosterarchiv Lüne, Anschreibebuch Nr. 2.

Zitierhinweis:
DI 76, Lüneburger Klöster, Nr. 147 (Sabine Wehking), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di076g013k0014703.